Post mit stabilem Ergebnis und ernüchternder Internet-Bilanz

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Die Post erzielte beim operativen Cashflow ein Plus von 15 Prozent
Die Post erzielte beim operativen Cashflow ein Plus von 15 Prozent - © APA
Post-Chef Georg Pölzl hat am Freitag ein stabiles Ergebnis für die ersten neun Monate 2017 präsentiert – und eine ernüchternde Bilanz beim heimischen Onlinehandel gezogen. 60 Prozent der im Internet bestellten Waren kämen aus dem Ausland, Tendenz steigend. Es fehle beim heimischen Angebot an Sortimentsvielfalt und konkurrenzfähigen Preisen.

Dementsprechend schleppend laufe der Online-Marktplatz shöpping.at der Österreichischen Post an. Gestartet wird nun am 23. November mit einem “Betatest” mit Friendly Usern. “Das wird noch Jahre dauern”, meinte Pölzl am Freitag bei der Präsentation der Geschäftszahlen für die ersten drei Quartale.

Wie lange es noch dauert bis der Streit mit der türkischen Pakettochter Aras Karco beigelegt ist, wollte Pölzl nicht beziffern. Die türkische Mehrheitseigentümerin Evrim Aras will nicht, wie geplant, 50 Prozent der Post verkaufen, sondern der Post die 25 Prozent zurückkaufen, die die Österreicher vor gut drei Jahren erworben haben.

Einmal mehr fuhr Evrim Aras heute schwere Geschütze auf. In einer Presseaussendung hielt sie unter anderem fest: “Wir werden nicht zulassen, dass der Wert des Unternehmens zerstört wird. Unserer Kultur sind solche Manipulationen zuwider, und das wird auch weiterhin so sein.” Aras wirft der Post AG vor, versprochene Investitionen nicht getätigt zu haben und die Kultur des Unternehmens nicht zu verstehen.

Pölzl gab sich heute zu dem türkischen Sorgenkind zugeknöpft. Er sprach lediglich von einem “sehr komplexen Umfeld”, ein Schiedsgerichtsverfahren habe man noch nicht eingeleitet.

Mehr Freude hat Pölzl jedenfalls mit den häufigen Bundespräsidenten-Wahlen. Ein Wahldurchgang bringt der Post drei bis fünf Millionen Euro. “Aber Wahlen sind jedes Jahr”, schränkte er ein.

In den nächsten Wochen warten mehrere Neuerungen auf die Postkunden. Die wichtigste: Mit 1. Jänner 2017 startet die Post, wie angekündigt, mit einer “Verpackungsreform” – ab dann gibt es nur noch drei Größen: Brief, Päckchen und Paket. Das neue Päckchen ist für Kleinbestellungen bis zwei Kilo gedacht.

Eine weitere Neuerung ist die “Post Flexibox”. Diese Blechbox wird mittels schnittsicherem Gurt an der Wohnungstür befestigt und vor die Tür gestellt, damit der Zusteller die Pakete sicher ablegen kann. Geöffnet wird mittels eines RFID-Chips vergleichbar mit der bereits eingeführten Postempfangsbox. Die Box kostet 124 Euro und ist ab 14. November im Post-Onlineshop bestellbar.

Die Post kämpft weiterhin mit der Substitution des Briefes durch die E-Mail, konnte aber im Paketgeschäft dank Onlinehandel zulegen. Wobei der Zuwachs in diesem Bereich fast ausschließlich aus dem Ausland kam, gibt Pölzl dem heimischen Handel zu bedenken.

Die in Wien börsenotierte Post hat in den ersten neuen Monaten des heurigen Jahres ein stabiles Ergebnis bei steigenden liquiden Mitteln erzielt. An der “attraktiven Dividendenpolitik” werde daher festgehalten, so Pölzl. Das Betriebsergebnis (Ebit) blieb mit 135,5 Mio. Euro auf dem Vorjahreswert, beim operativen Cashflow gab es ein Plus von 15 Prozent.

Der Umsatz gab um 13,5 Prozent auf 1,51 Mrd. Euro nach, wobei hier auch der Verkauf der verlustträchtigen deutschen Logistiktochter trans-o-flex eingerechnet ist. Beim Periodenergebnis wurde ein Rückgang von 3,5 Prozent auf 100,5 Mio. Euro verzeichnet. Der Mitarbeiterstand reduzierte sich durch den Verkauf der trans-o-flex um 1.595 auf 21.983, davon 17.562 in Österreich.

(APA)

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