Melanie Meilinger im Sonntags-Talk: “Diesen Ausschaltknopf finde ich viel zu selten”

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Meilinger vertritt Österreich auf der Buckelpiste.
Meilinger vertritt Österreich auf der Buckelpiste. - © APA/BARBARA GINDL
Mit einem Olympia-Ticket im Gepäck landete Melanie Meilinger am Samstag beim letzten Weltcup auf dem 45. Platz. Damit erfüllt sich der Kindheitstraum der 26-Jährigen im Februar in Südkorea. Im Sonntags-Talk spricht Meilinger über ihr Leben als Einzelkämpferin, österreichische Köstlichkeiten in China und ihren Gipfel der Gefühle. 




Meilinger ist Österreichs einziger Beitrag auf der Buckelpiste. Für Training, Reisen und Co. muss sie tief in die eigene Tasche greifen, denn der ÖSV führt keine eigene Sparte der Freestyle-Disziplin. Erst kürzlich sammelte sie dank privater Kleinspender über 4.000 Euro. Seit Ende November ist die Mühlbacherin auf Weltcup-Tour und noch nie gingen so viele Damen an den Start – die Konkurrenz wächst und schläft nicht. In weniger als drei Wochen beginnen die Olympischen Winterspiele.

SALZBURG24: Melanie, du bist ständig unterwegs. Wo bist du denn in das Jahr 2018 gestartet?

MELANIE MEILINGER: Zu Weihnachten und Silvester war ich auf ‘Urlaub’ in Seattle (USA). Den habe ich als Sightseeing und Regeneration mit leichten Trainingseinheiten genützt, da mein Budget es nicht erlaubt hat, noch vor Weihnachten von China aus nach Hause zu fliegen. Von Seattle ging es weiter nach Kanada. Mittlerweile bin ich einmal um die ganze Welt gereist und habe brutal viele Flugkilometer gesammelt, um meinem Kindheitstraum hinterher zu jagen.

Wie läuft die Vorbereitung auf den Winter deines Lebens?

Die Wettkämpfe sind bisher heuer leider nicht nach Wunsch verlaufen. Beim letzten Weltcup-Rennen vor den Spielen landete ich auf Platz 45. Ich hatte einen guten Lauf ohne Fehler, mit dem höchsten Score den ich bisher im Weltcup erreicht habe. Aber mir fehlt die Geschwindigkeit und so hat es zur Folge, dass meine Sprünge nicht ganz so weit sind. Daran werde ich in den nächsten Tagen arbeiten. Zuerst muss ich aber eine Trainingsmöglichkeit vor Olympia finden, was nicht ganz so einfach ist.

Was ist dein Ziel für die Olympischen Winterspiele 2018?

Weil heuer so viele Damen im Weltcup am Start sind, entscheiden FIS und das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) in den kommenden Tagen, ob ich endgültig zu Olympia darf. Normalerweise sollte aber alles passen. Wenn alles nach Plan verläuft, geht der Flug nach Pyeongchang am 2. Februar. Dort möchte ich den besten Lauf meines Lebens hinbekommen. Meine Sportart fliegt völlig unter dem Radar, die Olympischen Spiele sind das absolute Highlight meiner sportlichen Karriere. Ich freue mich auf das wohl unbeschreibliche Gefühl bei einem so wichtigen Wettkampf im Laufe der Karriere eines jeden Sportlers teilzunehmen und als Einzige in meiner Disziplin mein Heimatland zu vertreten.

Woher kommt der größte Druck?

Wahrscheinlich mehr oder weniger von mir selbst als von außen. Ich möchte jeden Tag mein Bestes geben und mich ständig weiterentwickeln. Im Wettkampf möchte ich meinen besten Lauf hinbekommen. Manchmal klappt es einfach nicht so, wie ich es mir vorstelle, da fällt es schon schwer geduldig zu bleiben. Auf der anderen Seite möchte ich auch den vielen tollen Menschen, die mich auf meinem Weg begleiten, etwas zurückgeben. Darum werde ich so lange weiterkämpfen, bis ich das erreicht habe, was möglich ist.

Im Weltcup bist du auf dich alleine gestellt – gibt es überhaupt Vorteile?

Es ist schwierig. Auf mich fallen Aufgaben zurück, um die sich normalerweise ein Team kümmert. Gemeinsam mit meinem Trainer Aleš organisiere ich großteils alles selbst: wir planen und buchen unsere Flüge, Mietautos und Unterkünfte. Das nimmt sehr viel Zeit und oft auch Nerven in Anspruch. Auch wenn es einmal irgendwo am Körper zwickt, dann versucht man sich mit den einfachsten Methoden selbst zu helfen. Einen Physiotherapeuten ersetzt das aber in keinem Fall. Aber die Finanzierung stellt das größte Problem dar. Dank einiger toller Sponsoren an meiner Seite kann ich meinen Traum leben.

Welche deiner Weltcup-Stopps sind dir in besonderer Erinnerung?

