“Peter Weibel – Medienrebell” im 21er Haus

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Peter Weibel präsentiert seine Werke
Peter Weibel präsentiert seine Werke
Es ist nicht leicht, das Werk von Peter Weibel in einer Ausstellung greifbar zu machen. Manche Arbeiten gibt es nur als Idee auf Papier, manche wurden nach ihrer Präsentation nicht bewahrt, manche würden nicht nur ein Museum, sondern gleich eine ganze Stadt als Ausstellungsfläche benötigen. Das Wiener 21er Haus hat sich nun ordentlich ins Zeug gelegt, um den “Medienrebell” fassbarer zu machen.


Ab morgen, Freitag, ist nun ein Teil des Werks in neun Kapiteln in der großen, offenen Halle im Schweizergarten zu sehen, zwar retrospektivisch angelegt, aber auch mit vielen erstmals umgesetzten Arbeiten angereichert. Die im Untertitel formulierte Warnung “Diese Ausstellung kann Ihr Leben verändern” nimmt Weibel dabei durchaus ernst: “Wenn es nicht gelingt, Ihre Wahrnehmung zu verändern, dann bin ich als Künstler gescheitert”, sagte er heute, Donnerstag, bei der Presseführung.

Da muss sich der Künstler und Kurator, Medientheoretiker und Museumsleiter (des Zentrums für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe) allerdings keine Sorgen machen: Die Schau gibt nicht nur einen Eindruck davon, womit sich Weibel seit den frühen 1960er Jahren beschäftigt hat, sie gestaltet sich wie ein Parcours durch die Geschichte der Medien- und Aktionskunst und lädt immerzu aufs Neue dazu ein, der eigenen Neugier freien Lauf zu lassen.

“Es gibt im Grunde genommen keine Grenzen”, fasste Ausstellungsmacher Alfred Weidinger in seiner kleinen Hymne auf Weibel eingangs zusammen. Weidinger hat viele Interviews im Vorfeld geführt, mit Weibel selbst und mit rund 30 Personen, die mit ihm zusammen gearbeitet haben, und die Schau und manche Kunstwerke auf Basis dieser Gespräche aufgebaut – auch wenn es bei ihm stets mehr um die Idee und das Experiment gehe als um das Werk an sich.

Die Besucher der Belvedere-Dependance werden von der Karosserie eines weißen VW-Käfers im Eingangsbereich empfangen und treten in der Halle zuerst einmal das “Recht” mit Füßen (das Wort ist mit Kreide zigfach auf den Boden gemalt). Acht alte Schiffscontainer machen im Inneren installative Entdeckungen möglich, eine offene Regalarchitektur bildet mit blinkenden Neonschriftzügen, unzähligen Monitoren und Fernsehern, Tonbandgeräten und Fotografien den Rahmen.

Die lose ineinandergreifenden Kapitel der Schau sind zwar in den Unterlagen als “Wort & Papier”, “Aktionen”, “Medienkunst & Medientheorie” oder “Film & Expanded Cinema” bezeichnet, im Gefüge bilden die unterschiedlichen Ebenen aber letztendlich ein großes Ganzes. Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco gab zu, dass die Ausstellung “viel früher hätte stattfinden müssen”. Das Belvedere will viele der Arbeiten auch in seine Sammlung übernehmen.

Wie sehr Weibel, der am 5. März seinen 70er gefeiert hat, politische und gesellschaftliche Normen hinterfragt, wird übrigens nicht nur an den gemeinsam mit VALIE EXPORT umgesetzten und auch dokumentierten Aktionen im öffentlichen Raum deutlich, sondern auch an der Installation “Festung Europa” mit lauter schwarzen Fahnen oder an einem alten Mercedes mit der österreichischen Fahne als Sitzbezug. Selten wurde die Herabwürdigung staatlicher Symbole eleganter betrieben.

(S E R V I C E – “Peter Weibel – Medienrebell: Warnung! Diese Ausstellung kann Ihr Leben verändern” von 17. Oktober bis 18. Jänner 2015 im 21er Haus, Schweizergarten, Arsenalstraße 1, 1030 Wien, Mi und Do 11-21 Uhr, Fr bis So 11-18 Uhr, Katalog mit 488 Seiten, hg. von Agnes Husslein-Arco und Alfred Weidinger, Verlag Walther König Köln, 45 Euro.)

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