Restaurator arbeitet mit Zaubertinte und Gamma-Strahlen

Restaurator Kafka bei der Rettung eines Patienten.
Restaurator Kafka bei der Rettung eines Patienten. - © Land Salzburg/Melanie Hutter
Jeder Handgriff sitzt. Das Werkzeug schaut fast aus wie beim Zahnarzt. Auch der Akteur trägt einen weißen Kittel. Nach einigen Stunden ist aus dem löchrigen, historischen Dokument durch ein Spezialverfahren wieder ein ganzes Blatt Papier geworden. Roman Kafka restauriert in der Werkstatt des Landesarchivs alte Schätze, die schon bessere Zeiten gesehen haben.

Ein Karton voll mit alten Dokumenten. Oft jahrzehntelang unsachgemäß gelagert, bevor sie vom Landesarchiv übernommen wurden. Der größte Feind des alten, häufig feucht gewordenen Papiers: Pilze. “Das ist meistens das erste, was wir machen. Eine Firma in der Nähe von München bestrahlt die Dokumente, um die Pilze abzutöten. Sie sind dann vernichtet, aber nicht spurlos verschwunden. Zurück bei uns reinigen wir auf einer Sicherheitswerkbank Stück für Stück die Papierblätter von den Resten”, erklärt Roman Kafka in der Werkstatt des Landesarchivs. Eine ausgeklügelte Absaugung sorgt dafür, dass die oft gesundheitsschädlichen Sporen nicht eingeatmet werden können – Arbeiten unter Laborbedingungen.

Das Papier wird “gebadet”

Feuchtigkeit tut altem Papier nicht gut, mit einer Ausnahme: Beim Auffüllen der Fehlstellen muss es zuerst geflutet werden, dann “schmiegt” sich die Spezialmischung aus Papierfasern und Wasser in die Schadstellen und macht den Bogen wieder ganz. “Anfasern” heißt dieses Verfahren. Die Schrift ist dabei nicht in Gefahr, ein reiner Zufall. “Die Tinte wurde früher meist aus einer Tinktur aus Eisenvitrol und Galläpfel gemacht. Die Substanz wird durch einen chemischen Prozess mit der Zeit wasserfest, das ist unser Glück”, erklärt Kafka, der zum Schluss noch mit Spezialwerkzeug in Kleinstarbeit scheinbar jede Faser an Ort und Stelle bringt. Am Ende wird das historische Dokument mit Zellulose behandelt, so soll es die nächsten Jahrzehnte gut überstehen.

Bei der Arbeit im Flow

Roman Kafka hat schon für Salzburg wichtige Dokumente in seiner “Praxis” bearbeitet, kein “Patient” ist hoffnungslos. “Ich bin mir der Bedeutung der Schriftstücke wohl bewusst, hier sind auch schon die Tagebücher des legendären Rainer-Regiments gelegen, die wir restauriert haben”, so Kafka. Eintönig wird die Arbeit also nie, eher im Gegenteil, wie der Restaurator versichert und von seinen Kollegen Gerhard Kowanda und Peter Penetzdorfer bestärkt wird: “Ich fange hier an und nehme mir eine gewisse Anzahl vor. Dann komme ich in eine Art ‘Flow’, arbeite so dahin, das genieße ich. Am Ende sehe wir ein konkretes Ergebnis.”

Werkstätten im Landesarchiv bewahren Schätze

Die Restaurierung und die Buchbinderei sind zwei Herzstücke des Salzburger Landesarchivs. Sie stellen sicher, dass “das Gedächtnis Salzburgs”, wie Leiter Oskar Dohle die Sammlung an Dokumenten, Karten und Fotos bezeichnet, “frisch” bleibt. 6.000 Original-Urkunden schlummern hier, aber auch 10.000 Karten, rund 500.000 Bilddokumente und über 35 Regalkilometer Verwaltungsschriftgut. Die Schätze reichen zurück bis ins Mittelalter, Besonderheiten wie die “Mitarbeiter” des Erzbischofs, wo Wolfgang Amadeus Mozart und sein Vater aufscheinen, gehören dazu. Oder auch der Meldezettel von Herbert von Karajan. Und viel Alltägliches wie historische Grundbücher oder Verwaltungsakten, zum Nachsehen und Forschen für die Salzburger. Es gibt zirka 2.300 Archivbesucher und 4.000 schriftliche Anfragen pro Jahr. Der Blick in Salzburgs Vergangenheit scheint zu interessieren und faszinieren.

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