Papst rief zu Eintracht zwischen Christen und Muslimen auf

Akt.:
Papst Franziskus will ein Zeichen für den Frieden setzen
Papst Franziskus will ein Zeichen für den Frieden setzen - © APA (AFP)
Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Ägypten zu Eintracht zwischen Christen und Muslimen aufgerufen. Nach einer Reihe blutiger Anschläge auf Kopten besuchte er gemeinsam mit dem Papst der christlichen Minderheit, Tawadros II., am Freitag in Kairo einen der Anschlagsorte. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche warnte zugleich vor einer Bedrohung des Friedens durch zunehmenden Populismus.

Am Abend besuchten Franziskus und Tawadros II. die Kirche St. Peter und Paul, wo im Dezember bei einem Selbstmordanschlag 29 Menschen getötet worden waren. Zu dem Anschlag hatte sich die sunnitische Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. “Eure Leiden sind auch unsere Leiden”, sagte der Papst.

Die christliche Minderheit ist in Ägypten immer wieder Opfer von Gewalt. Zuletzt wurden vor gut zwei Wochen bei Anschlägen auf zwei Kirchen in Alexandria sowie in Tanta nördlich von Kairo insgesamt 45 Menschen getötet. Die Kopten machen rund zehn Prozent der 92 Millionen Ägypter aus. Für Samstag war eine Messe des Papstes für die kleine katholische Gemeinde in Ägypten geplant, die geschätzt rund 272.000 Mitglieder zählt.

Bereits zuvor hatte sich Franziskus gegen Gewalt im Namen Gottes ausgesprochen. “Allein der Frieden ist heilig, und kein Akt der Gewalt darf im Namen Gottes begangen werden, da dies seinen Namen entweihen würde”, sagte Franziskus in einer Rede bei einer muslimisch-christlichen Konferenz in Kairo.

Der Papst war am Nachmittag zu seinem zweitägigen Besuch in Ägypten eingetroffen. In Kairo traf er zunächst mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi und dem Großimam des renommierten islamischen Al-Azhar-Instituts, Ahmad al-Tayyeb, zusammen. Franziskus hatte kurz vor seiner Landung in Kairo von einer “Reise der Einheit und der Brüderlichkeit” von Christen und Muslimen gesprochen.

In seiner vom Al-Azhar-Institut organisierten Rede sagte Franziskus, es sei entscheidend, “den Fluss von Geld und Waffen an diejenigen, die zu Gewalt aufrufen”, zu unterbinden. Der Papst wandte sich zugleich gegen einen “demagogischen Populismus”. “Demagogische Formen des Populismus, die auf dem Vormarsch sind”, seien dem Frieden nicht zuträglich, sagte Franziskus, ohne konkrete Beispiele zu nennen.

Die Papst-Reise dient auch der Wiederbelebung des Verhältnisses des Vatikan zum Islam und insbesondere zum Al-Azhar-Institut. Franziskus’ Vorgänger Benedikt XVI. hatte 2006 mit einer Rede über das Verhältnis des Islam zur Gewalt heftige Proteste in der muslimischen Welt ausgelöst. Das sunnitische, fast tausend Jahre alte Al-Azhar-Institut, richtet sich strikt gegen den Jihadismus.

Staatspräsident Al-Sisi zeigte den Christen gegenüber seit seinem Amtsantritt 2014 eine gewisse Offenheit. Als erstes ägyptisches Staatsoberhaupt nahm er 2015 an einer Weihnachtsmesse teil. Al-Sisi wird allerdings international wegen der Verletzung von Menschenrechten in Ägypten scharf kritisiert.

Der Papst rief während seines Besuchs in dem Land auch zu einem “bedingungslosen Respekt der unabdingbaren Menschenrechte” auf. Dazu zähle “die Gleichheit aller Bürger, die Religions- und Meinungsfreiheit”, sagte der Papst in einer Rede, bei der Al-Sisi anwesend war.

Der Papst-Besuch fand unter enormen Sicherheitsvorkehrungen statt. In Ägypten gilt seit den Anschlägen auf die koptischen Kirchen vor gut zwei Wochen ein dreimonatiger Ausnahmezustand. Die apostolische Nuntiatur, wo der Papst während seines Aufenthalts untergebracht ist, wurde von zahlreichen Polizisten und Soldaten gesichert. Vor der Kathedrale, dem Sitz der koptischen Kirche, waren Panzer stationiert. Zuletzt reiste im Jahr 2000 ein katholisches Kirchenoberhaupt nach Ägypten, Papst Johannes Paul II.

(APA/dpa)

Leserreporter
Feedback


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen