Please Madame im Sonntags-Talk: “Sind immer noch die Jungs aus Salzburg”

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Die ganze Power der Band Please Madame entlädt sich bei den Live-Shows.
Die ganze Power der Band Please Madame entlädt sich bei den Live-Shows. - © Please Madame/Arne Müseler
Salzburgs Musikszene erlebte vor einigen Jahren einen kleinen Aufschwung. Federführend in dieser “Bewegung” waren die vier Jungs von Please Madame. Im Sonntags-Talk geben die Salzburger Einblick in das Musikerleben und sprechen an, was die Mozartstadt braucht, um in der Jugendkultur wieder groß zu werden. Außerdem erklären sie, warum sie bei all dem Rummel immer noch die Jungs aus Salzburg geblieben sind.




Please Madame können in ihrer kurzen Bandgeschichte schon auf beachtliche Erfolge zurückblicken. Sie haben bereits den Heimo-Erbse-Preis in der Tasche und spielten als Telefonzellen-Band bei der TV-Show Circus Halligalli. Erst Anfang Mai veröffentlichten die Salzburger nach einem Album ihre zweite EP, wir haben Sänger Dominik Wendl und Bassist Martin Pöheim zum Interview getroffen.

SALZBURG24: Ihr seid aktuell der Newcomer in Salzburg. Habt ihr bei dem Projekt “Please Madame” mit einem so raschen Erfolg gerechnet?

DOMINIK: Nein, ganz und gar nicht. Ich glaube, wir haben von Anfang an sehr zielstrebig gearbeitet. Wir wollten immer irgendetwas. Im Rockhouse zu spielen war der erste Schritt, dann standen eine andere Location, ein Musikvideo und eigene Produktionen auf der Liste. Wir haben immer versucht, kontinuierlich zu arbeiten und zu schauen, dass wir besser werden.

MARTIN: Wenn uns allerdings damals jemand gesagt hätte, dass wir mal dorthin kommen, wo wir jetzt sind, das hätten weder wir, noch Außenstehende geglaubt.

Was glaubt ihr, ist der Grund für euren Erfolg?

DOMINIK: Es ist auf jeden Fall ein Bündel aus vielen Faktoren, wie der Musik, die Shows und eine gewisse Professionalität bei Marketing und Planung. Wichtig ist aber allen voran dein Auftreten und wie du dich als Mensch gibst, auch im Internet. Man muss sich auch mit Social Media auskennen und beispielsweise wissen, wie ein Facebook-Algorithmus funktioniert. Glück gehört natürlich genauso dazu, das Grundgerüst ist aber harte Arbeit, die Band ist ein 40-Stunden-Job.

Das Ganze ist eigentlich so: Wenn du eine Band gründest und gerade frisch aus dem ‘Meat-Grinder’ (Anm.: “Anfangszeit”) kommst, dann wirst du feststellen, dass du erstens nicht gut bist und zweitens, dich niemand kennt. Genau da kommen wir her. Wir kommen von null. Wir haben uns nie aufgelöst oder umbenannt. Wir haben einfach immer das gemacht, was uns Spaß macht. Haben als Schulband angefangen und uns stetig weiterentwickelt, bis zu dem Punkt wo wir jetzt sind. Wir sind nicht da, weil wir so unglaublich geile Musik machen, sondern weil wir einfach wirklich viel Arbeit investieren.

Wie schätzt ihr die aktuelle Salzburger Musikszene ein?

DOMINIK: In Salzburg sind viele Talente unterwegs. Talente, die sich vielleicht noch nicht ganz gefunden haben. Ich finde es allerdings schade, dass sich relativ wenig innerhalb der Szene tut, dass alle gerade etwas im Alleingang arbeiten und nicht mehr viel gemeinsam machen. Als wir 14 oder 15 Jahre alt waren, hat es noch ganz viele Veranstaltungsreihen und Auftrittsmöglichkeiten gegeben. Ich finde das sehr schade, dass das aktuell nicht mehr der Fall ist.

MARTIN: Es fehlt einfach der nötige Biss. Jetzt braucht es wieder unsere Kollegen von Coperniquo, Michi Mörth und Berni Sturl, die sich mit ihrem Liberty Sound Club um das Nachwuchsproblem kümmern. Jeder würde gerne irgendwo spielen, aber keiner nimmt die Dinge selbst in die Hand.

Wie schwierig ist es, über die Landesgrenzen hinaus erfolgreich zu sein?

MARTIN: Wir haben da einen besseren Ausgangspunkt gehabt, der uns das etwas einfacher gemacht hat. Ich glaube aber, dass die Leute in Deutschland etwas musikinteressierter sind als hierzulande. Es gibt da mehr diesen richtigen Fankult. Fans, die wirklich überall auf Tour dabei sind. Wie genau man dazu kommt, kann man aber pauschal gar nicht wirklich beantworten.

DOMINIK: Durch Bands wie Bilderbuch, Wanda und diese Konsorten ist es jetzt wieder cool, eine Band aus Österreich zu sein. Vor zehn Jahren hast du dich schämen müssen, weil keine Bands aus Österreich gekommen sind. Es ist das aber auch ein strukturelles Problem in Österreich: Wo willst du die Künstler herbekommen, wenn nichts für sie gemacht wird? In Deutschland ist das einfach anders, da gibt es überall Preise und Unterstützung für junge Bands. Da kümmert sich der Staat mehr darum, dass eine künstlerische Elite ausgebildet wird.

