Planetenjäger TESS startet ins All: Salzburger Astrophysikerin Lisa Kaltenegger beteiligt

Lisa Kaltenegger leitet das Carl Sagan Institut an der Cornell Universität.
Lisa Kaltenegger leitet das Carl Sagan Institut an der Cornell Universität. - © APA/ROLAND SCHLAGER/Archiv
In der Nacht auf Dienstag bringt eine Trägerrakete das neue Weltraumteleskop TESS (Transit Exoplanet Survey Satellite) ins All. Es soll Planeten in nahen Sonnensystemen finden. Im wissenschaftlichen Team der Mission ist auch die Salzburgerin Lisa Kaltenegger. Ihre Aufgabe ist es, neu entdeckte Planeten darauf zu untersuchen, ob sie bewohnbar sein könnten, erklärte gebürtige Kuchlerin (Tennengau) der APA.

Die Astronomin und Astrophysikerin beschäftigt sich mit der Entdeckung und Erforschung von Exoplaneten, Exomonden und Supererden. Sie leitet das Carl-Sagan-Institut an der Cornell Universität in Ithaca, New York (USA).

Am Dienstag (17. April), um 00:32 MESZ soll TESS mit einer Falcon-9 Trägerrakete der Firma Space-X vom Weltraum-Flughafen Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ins All befördert werden. Der Satellit löst dort das Weltraumteleskop “Kepler” ab, dem in wenigen Monaten der Sprit ausgehen wird.

“Kepler hat eine faszinierende Vielfalt von Exoplaneten entdeckt, aber nur 0,25 Prozent des Himmels abgesucht”, so Kaltenegger. Sie sind im Schnitt 1.000 Lichtjahre von der Erde entfernt und ihre Sterne sind außerdem zu lichtschwach, als dass man etwas über ihre Atmosphären erfahren kann. “TESS kümmert sich darum nur um die 200.000 hellen Sterne in der kosmischen Nachbarschaft der Erde, sucht also bis zu einer Entfernung von 300 Lichtjahren”, sagte sie. Außerdem beobachtet das neue Weltraumteleskop den Großteil des Himmels (85 Prozent).

Dazu ist TESS mit vier Kameras ausgestattet. Sie werden messen, ob die Leuchtkraft der Sterne periodisch jeweils für kurze Zeit abnimmt. Das wäre nämlich ein Zeichen dafür, dass gerade ein Planet vorüberzieht. Die Wissenschafter erwarten, dass TESS ungefähr 20.000 bisher unbekannte Planeten in der ganzen Bandbreite von kleinem Felswelten (wie die Erde) bis zu Gasriesen (wie etwa Jupiter) entdecken wird. Ungefähr 50 davon sollten in etwa erdgroß sein, weitere 500 maximal doppelt so groß wie die Erde.

Eine Trägerrakete bringt das neue Weltraumteleskop TESS (Transit Exoplanet Survey Satellite) ins All./ NASA via AP Eine Trägerrakete bringt das neue Weltraumteleskop TESS (Transit Exoplanet Survey Satellite) ins All./ NASA via AP ©

Teleskop für mindestens zwei Jahre im All

Die “Transit-Daten” alleine werden den Astronomen nicht nur das Vorhandensein der Planeten verraten, sondern jeweils auch ihre ungefähre Größe im Verhältnis zum Mutterstern. Mit zusätzlichen Messungen von der Erde aus können sie daraufhin ihre Massen und Zusammensetzungen bestimmen, also ob es sich um Gasplaneten, Wasserwelten oder Felskörper handelt. “Mein Team wird dann versuchen herauszufinden, welche der von TESS gefundenen Planeten möglicherweise habitabel (bewohnbar, Anm.) sein könnten”, erklärte Kaltenegger.

Das Weltraumteleskop soll mindestens zwei Jahre auf Beobachtungsreise um die Erde sein. Im ersten Jahr kümmert es sich um den Südhimmel, im zweiten um das nördliche “Himmelszelt”. “TESS wird in einem ganz neuen Orbit (Umlaufbahn) um die Erde kreisen, der extra für die Mission entwickelt wurde”, so die Astrophysikerin. Es umkreist die Erde mit der doppelten Frequenz des Mondzyklus in einer exzentrischen Bahn. Dadurch kommt er alle zwei Wochen (13,7 Tage) der Erde sehr nahe (bis auf 108.000 km, das ist etwa ein Drittel der Entfernung des Mondes von der Erde) und kann dann seine Daten gut heimschicken.

Weltraum-Mission kostet 160 Mio. Euro

Nachdem der Satellit im Weltall angekommen ist, wird TESS, der ungefähr so groß ist, wie ein Haushalts-Kühlschrank, zunächst ein paar exzentrische Runden um die Erde drehen. Dabei kommt er schließlich dem Mond so nahe, dass er dort einen “Gravitationsschub” bekommt, der ihn nach insgesamt rund 60 Tagen Reise in die Beobachtungs-Umlaufbahn bringt.

Die Mission kostet ungefähr 200 Millionen Dollar (160 Mio. Euro). Nach zwei Jahren ist für den neuen Beobachter fremder Welten nicht zwingend Schluss, vielleicht finden die Wissenschafter und Ingenieure dann noch weitere Aufgaben für ihn. “Die Sterne, die TESS absucht, sind übrigens genau jene, die wir in der Nacht sehen”, so Kaltenegger.

(APA)

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