Pferdehändler soll minderwertiges Fleisch verkauft haben

Ein steirischer Schlachtbetrieb-Besitzer soll möglicherweise jahrelang illegal Pferde geschlachtet und das Fleisch an steirische Lebensmittel- und Hundefutter-Hersteller verkauft haben, obwohl es nicht zum Verzehr gedacht war. Bei Tests wurden etwa in Pferdeleberkäse Medikamenten-Rückstände gefunden. Der 49-jährige Verdächtige wurde wegen Betrugs angezeigt, teilte die Polizei am Freitag mit.

Eine Amtstierärztin aus dem Gesundheitsministerium hatte den Fall ins Rollen gebracht. Sie hatte Dutzende verfälschte ungarische Equidenpässe in die Hände bekommen. Bei Ermittlungen des Landeskriminalamts stellte sich heraus, dass der Verdächtige offenbar seit Jahren Pferde aus ganz Österreich und auch aus dem Ausland zusammengekauft und geschlachtet haben dürfte.

Ermittler Hannes Gaube erklärte im APA-Gespräch, dass eine EU-Verordnung vorschreibt, dass jedes Nutztier einen Equidenpass zur Identifikation sowie für die Schlachtung braucht. Bis zum Alter eines Jahres müssten Besitzer entscheiden, ob es ein Schlachttier wird oder nicht. Ein entsprechender Vermerk – etwa “Zur Schlachtung bestimmt” – wird in den Pass eingetragen. Diese Tiere dürfen dann nur noch bestimmte Medikamente bekommen, diese müssen auch in den Pässen vermerkt werden. Gaube meinte, dass derzeit eine hohe Nachfrage nach Pferdefleisch bestehe. Viele Hundebesitzer “barfen” (füttern u.a. nur rohes Fleisch, Anm.) und auch beim Menschen werde das Fleisch wieder mehr geschätzt.

Der 49-jährige Steirer, der über einen Schlachtraum für Pferde südlich von Graz verfügt sowie ein Gewerbe für den Handel mit Pferden angemeldet hat, sei in der Szene bekannt gewesen, meinte der Ermittler. Er schlachtete Pferde und verkaufte das Fleisch weiter. Die Polizei vermutet, dass er möglicherweise den Bedarf mit legaler Schlachtung nicht decken konnte und sich daher entschloss, Pässe zu fälschen.

“Er kaufte aus ganz Österreich ältere Pferde ein und inserierte auch, dass er Pferde sucht”, schilderte der Ermittler. Die Pferdebesitzer ersparten sich die Kosten für eine Einschläferung sowie die Entsorgung bei der Tierkörperverwertung und dürften deshalb ihre Tiere an den 49-Jährigen vergeben haben. Der Verdächtige soll dann die echten Pässe mit dem Vermerk “Nicht zur Schlachtung bestimmt” weggeworfen haben. Stattdessen verfälschte er ungarische Pferdepässe, um die Tiere schlachten und das Fleisch verkaufen zu können. Manchen hatte er offenbar sogar selbst Chips eingesetzt, die er legal in Deutschland gekauft hatte, um die Pferde dann lebend nach Italien weiterzuverkaufen, wo nur Tiere mit Chip geschlachtet werden, erklärte der Beamte.

Wie viele Pferde der Steirer illegal geschlachtet und weiterverkauft hat, sei noch nicht klar. Bei Hausdurchsuchungen wurden aber Unterlagen gefunden, aus denen hervorgeht, dass er allein 2017 mehr als 100 Pferde nach Italien exportiert hat. Italienische Behörden führten ihrerseits Kontrollen durch und schlossen einen Schlachtbetrieb sowie drei Zerlegebetriebe. Weiters wurden bei dem 49-Jährigen Blankodokumente, Stempel sowie weiteres belastendes Material gefunden.

Laut Polizei soll es zumindest vier steirische Abnehmer für das Pferdefleisch gegeben haben, zwei davon stellen Tierfutter her, die anderen beiden nicht. Bei einem Abnehmer wurden noch Bestände sichergestellt, die bereits zu Pferdeleberkäse verarbeitet worden waren. In ihnen wurden Medikamentenrückstände gefunden. Gaube betonte, dass die Abnehmer keine Schuld treffe, denn sie waren in dem Glauben, “legales” Fleisch zu kaufen.

Der Verdächtige soll die Vorwürfe bei seiner ersten Einvernahme geleugnet haben. Mittlerweile habe er sich einen Rechtsanwalt genommen. Sein Betrieb sei vorerst nicht geschlossen, da dieser laut Polizei nur wegen hygienischer Mängel geschlossen werden könne. Solche würden aber nicht vorliegen.

(APA)

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