Wäre der Eurovision Song Contest für euch auch eine Option?

MARTIN: Nein. Also mit einem Gaudi-Projekt würde ich mir das vielleicht überlegen, aber mit Please Madame sicherlich nicht.

Ihr seid viel in Wien unterwegs. Was schätzt ihr an eurer Heimatstadt Salzburg?

MARTIN: Salzburg ist relativ klein, das ist schon lässig. Man hat hier ein gewisse Intimität und dadurch eine leicht zugängliche Musikszene. Das ist auf jeden Fall ein Vorteil und sicherlich mit ein Grund, warum Salzburg vor kurzem so einen Aufschwung hatte. Hier kennt jeder jeden, das finde ich schon cool.

DOMINIK: Ich bin wirklich gerne hier. Es ist einfach unsere Heimat. Der Zusammenhalt untereinander, zwischen den Freunden, Bands und der Rockhouse-Crew – alle die dazugehören zur Salzburger Musikfamilie. Ich mag auch das Nachtleben in Salzburg – wobei ich mein Bier gerne wieder draußen in der Gstättengasse trinken würde!

Was war das Schlimmste, beziehungsweise das Schönste, das euch jemals als Band passiert ist?

DOMINIK: Als unser Bus kaputt gegangen ist. Das war wirklich tragisch, da haben wir ernsthaft geweint. Aber das sind materielle Dinge. Schlimm war auch die Anfangszeit, als wir nicht genau gewusst haben, was wir machen wollen. Da gab es Shows, bei denen wir drei Stunden lang nur Covers gespielt haben. Dieses planlose Dahingespiele hat uns alle überhaupt nicht interessiert.

DOMINIK: Das Schönste war – neben der Show bei Circus Halligalli, das war natürlich der Wahnsinn – als wir unser Debüt-Album “Escape the Nest” rausgebracht haben und es geheißen hat, dass das Rockhouse ausverkauft ist.

MARTIN: Für mich war es die erste Show in Berlin vor 120 Leuten, die waren laut wie 400, das war Wahnsinn.

DOMINIK: Ja stimmt. Ich bin da kurz zur Bühne runter, weil ich mir die Vorband angesehen habe. Da hat die komplette erste Reihe vor der Stage dann kurz mal nicht auf die Band geachtet, weil sie bemerkt haben, dass wir im Publikum stehen. Wir sind immer noch die Jungs aus Salzburg, und wenn dich Leute dann so anhimmeln, das ist schon einfach schön. Schöner als jede Gage. Das soll jetzt aber nicht wie großes Egostreicheln klingen.

Welche Tipps könnt ihr jungen Bands mit auf den Weg geben?

DOMINIK: Hackeln, hackeln und nochmals hackeln.

MARTIN: Du sollst schon auf andere hören, aber dabei immer dir selbst treu bleiben. Lass dich nie in etwas hineinzwängen oder versuche nie, den Vorstellungen anderer zu entsprechen. Das sind Dinge, die bringen dir im Endeffekt nichts. Was mir oft auffällt, es gibt Leute, die so viel reden und so wenig tun. Da gibt’s ein paar so Spezialisten. Das sind so Sachen, die ’tilten’ mich aus der Welt!

DONINIK: Schau auf dich, und wie du mit Leuten umgehst. Sei kein arroganter Kerl, achte darauf, dass du über dich lachen kannst und dass du ehrlich bist – so grundlegende menschliche Charakteristika, die man sich erarbeiten oder beibehalten muss. Vergiss nie, woher du kommst. Und ganz einfach – hackle!

Wenn es mit der Musik irgendwann mal nicht mehr funktionieren sollte, was macht ihr dann?

DOMINIK: Ich habe da gar keine Option, ich will Musiker werden. Für mich gibt es keinen Ausweg, ich weiß nicht, ob ich das aushalte, 40 Stunden in einem Büro. Ich muss das für meinen Seelenfrieden tun. Wenn es mit der Musik hier nichts wird, dann muss ich eben wo anders hingehen. Zurzeit gefällt es mir aber einfach viel zu sehr, als dass ich mir hier jetzt schon wieder einen Plan B überlege.

MARTIN: Also ganz ehrlich, das muss man doch jetzt noch nicht wissen oder (lacht)? Nein, es tun sich ja dann immer wieder Möglichkeiten auf. Ich möchte schon auch mal was in der Musikbranche weitermachen.

Gibt es noch etwas, das ihr loswerden möchtet?

DOMINIK: Ein Shoutout an all jene, die uns in irgendeiner Form unterstützt haben. Ich will hier keine Namen aufzählen, sonst vergesse ich bestimmt jemanden. Danke auch an unsere Eltern, Freunde und natürlich unseren Fans. 

Sonst würde ich es schön finden, wenn Salzburg wieder mehr angreift. Es soll wieder etwas passieren. Nicht nur bei den Bands, sondern auch in Bezug auf Events. Die Drum-and-Bass-Crews, Bands und Veranstalter, wir müssen wieder näher zusammenrücken und etwas machen. Gegenseitig helfen, nicht nur blöd hinten herumreden. Damit wir wieder stolz darauf sein können, Salzburger zu sein!

Dann können auch wieder mehr Bands das erfahren, was wir erfahren haben dürfen – und zwar tausende Kilometer quer durch Europa mit deinen besten Freunden von Show zu Show fahren.

 

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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