OMV-Chef Roiss geht vorzeitig Mitte 2015

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OMV-Boss Gerhard Roiss vor Abgang
OMV-Boss Gerhard Roiss vor Abgang
In der börsenotierten OMV findet ein größerer Umbau in der Führung und in der Struktur statt. Vorstandschef Gerhard Roiss werde aus seiner Funktion mit 30. Juni 2015 ausscheiden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Der Aufsichtsrat habe sich mit Roiss auf ein “einvernehmliches” Ausscheiden geeinigt. Nun wird ein Nachfolger gesucht.


Der Vertrag von Roiss wäre noch bis 2017 gelaufen. Die Nachfolge ist hingegen noch nicht geklärt. “Der Aufsichtsrat hat den Prozess zur Identifizierung von geeigneten Kandidaten für die Nachfolge als CEO von OMV eingeleitet”, heißt es dazu knapp in der adhoc-Mitteilung des börsenotierten Unternehmens Dienstagabend. Zuvor war medial OMV-Finanzvorstand David Davies als neuer Chef des Öl- und Gaskonzerns kolportiert worden. Sein Vertrag läuft noch bis 2017.

Weiters werden die Geschäftsbereiche umgebaut, wodurch Gasvorstand Hans-Peter Floren seinen Bereich an einen anderen Vorstand verliert. Auch Florens Abgang dürfte somit bevorstehen. Mit ihm werden “Vertragsverhandlungen” aufgenommen werden, heißt es bei der OMV. Ein Konzernsprecher wollte dies auf APA-Anfrage nicht näher erläutern.

Konkret werden zwei Geschäftsbereiche ab 1. Jänner 2015 zur neuen Sparte “Downstream” verschmolzen. Der Geschäftsbereich Gas und Power, der bisher von Floren geleitet wurde, soll mit dem Geschäftsbereich Raffinerien und Marketing von Vorstand Manfred Leitner zusammenkommen. Der neue Bereich werde unter der Führung von Leitner stehen.

Ein Grund für den vorzeitigen Abgang von Roiss wird in der Unternehmensmitteilung nicht genannt. In Medien hieß es, dass es Kritik an seinem Führungsstil gebe. Er soll die Entmachtung von Floren betrieben haben. Nun dürften offenbar beide gehen.

Der OMV-Aufsichtsrat hatte seit 9 Uhr früh getagt. Eine Meldung des “Kurier” am Vormittag, wonach Finanzvorstand David Davies dem ausscheidenden Roiss im Chefsessel folgen werde, wurde umgehend dementiert. Erst kurz vor 20 Uhr kam dann eine knappe Mitteilung des Unternehmens. In Medien wird schon über die Millionen-Abfindungen für die Vorstände spekuliert. Ihr vorzeitiger Abschied könnte bis zu zehn Millionen Euro kosten, heißt es im “Kurier”. Das Gehalt von Roiss wird in der Zeitung mit rund 3,2 Mio. Euro angegeben, das von Floren mit 1,1 Mio. Euro.

Roiss (62), der in der WU Wien, in Linz und Stanford (USA) seine Wirtschaftsausbildung absolviert hatte, war 1990 mit der Leitung des OMV Marketing betraut worden und wurde Vorstandsmitglied der PCD Polymere GmbH, 1997 deren Vorstandsvorsitzender. Seine erste Vorstandsaufgabe in der OMV-Konzernleitung übernahm Roiss 1997 – und zwar für Kunststoffe und Chemie. Im Jahr 2000 erhielt er zusätzlich den wichtigen Geschäftsbereich Exploration und Produktion (E&P) übertragen, “die” Cash-Cow des Ölriesen.

Mit Jänner 2002 avancierte Roiss zum Vize-Generaldirektor und leitete ab sofort den Bereich Refining und Marketing (R&M) samt Petrochemie. Die damals noch opportune Expansionsstrategie im Marketing (Tankstellen) und in der Verarbeitung wurde später angesichts der Raffinerie-Überkapazitäten in Europa zurückgenommen, von im CEE-Raum aufgebauten Zapfsäulen trennte man sich nach und nach wieder. Mit 1. April 2011 wurde Roiss OMV-Generaldirektor. Er ist auch Aufsichtsratschef der Rumänien-Tochter Petrom und bei der türkischen Petrol Ofisi.

Bereits im September wurde mitgeteilt, dass der für Exploration und Produktion zuständige Vorstandsdirektor Jaap Huijskes seine Funktion vorzeitig zurücklegen und im 1. Halbjahr 2016 aus dem Unternehmen ausscheiden wird. Sein Vertrag wäre bis Ende September 2018 gelaufen. Insgesamt sitzen im OMV-Vorstand derzeit fünf Manager.

Nationalbankpräsident Claus Raidl, früher selber ÖIAG-Vorstand, hat unterdessen scharfe Kritik am Vorgehen der ÖIAG bei der OMV geübt. Das Ganze sei ein “Desaster”, sagte Raidl Dienstagabend in der “ZiB2” des ORF. Der Vertrag von OMV-Chef Gerhard Roiss sei ja erst vor einem Jahr verlängert worden. Die Tatsachen hätten sich nicht verändert, offenbar sei man damals zu “feige” gewesen, wetterte er.

Auch die jetzige Entscheidung, dass Roiss noch bis Juni 2015 im Amt bleibe, hält Raidl für falsch. In Personalfragen müssten rasch Entscheidungen getroffen und diese rasch umgesetzt werden. Wer werde nun noch ernsthaft mit Roiss reden, fragte er. Der ÖIAG fehle offenbar das Gespür im Umgang mit börsenotierten Unternehmen.

“Diese ÖIAG mit dem Vorstand und dieser Aufsichtsratsstruktur braucht wirklich niemand”, so Raidl. Rückblickend sei die ÖIAG-Reform der schwarz-blauen Regierung ein Fehler gewesen. Man habe damals auf seinen Rat hin die Politisierung des Aufsichtsrats beseitigen wollen, es habe sich aber eine gewisse Gruppe etabliert, die sich selbst erneuere und ihre eigenen Interessen verfolge: “Aus dem Prellbock zwischen Politik und Wirtschaft wurde ein Bunker.”

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