Die Pranger Schützen am Sonntag, 1. Mai 2011, beim Aufstellen des Maibaums vor dem Schloss Aigen bei Salzburg. - © APA/Gindl
Die flächendeckende Verbreitung des Brauches setzte im 20. Jahrhundert ein. Dies geht unter anderem aus dem neuesten “Blatt” des Kalenders der Religionen, der vom Salzburger Landesinstituts für Volkskunde gestaltet wird, hervor, teilte die Leiterin des Instituts, Ulla Kammerhofer mit.
“Das Stehlen des Maibaums aus dem Wald sowie das Maibaumaufstellen und das Maibaumumschneiden sind mit vielen regional oft unterschiedlichen Bräuchen, Sitten und Ritualen besetzt. Meist wird der Maibaum Ende Mai oder zu Pfingsten, vereinzelt zu Erntedank im Herbst, umgeschnitten und mit ritualisierten Spielen und Späßen gefeiert. Das Bewachen durch die Burschen des Ortes und strenge ungeschriebene Gesetze für ein mögliches Stehlen durch die Burschen der Nachbarorte geben die Verhaltensrichtlinien vor und werden sogar von der Gesetzgebung als ortsübliche Sitten berücksichtigt. Auch wie der Baum bearbeitet und gestaltet wird, ist unterschiedlich. In Österreich wird er seiner Äste entledigt und ganz oder in kunstvollen Spiralen mit dem Schepseisen entrindet, nur der Wipfel bleibt erhalten. Das Maibaumkraxeln um die Ehre wie um die oben hängenden Preise ist bzw. war ein beliebter Sport und Wettkampf der Burschen.
Der Tanz um den Maibaum stammt vermutlich aus der Renaissance, wurde aber im 20. Jahrhundert in der Zwischenkriegszeit von der Volkstanzbewegung stark verbreitet. Er ist besonders in den vergangenen Jahren auch in den Städten sehr beliebt und eine Gelegenheit, wieder Dirndl und Lederhose auszuführen”, heißt es auf dem “Kalenderblatt”, das auch über den “Tag der Arbeit” am 1. Mai sowie den österreichischen Staatsvertrag aus dem Jahr 1955 informiert und in der Beilage im Wortlaut zur Verfügung steht.