Papst-Besuch in der Türkei gibt Christen Hoffnung

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Christen in der Türkei freuen sich auf Besuch
Christen in der Türkei freuen sich auf Besuch
Die Bischöfe der christlichen Gemeinschaften in der Türkei freuen sich auf den Besuch von Papst Franziskus I. Sie erhoffen sich ein positives Signal in dem mehrheitlich islamischen Land, wo Christen insgesamt nicht einmal mehr ein Prozent der Bevölkerung ausmachen. Seine sechste Auslandsreise führt den Pontifex vom 28.-30. November nach Ankara und Istanbul.


Im Gespräch mit österreichischen Journalisten unterstreicht Bartholomaios I., das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, den “brüderlichen Umgang” mit Benedikt XVI., den er 2006 im Phanar empfing, und seine “persönliche Freundschaft” zu dessen Nachfolger Franziskus, die “hilfreich” für die ökumenischen Bestrebungen sei. Die Zusammenarbeit für die gemeinsame Zukunft der Christen sei beiden ein Anliegen. Die geplante “gemeinsame Erklärung wird ein wichtiger Schritt in unseren Beziehungen sein”, so der Patriarch. Freilich dürfe man sich “keine spektakuläre Geste” erwarten.

“Wenn wir von ökumenischen Fortschritten sprechen, heißt das nicht, dass die Einheit morgen realisiert wird”, resümiert Bartholomaios. Doch er vertraue darauf, “dass der Tag für die volle Einheit der Christen kommen wird”. Der Graben, der sich mit der Kirchenspaltung vor Jahrhunderten (1054) auftat, könne nicht so einfach geschlossen werden. In den letzten 50 Jahren sei aber ein Annäherungsprozess in Gang gekommen. Ein Knackpunkt sei der Primat des Bischofs von Rom. “Wenn wir das bewältigen, ist viel getan”, sagt Bartholomaios, der auch “inner-orthodoxe Schwierigkeiten” einräumt.

Protokoll und heikle Diplomatie bestimmen den Ablauf der Visite. Denn Franziskus, der als vierter Papst in die Türkei reist, hat zwei Gastgeber – den türkischen Staat und den Phanar. Als Staatschef des Vatikan wird er in Ankara von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Premier Ahmet Davutoglu empfangen, zwei Repräsentanten des konservativ-islamischen Regierungslagers. Der Papst trifft auch mit dem Leiter des staatlichen Religionsamtes (Diyanet), Mehmet Görmez, zusammen und besucht das Atatürk-Mausoleum.

Am nächsten Tag fliegt Franziskus nach Istanbul, wo er die Hagia Sophia – einst Patriarchatskathedrale von Konstantinopel, später Moschee, heute Museum – und die Blaue Moschee (Sultan-Ahmet-Moschee) besucht. Es folgen die zwei religiösen Höhepunkte der Visite: zuerst ein Gottesdienst in der katholischen Kathedrale, dann Teilnahme am Fest des Heiligen Andreas im Phanar, dem Sitz des Ökumenischen Patriarchen am Goldenen Horn. Bartholomaios lud Franziskus zum Patronatsfest ein. Die beiden Kirchenoberhäupter waren erstmals bei der Amtseinführung des Pontifex im Vorjahr zusammengetroffen. Ein zweites Treffen fand im Mai in Jerusalem statt.

Die Kürze des Besuchs wird in Kirchenkreisen sehr bedauert. Der katholische Erzbischof Louis Pelatre nimmt das Ganze pragmatisch. “Kurze Besuche, das ist sein Stil”, sagt er zu den Journalisten aus Österreich. Franziskus sei spontan einer Einladung zum Andreas-Fest durch Bartholomaios gefolgt. “Was an Zeit bleibt, ist für die Lateiner.” So werden die mit Rom unierten Christen in der Türkei genannt. Das Interesse am Papst sei unter den Gläubigen sehr groß, auch viele Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak wollen den Papst sehen. Leider sei die Kathedrale angesichts des zu erwartenden Andrangs viel zu klein.

Der armenisch-apostolische Patriarchalvikar Erzbischof Aram Atesyan, der seit geraumer Zeit den erkrankten Patriarchen Mesrob II. Mutafyan vertritt, empfängt die österreichischen Gäste in der prächtigen Kathedrale im Istanbuler Bezirk Kumkapi. Gern hätte er auch dem Papst sein Gotteshaus gezeigt. Ein Treffen mit Franziskus sei noch nicht fixiert, er warte noch auf eine Antwort aus dem Phanar, lässt Atesyan durchblicken.

Der Patriarch der Syrisch-Orthodoxen in der Bosporus-Metropole, Filüksinos Yusuf Cetin, wertet die Papst-Visite als “einen großen Segen nicht nur für die Katholiken, sondern für alle Christen in der Türkei und das ganze Land”. Er sprach die Hoffnung aus, “dass die Botschaft des Papstes ein Friedenssignal für den Nahen Osten bringt”. Die syrischen Christen, die heute noch ihre Gottesdienste in der Sprache Jesu, Aramäisch, feiern, leiden ganz besonders unter den islamistischen Gräueln und der Verfolgung ihrer Glaubensbrüder in Syrien und im Irak.

Auch Cetin, Oberhaupt der zweitgrößten Christengemeinde nach den Armeniern in der Türkei, hofft auf eine persönliche Begegnung mit Papst Franziskus. Das Treffen mit Johannes Paul II. 1979 war für den langjährigen Patriarchen “ein historischer Tag”, die Begegnung mit Benedikt XVI. “eine große Ehre”. “Unsere Kirche glaubt an den Dialog”, bekennt sich der syrisch-orthodoxe Patriarch zur Ökumene. Er verweist auf die guten Kontakte mit den anderen christlichen Gemeinschaften.

Pater Franz Kangler, Lazaristen-Superior und langjähriger Direktor des St.Georgs-Kollegs in Istanbul, meint, die Freundschaft des Papstes mit Bartholomaios könne eine Stärkung der Position des Ökumenischen Patriarchen bedeuten, der früher von den türkischen Behörden gar nicht in diesem Amt wahrgenommen wurde. Pater Claudio Monge vom Dominikanerkonvent in Istanbul erwartet, dass Franziskus in der Türkei “den humanitären Aspekt” hervorheben werde. Die protestantische Pfarrerin Ursula August sieht im Papst-Besuch “eine gute Möglichkeit für die Ökumene”. Der kleinen protestantischen Gemeinde liege auch viel am Dialog mit der islamischen Mehrheitsgesellschaft, der auf allen Ebenen gepflegt werde.

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