Perfekte Unterhaltung: “Mary Poppins” im Ronacher

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Erfolgsmusical "Mary Poppins" feierte Premiere
Erfolgsmusical "Mary Poppins" feierte Premiere
Den Schirm hatten die meisten Premierenbesucher schon bei der Anreise gebraucht, doch was Mary Poppins mit ihrem tragbaren Regendach am Mittwoch im Wiener Ronacher alles anstellte, ließ einen doch staunen: Am Ende der deutschsprachigen Erstaufführung des Musical-Welterfolgs flog das Kindermädchen mit ihrem Zauberschirm gar über die Zuschauer und landete sicher am Balkon.


11,5 Millionen Menschen haben das 2004 in London uraufgeführte Musical bisher weltweit in sieben Produktionen auf drei Kontinenten gesehen, und in Wien werden wohl ein paar Hunderttausend Besucher hinzukommen. Die Premiere von “Mary Poppins” endete nach drei Stunden jedenfalls in Standing Ovations. Die Produktion, deren Umsetzung in Wien von Produzenten-Legende Cameron Mackintosh, der die Vermischung des 1964 entstandenen Disney-Films mit Julie Andrews und der Bücher der australischen Schriftstellerin Pamela Lynwood Travers zum Musical initiiert hatte, höchstpersönlich überwacht worden war, bietet perfekte Unterhaltung. So perfekt, dass die nostalgische Show mit dem Schirm gelegentlich etwas den Charme vermissen ließ.

Von Anfang an drückte das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unter Koen Schoots aufs Tempo. Die knallbunte Bühne (Bob Crowley) ist einfach und kompliziert zugleich, die flotten Umbauten klappten wie am Schnürchen. Rasch entfaltete sich die Papierkulisse, die ihr puppenhausartiges Innenleben preisgab: Das Heim der Familie Banks, in dem ein höherer Bankangestellter (Reinwald Kranner) nach einem harten Arbeitstag nichts als seine Ruhe will, seine Gattin, eine Ex-Schauspielerin (Milica Jovanovic), sich mit Repräsentationspflichten unterfordert fühlt und die beiden Kinder jedes Kindermädchen nach kurzer Zeit in die Flucht treiben.

Die beiden Kinder sind das absolute Zentrum der Wiener Show. Fiona Bella Imnitzer und David Paul Mannhart gewannen als freche, quirlige, spielfreudige und stimmsichere Premierenbesetzung (es gibt noch jeweils drei weitere Besetzungen für die Spielserie) die Herzen der Zuschauer. Während Randfiguren wie Tania Golden als energische Köchin mit einem Anflug von Wiener Schmäh, Niklas Abel als ihr tollpatschiger Gehilfe und Maike Schuurmans als schriller “Höllenhund” von Kindermädchen mit kräftigen Farben gezeichnet werden und so rasch in Kontakt mit dem Publikum kommen, bleibt die 32-jährige Holländerin Annemieke van Dam, die schon die Sisi in”Elisabeth” verkörpert hat, als Titelfigur seltsam blass.

Zauberhaft ist dieses mit Zauberkräften ausgestattete Kindermädchen, das aus dem Nichts zu kommen scheint, Statuen zum Leben erweckt, mit Rauchfangkehrern steppt und propagiert, dass alles passieren kann, wenn man es nur intensiv genug möchte, nicht. Es bleibt unnahbar, nicht nur, weil es sich ganz ohne Fehl wähnt, dafür bereitwillig Tadel austeilt. Aber vielleicht ist ja das Fehlen des Human Touch genau jene Note, die die Besonderheit von Mary Poppins ausmacht – keine Figur zum Knuddeln und Liebhaben, sondern Anleiterin zur Selbsthilfe, die dann verschwindet, wenn man sie nicht mehr braucht. Wie könnte man das bloß nennen? Vielleicht so: supercalifragilisticexpialigetisch.

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