Pinzgau hängt andere Bezirke bei Beschäftigung ab

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Der Pinzgau ist auf einem guten Weg in Sachen Beschäftigung.
Der Pinzgau ist auf einem guten Weg in Sachen Beschäftigung. - © APA/HERBERT NEUBAUER
Der Pinzgau zieht den anderen Bezirken davon. Die Zahl der Arbeit Suchenden sank doppelt so stark wie im Salzburg-Schnitt. Fast ebenso groß der Abstand bei den neu geschaffenen Stellen. Aber die Entwicklung hat Schattenseiten, informiert die Arbeiterkammer (AK) Salzburg am Dienstag.

Immer mehr Teilzeit-Arbeit und eine vielfach geringere Qualität der Arbeitsplätze setzen die Arbeitnehmer unter Druck. Und der Boom im Tourismus – heuer steht wieder ein Rekord ins Haus – hält die Branche nicht davon ab, weiter das Klagelied anzustimmen. „Es braucht mehr gute Vollzeit-Arbeitsplätze“, fordert AK-Präsident Siegfried Pichler. In der Beratung der Bezirksstelle häufen sich die Fälle, in denen Arbeitnehmer wegen nicht bezahlter Löhne in die finanzielle Bredouille kommen.

Mehr Jobs im Pinzgau

Die Beschäftigung machte zwischen Jänner 2016 und Jänner 2015 einen Sprung: Es gibt jetzt 1.008 Stellen mehr. Mit 2,8 Prozent Wachstum liegt der Bezirk fast doppelt so hoch wie der Salzburg-Schnitt von 1,5 Prozent und weit vor dem Flachgau und anderen Bezirken an erster Stelle. Auch die Arbeitslosigkeit sank kräftig: Im Jahresvergleich 204 Personen oder 7,1 Prozent weniger im ersten Halbjahr 2016. Damit liegt der Pinzgau auch hier sogar mehr als doppelt so gut wie der Landesschnitt und sowohl in absoluten Zahlen wie auch im Verhältnis an erster Stelle im Land Salzburg. Das alles hilft dem Bezirk auch, bei der Arbeitslosenquote aufzuholen. Mittlerweile liegt er mit 5,7 Prozent (Zeitraum Jänner bis September 2016) im Mittelfeld und unter dem Landes-Schnitt von 5,9 Prozent.

Zell am See hat stärksten Job-Zuwachs

Die größten Beschäftigungszuwächse bei den Gemeinden verzeichneten im Vergleich Jänner 2016 zu Jänner 2015 Zell am See (plus 331 Stellen), Leogang (plus 130), Maishofen (plus 109), Saalbach-Hinterglemm (plus 107) und Saalfelden (plus 95). Hier entstanden 76,6 Prozent aller neuen Jobs. Größere Arbeitsplatzverluste gab es nur in St. Martin (minus 25), Bruck (minus 16), Rauris (minus 14) und Uttendorf (minus 11).

Am stärksten wuchsen im langfristigen Vergleich seit 2011 die Gemeinden Zell am See (plus 266 Stellen), Leogang (plus 259), Saalbach-Hinterglemm (plus 183), Maishofen (plus 175) und Mittersill (plus 119). In diesen Gemeinden entstanden mehr als die Hälfte der seit 2011 hinzugekommenen 1.860 Arbeitsplätze.

Tourismus und Erziehungsbereich an der Spitze

Die Stützen des Pinzgauer Arbeitsmarktes liegen im Tourismus, in Industrie und Gewerbe, in der Bauwirtschaft und im Handel. Im Winter ist jeder vierte Arbeitsplatz der Region im Fremdenverkehr zu finden. Im Sommer immer noch jeder fünfte.

Gegenüber Jänner 2015 legten vor allem Tourismus (246 neue Stellen, plus 2,6 Prozent), der Erziehungs- und Unterrichtsbereich (265 Stellen, 9,4 Prozent) und erfreulicher Weise die Warenherstellung (117 Stellen, 2,8 Prozent) zu. Minimale Verluste gab es im Verkehrsbereich (minus sechs Stellen), in der Energie- und Wasserversorgung (minus sieben) und im Bergbau (minus 32). Alle anderen Branchen wuchsen spürbar.

Langfristig entstanden seit 2011 im Pinzgau 1.860 neue Arbeitsplätze. Dieses Plus von 5,3 Prozent liegt knapp unter der landesdurchschnittlichen Entwicklung (5,5 Prozent). Spürbare Zuwächse gab es im Unterrichts- und Erziehungsbereich sowie im Gesundheits- und Sozialwesen mit 296 und 275 Stellen (10,6 beziehungsweise 9,8 Prozent). Einsamer Spitzenreiter ist aber der Tourismus. Dort entstand rund die Hälfte aller neuen Stellen (plus 936 Jobs oder 10,7 Prozent). Die Branche hat sich als krisenfest erwiesen und ist zweifellos eine tragende Säule der Salzburger Wirtschaft.

Mehr Frauen fanden Arbeit, aber meist nur Teilzeit

Die meisten neuen Arbeitsplätze im Pinzgau sind Jobs, die von Frauen wahrgenommen werden (1.361). Es gab seit 2011 nur 499 zusätzliche „Männer-Stellen“. AK-Präsident Siegfried Pichler: „Es ist natürlich sehr erfreulich, dass die Frauenbeschäftigung um rund acht Prozent gestiegen ist. Aber durch die Wirtschaftsstruktur im Pinzgau – Stichwort Tourismus-, Handel und Dienstleistungsbetriebe – sind das mehrheitlich keine Vollzeitstellen. Viele Frauen kommen – selbst wenn sie es möchten – nicht mehr aus der Teilzeit-Falle hinaus und erleiden dadurch Verluste bei Leistungen aus der Sozialversicherung, den Pensionen, bei Arbeitslosigkeit und beim Lohn im Allgemeinen. Es braucht echte Wahlfreiheit und daher quer durch die Bank auch mehr Vollzeit-Stellen!“

Starker Einkommensnachteil im Pinzgau

Das bestätigen auch die Einkommen im Pinzgau. Mit einem mittleren Entgelt von 1.863 Euro brutto (14-mal pro Jahr, Zahlen 2015 auf Basis des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger) belegt der Bezirk mit nur drei Euro Vorsprung vor dem Pongau den vorletzten Platz im Bundesland. Die höchsten Einkommen – über 300 Euro mehr im Monat – werden mit 2.166 Euro im Flachgau erzielt. Das durchschnittliche Einkommen im Bundesland Salzburg liegt bei 2.045 Euro. Dieser Rückstand von 8,9 Prozent auf den Durchschnitt und 14 Prozent auf den Flachgau liegt vor allem am hohen Anteil von Arbeitsplätzen im weniger gut dotierten Dienstleistungssektor.

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