Zur Silvesterfeier pilgern Einheimische, aber auch Touristen zur Friedenskirche. - © Bilderbox/Symbolbild
Die Feier in der von Erzbischof Alois Kothgasser im Jahr 2004 geweihten Holzkirche findet ohne Geistlichen statt. “Gesprochen wird über Freud und Leid. Das klingt wie eine Therapiestunde, ist es aber nicht. Es ist immer schön, wenn man Gleichgesinnte trifft. Viele Menschen haben das Problem, dass sie mit niemandem darüber reden können, was sie innerlich bewegt. Man rutscht dann wie frisch gewaschen ins Neue Jahr.” Der 55-jährige Hüttenwirt steht den “Pilgern” mit Ratschlägen zur Seite und findet tröstende Worte.
Seine Spiritualität schöpft der Abenteurer und Weltenbummler aus seiner Lebenserfahrung und dem tiefen Glauben, der ihm half, seine eigenen seelischen Tiefschläge zu verkraften. Er war 1982 Hüttenwirt des Matrashauses am Hochkönig, als die Hütte auf 2.941 Meter ein Raub der Flammen wurde. Für den energieautarken Neubau erhielt er 1985 den Europäischen Solarpreis. 1997 starb sein zweijähriger Sohn Leonhard an einer Herzerkrankung. Schon siebenmal wurde der Bergfex vom Blitz gestreift.
Seit 1999 ist Hermann Hinterhölzl Wirt des ökologisch geführten Heinrich-Kiener-Hauses. Die einige Meter entfernte Friedenskirche auf dem Westgipfel des “Hochgründeck” baute er mit eigenen Händen. Sie gilt als eine der höchstgelegenen Kirchen Salzburgs und ist ein Ort des Rastens und der Ruhe für Wanderer aller Konfessionen. “Die Kirche soll die Vision eines umfassenden Friedens zwischen Menschen aller Völker und Religionen in Harmonie mit der Schöpfung sichtbar machen.” Elemente anderer Kulturen und Religionen symbolisieren Weltoffeneinheit, nahe der Kirche wehen tibetische Gebetsfahnen. Sie liegt auf einem Kraftplatz am Sankt-Rupert-Pilgerweg, der auf Initiative Hinterhölzls 2007 gegründet wurde. Der Weg führt von Bischofshofen nach St. Gilgen, eine Erweiterung nach Altötting (Bayern) ist 2012 geplant.
Zur Silvesterfeier pilgern Einheimische, aber auch Touristen zur Friedenskirche. Bis zu 30 Personen können in der Schutzhütte übernachten, in der Kirche haben rund 50 Leute Platz. Der Aufstieg führt von St. Johann über den Güterweg “Floitensberg” und ist im Winter mit Bergschuhen, Schneeschuhen oder Tourenskiern möglich. Der Hüttenwirt greift für den feierlichen Jahresausklang zur Gitarre, gesungen werden traditionelle Weihnachtslieder und Alpenballaden wie “Heast as nit” von Hubert von Goisern. “Das alte Jahr wird friedlich beendet, das Neue Jahr friedlich begonnen. Deshalb verzichten wir auf Böller und Raketen”, betonte der gebürtige Bayer. (APA)