Olympia: Ein Tiroler Bob-Bauer mischt die internationale Szene auf

Die weltschnellsten Schlitten für den Eiskanal werden von einem Österreicher gebaut.
Die weltschnellsten Schlitten für den Eiskanal werden von einem Österreicher gebaut. - © APA/EXPA/JOHANN GRODER
Nach den Rodlern und den Skeletoni bilden die Bob-Piloten den Abschluss der olympischen Bewerbe im Eiskanal von Pyeongchang. Und selbst wenn Benjamin Maier und Co. vielleicht nicht ganz vorne landen: das Produkt eines Österreichers wird wie schon seit einigen Jahren eine sehr große Rolle spielen. Johannes Wallner aus dem Tiroler Ort Volders entwickelt seit Jahren Schlitten für die Welt-Elite.

Die Firma “Sportfahrzeugbau Wallner” im 4.500-Einwohner-Ort Volders hat den großen Entwicklungsfirmen in Deutschland, der Schweiz oder den USA seit Jahren erfolgreich die Stirn geboten. ÖBSV-Cheftrainer Manfred Maier erinnert sich im APA-Gespräch an die Anfänge. “Wir haben 2008 ein Materialprojekt angeleiert und wollten dafür 220.000 Euro bekommen. Bekommen haben wir 75.000, aber mit der Vorgabe, dass wir den weltbesten Schlitten bauen müssen.”

Weltschnellster Bob aus Österreich

Maiers damaliger Nummer-1-Pilot Wolfgang Stampfer, dreimaliger ÖOC-Olympia-Teilnehmer und seit vier Jahren Schweizer Bob-Cheftrainer, war selbst immer schon ein Tüftler. Gemeinsam mit seinem Freund, Johannes Wallner, ging er an das Projekt heran. “Wir haben alles zusammengetan, niemand hat etwas verdient, haben Windkanaltests usw. gemacht. Für die Spiele 2010 haben wir den weltschnellsten Bob gehabt”, erinnert sich Maier. Eine Bandscheiben-Operation Stampfers drei Monate vor den Spielen, ein Sturz im ersten Viererlauf samt Verletzung am Zeigefinger und eine Disqualifikation im Zweier-Bob waren die niederschmetternde Ausbeute damals.

Olympiasieger mit Tiroler Bob

“Wir hatten mit Wallner ausgemacht, dass bis nach den Spielen kein Gerät verkauft werden darf.” Doch kurz danach stürzten sich die finanzstarken Russen auf das Wallner-Gerät und starteten im Hinblick auf die Heim-Spiele in Sotschi ein Projekt. Sie banden Wallner finanziell an sich, erzählt Maier. Alexander Subkow wurde im Zweier und im Vierer Olympiasieger, nach einem Verfahren wegen mutmaßlicher Dopingverstöße bestätigte aber das Oberste Sportgericht kürzlich den Verlust beider Goldmedaillen des aktuellen russischen Cheftrainers. Er ist von den Winterspielen in Pyeongchang ausgeschlossen.

Markus Treichl, Markus Glueck, Marco Rangl, Ekemini Bassey (v.l.n.r.) beim Bob- und Skeleton- Weltcup in Innsbruck./APA/EXPA/JOHANN GRODER Markus Treichl, Markus Glück, Marco Rangl, Ekemini Bassey (v.l.n.r.) beim Bob- und Skeleton- Weltcup in Innsbruck./APA/EXPA/JOHANN GRODER ©

“Bis 2016 war er exklusiv, jetzt ist er frei auf dem Markt”, so Manfred Maier über die Produkte Wallners. Gerade in großen Entwicklungszentren, wo in Forschung und Entwicklung von Sportgeräten beispielsweise in Deutschland jährliche Millionenbeträge investiert werden, herrschte nicht nur aus Sicht der Geldgeber wohl zurecht Aufregung. Wie kann ein kleiner Bob-Bauer aus einem kleiner Tiroler Ort alle anderen abhängen?

Tüftlerei und viel Herzblut sind Erfolgsgeheimnisse

Manfred Maier kennt wohl eines der Erfolgsgeheimnisse: “Im Bobfahren ist schon viel Tüftlerei und viel Herzblut dabei. Da kommt man oft mitten in der Nacht auf Sachen drauf. Da muss man aufstehen und muss es niederschreiben: das probieren wir morgen”, erklärt der ÖBSV-Cheftrainer den Prozess, der an den nächtlichen Einfall eines Komponisten erinnert. Und dazu brauche man auch die Athleten, die da mitspielen.

Als Wallner damals zu den Russen gegangen war, war Maier senior eine Zeit lang nicht gut auf Wallner anzusprechen. “Ja, wir haben einen Krach gehabt vor zehn Jahren. ‘Wir haben alle ehrenamtlich gearbeitet und du casht jetzt ab'”, habe er ihm damals gesagt. Und mit Wolfgang Stampfer, der aus der Schweiz ein wesentlich höheres Angebot als vom ÖBSV bekommen hatte, war ein weiterer kluger Entwicklungskopf abhandengekommen. “Der Wolfi baut selbst auch sehr schnelle Bobs, die Schweizer fahren alle seine Schlitten”, schilderte Maier.

Vierer Schlitten kostet über 100.000 Euro

Immerhin hat Wallner damals aber Hilfe zugesagt, sollte sich einer der österreichischen Piloten gut entwickeln. Und das war dann ausgerechnet Benjamin Maier, der Sohn Manfreds. Ein zweiter Platz beim Weltcup in Königssee 2016 gab dann den Ausschlag. “Er hat dem Benni in kürzester Zeit ein Angebot gemacht.” Benjamin Maier kam für diese Saison so auch zum Weltmeister-Schlitten des deutschen Francesco Friedrich aus dem Vorjahr. Nur in der Grundversion, ohne spezielle Einstellungen. Den Bob musste sich Benjamin Maier selbst finanzieren, und hat dabei auch bei den Eltern “in die Tasche gegriffen”. Den Vierer-Schlitten, die Preise bewegen sich zwischen 100.000 bis 120.000 Euro, hat er mit der Olympiaförderung finanziert.

B0b-Bauer Wallner in ganzer Szene beliebt

Produkte aus dem Hause Wallner, bestätigt auch Benjamin Maier, sind in der ganzen Szene beliebt. “Die Deutschen, Österreich, Lettland, Russland, Holland, Südkorea, Kanada – sprich in den Top 10 im Vierer sind vermutlich sieben Wallner-Geräte.” Die Nähe zum Hersteller ist für die Tiroler Athleten natürlich ein großer Vorteil. “Für uns ist es super. Der ‘Walli’ selbst hilft uns natürlich, wo es geht”, erzählt Maier junior. Und das alte “Kriegsbeil” hat sein Vater mit dem Hersteller schon lange begraben.

(APA)

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