Ich erinnere mich immer gerne an Thaiwoo in China zurück. Ich mag das Setup dort sehr gerne und es ist in der Nähe der Austragungsorte für die Olympischen Spiele 2022 in Peking. Ich konnte dort im vergangenen Jahr mein bisher bestes Ergebnis im Weltcup (Platz 15, Anm.) erzielen. Und heuer wurde ich in der “Alpine Lodge” von dem österreichischen Küchenchef Andi Sams und seinem Team mit Köstlichkeiten aus der Heimat verwöhnt. Somit hatte ich ein tägliches Stück Heimat in weiter Ferne.

Was geht dir in den Momenten vor dem Start durch den Kopf?

Ich bin relativ ruhig, kaum nervös und ich konzentriere mich vor allem auf die Bewegungsabläufe der Sprünge. Beim Training und bei Wettkämpfen bin ich sehr fokussiert und konzentriere mich auf das, was ich tun muss.

Warum ist die Disziplin Buckelpiste im Ski-Land Österreich so unterrepräsentiert?

In den vergangenen Jahren erlebte die Newschool- Szene (Halfpipe, Big Air, Slopestyle, Anm.) einen Hype. Für die Buckelpiste fehlt ein generell funktionierendes Konzept in Schulen und Vereinen. Die Sportart ist etwas untergegangen, trotzdem sehe ich persönlich ein großes Potential.

Im März steigen die Staatsmeisterschaften in der Heimatgemeinde. Könnte man das Event als Initialzündung für einen Buckelpisten-Neustart nutzen?

Bereits seit einigen Jahren finden wieder FIS- und Europacup-Rennen in Österreich statt, das ist ein guter Start. Heuer steigen erstmals die Staatsmeisterschaften im Rahmen eines internationalen FIS-Rennens in meiner Heimatgemeinde. Ich freue mich sehr, dass das Dorf und die Verantwortlichen dem so offen gegenüber stehen. Allerdings braucht es ein Konzept, um den Athleteninnen auch nach den Wettkämpfen die Möglichkeit zu geben sich weiterzuentwickeln und langsam, aber stetig an die Weltspitze zu klettern. Österreich hat eine sehr gute Infrastruktur. Es braucht aber vor allem fachkundige Trainer, die sich in der Sportart bestens auskennen.

Als ehemalige Rennfahrerin fehlen dir akrobatische Vorkenntnisse. Wie hast du das kompensiert?

Ich habe mit 20 Jahren erstmals auf einem Trampolin gestand und plötzlich zählten 360-Grad-Drehungen und verrückte Saltos zu meinem täglichen Programm. Das war schon eine große Herausforderung und knallhartes Training, denn viele meiner Konkurrentinnen haben damit in frühester Kindheit angefangen. Skifahren und die Technik sind ganz klar meine Vorteile.

Dein Zeitplan ist sehr straff, wie schaltest du am besten ab?

Diesen Ausschaltknopf finde ich leider viel zu selten (lacht). Um meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, höre ich gerne Musik oder schaue einen Film. In der Natur bin ich auch unterwegs, um mich abzulenken.

Hast du einen Lieblingsplatz und ein Lieblings-Skigebiet in Salzburg?

Mein Herz ist fest in meinem kleinen Heimatdorf am Fuße des Hochkönig verwurzelt. Es bietet so viele schöne Plätze in der Natur und der umliegenden Bergwelt. Somit ist es selbstverständlich auch mein Liebling-Skigebiet: etliche Pistenkilometer in mitten der atemberaubenden Berglandschaft mit Schneesicherheit – einfach ein Traum und somit der Gipfel meiner Gefühle.

Du bist auf der ganzen Welt unterwegs – wie bringst du Familie und Freunde unter einen Hut?

Seit vielen Jahren bin ich mehr unterwegs als zuhause. Wenn man ein Ziel verfolgt, dann ordnet man einfach dem Sport alles unter. Das mache ich nun schon seit langer Zeit und bin es gewohnt. Immerhin habe ich es mir ja auch selbst so ausgesucht. Für Freunde bleibt somit leider nur wenig Zeit, die meisten kommen aus dem Sport oder haben einen solchen Hintergrund. Am schönsten sind allerdings die wahren Freundschaften, wenn man sich lange nicht gesehen hat und sofort wieder alles so ist wie früher.

Lässt dein Terminkalender überhaupt eine feste Beziehung zu?

Leider nicht, es ist schwierig beides zu vereinen. Meinen Traumprinzen habe ich also noch nicht getroffen.

Danke für deine Zeit, Melanie. Zum Abschluss möchten wir dir noch ein paar Abschluss Entweder-Oder-Fragen stellen.

Los geht’s.

Früh- oder Spätaufsteherin? Früh

Punkte oder Streifen? Weder noch (lacht)

Duschen oder baden? Duschen – geht einfach schneller

Husten oder schnupfen? Schnupfen

Kochen oder bestellen? Kochen

Schoko- oder Vanillepudding? Es geht nichts über Schokolade!

Meilinger hat ein Herz für Tiere. /privat Meilinger hat ein Herz für Tiere. /privat ©

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Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

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