Pistorius akzeptierte fünf Jahre unbedingte Haft

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Anklage forderte mindestens zehn Jahre Gefängnis
Anklage forderte mindestens zehn Jahre Gefängnis
Der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius muss für fünf Jahre ins Gefängnis. Richterin Thokozile Masipa verurteilte den Sportler am Dienstag in Pretoria wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp. Der Prothesen-Sprinter akzeptiere das Urteil, sagte sein Onkel Arnold Pistorius vor Reportern.


Der Sprintstar sei für die gesamte Zeit seiner Haft von den Paralympics ausgeschlossen. Selbst wenn seine Strafe nach einiger Zeit in Hausarrest umgewandelt würde, bleibe Pistorius fünf Jahre lang gesperrt, sagte ein Sprecher des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) am Dienstag in Bonn. Die Paralympics in Rio de Janeiro in zwei Jahren würde Pistorius damit verpassen. Ein Start wäre nur dann im Bereich des Möglichen, wenn die Haftstrafe in einem Berufungsverfahren verkürzt würde. Pistorius hat bei drei Paralympischen Spielen Goldmedaillen gewonnen.

Steenkamps Familie zeigte sich zufrieden mit dem Strafausmaß. Ihr Vater Barry betonte: “Wir haben das Gefühl, dies nun hinter uns lassen zu können.” “Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan”, kommentierte der Anwalt der Familie, Dup De Bruyn, die Entscheidung des Gerichts. Die Staatsanwaltschaft prüfte hingegen die Möglichkeiten einer Berufung. Sie hat damit bis zu zwei Wochen Zeit. Die Anklage hatte eine mindestens zehnjährige Haftstrafe verlangt.

Pistorius hatte Steenkamp am 14. Februar 2013 mit vier Schüssen durch die geschlossene Klotür getötet. Das Gericht glaubte ihm, dass er seine Partnerin mit einem Einbrecher verwechselt habe. Richterin Masipa hatte bereits am 12. September die Mordanklage zurückgewiesen. Sie verurteilte den behinderten Sportler zudem wegen eines anderen Falls zu drei Jahren Haft wegen rücksichtslosen Gebrauchs einer Waffe. Diese Strafe wurde auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Pistorius hatte im Jänner 2013 in einem Restaurant einen Schuss abgegeben.

Der gut einstündigen Urteilsverkündung folgte der Sportstar, der sich im Verfahren immer sehr mitgenommen gezeigt hatte, mit versteinerter Miene. Als das Strafausmaß verkündet war, wischte er sich allerdings Tränen aus dem Gesicht. Weder seine noch Steenkamps Familie zeigten eine Reaktion. Der Olympia-Starter wurde noch im Gerichtssaal in Haft genommen. Beamte nahmen ihm Fingerabdrücke ab. Dann hatte er Gelegenheit, sich von seiner Familie zu verabschieden.

Falls die Staatsanwaltschaft Berufung einlegt, würde dies die Vollstreckung der Gefängnisstrafe bis zur Entscheidung durch das Oberste Gericht Südafrikas aussetzen. Wie lange der Leichtathlet hinter Gitter muss, blieb unklar. Sein Verteidiger Barry Roux sagte, er rechne mit zehn Monaten Haft, den Rest der Strafe könne sein Mandant unter Hausarrest verbüßen. Die Staatsanwaltschaft erklärte dagegen, Pistorius müsse mindestens ein Drittel der Strafe, also 20 Monate, im Gefängnis absitzen.

Das Urteil müsse “fair und gerecht gegenüber der Gesellschaft und dem Angeklagten sein”, sagte Richterin Masipa. Sie betonte, Pistorius habe grob fahrlässig gehandelt – auch wenn er hinter der Toilettentür nicht seine Freundin, sondern einen Einbrecher vermutet hatte. Ein Urteil ohne Haftstrafe, wie von der Verteidigung gefordert, wäre nicht angemessen. Dies wäre eine falsche Botschaft für die Öffentlichkeit. Eine lange Haftstrafe aber enthielte nicht “das Element der Gnade”, betonte Masipa.

Vermutlich tritt Pistorius seine Haft in der Krankenstation des Zentralgefängnisses in Pretoria an. Die Richterin erklärte, auch Behinderte könnten eine Gefängnisstrafe absolvieren. “Es wäre ein trauriger Tag, wenn der Eindruck entstünde, dass es ein Gesetz für die Armen und eines für die Reichen und Berühmten gibt”, sagte Masipa. “Oscar wird diese Möglichkeit nutzen, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben”, meinte Pistorius’ Onkel nach dem Richterspruch. Die Familie sei bereit, den Sportler zu unterstützen und anzuleiten.

Ein Sprecher der Nationalen Strafverfolgungsbehörde kündigte unterdessen an, es werde geprüft, ob Pistorius nicht doch wegen Mordes verurteilt werden müsste. Die Frauenliga des regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANCWL) kritisierte das Strafausmaß. “Wir waren nie einverstanden damit, dass Pistorius nur wegen fahrlässiger Tötung belangt wird. Und wir fordern die Staatsanwaltschaft auf, Berufung einzulegen”, sagte ANCWL-Sprecherin Jacqui Mofokeng.

Oscar Pistorius war einer der bekanntesten Sportler bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Damals trat der “Blade Runner”, wie er wegen seiner beiden Unterschenkelprothesen aus Karbonfaser genannt wurde, im Halbfinale des 400-Meter-Laufes gegen seine nicht behinderte Konkurrenz an.

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