Palmen vor dem Mailänder Dom sorgen für heftige Kontroverse

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Der Mailander Dom wird von Palmen gesäumt
Der Mailander Dom wird von Palmen gesäumt - © AFP
Palmen vor dem Mailänder Dom? Die Neugestaltung des Platzes vor der berühmten Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert hat eine Kontroverse darüber ausgelöst, ob exotische Pflanzen vor nationale Denkmäler in Italien gehören. Geplant ist die Pflanzung von insgesamt 42 Palmen, von denen einige fünf Meter hoch sind, sowie von Bananenstauden. Finanziert wird das Projekt von der US-Kaffeehauskette Starbucks.

Der bekannte italienische Landschaftsarchitekt Paolo Pejrone sagte, in städtischen Gebieten müssten nicht zwangsläufig heimische Pflanzen stehen – “aber sie auf den Domplatz zu pflanzen, erscheint mir wie eine neugotische Verrücktheit”.

Der Chef der nationalistischen Partei Lega Nord, Matteo Salvini, nutzte die Debatte für fremdenfeindliche Töne: “Palmen und Bananen auf der Piazza del Duomo – was wir jetzt noch brauchen, sind Kamele und Affen, dann haben wir wirklich Afrika in Italien.”

Besonders pikant ist an der Neugestaltung, dass die Bepflanzung von Starbucks finanziert wurde – ausgerechnet jener Firma, die in den kommenden Jahren Italiens traditionsreichen Cafés massiv Konkurrenz machen will.

Starbucks hatte eine Ausschreibung für die Umgestaltung einiger Grünflächen in Mailand gewonnen. Aber sogar Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala äußerte sich zurückhaltend über die Idee, Palmen vor dem berühmtesten Bauwerk seiner Stadt zu pflanzen. “Als Bürger halte ich mich erstmal zurück”, sagte er. “Lassen Sie uns abwarten, wie es aussieht, wenn es fertig ist.” Er habe nicht grundsätzlich etwas daran auszusetzen, zudem gebe es einen historischen Bezug.

Palmen sind nicht in Italien beheimatet, gehören aber vielerorts zum Stadtbild. Bei den italienischen Adeligen waren die exotischen Pflanzen im 18. und 19. Jahrhundert in Mode. Im 20. Jahrhundert ließ Diktator Benito Mussolini Palmen pflanzen – als Referenz an das einstige italienische Kolonialreich in Afrika.

Architekt Pejrone schrieb dagegen in der Zeitung “La Repubblica”, Palmen hätten “weder etwas mit der Zukunft, noch mit der Vergangenheit Norditaliens zu tun”. Und Bananenstauden seien wirklich “eine mutige Wahl, an der Grenze zum Kitsch”. Der Domplatz sei zudem berühmt für seine Leere, er sei von dem Architekten Piero Potaluppi bewusst so gestaltet worden. “Diese Vision muss respektiert werden.”

Mit der Pflanzaktion bringt sich Starbucks in jedem Fall in Italien ins Gespräch. Die Kette ist bisher noch nicht in der Heimat des Cappuccino präsent, will aber im kommenden Jahr seine ersten Filialen in Rom und Mailand eröffnen. Nach Angaben vom Mittwoch sollen in den kommenden Jahren insgesamt 200 bis 300 Filialen in Italien entstehen.

(APA/AFP)

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