Postings in rechtsextremem Forum: 29-Jähriger in Salzburg verurteilt

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Ein 29-Jähriger steht wegen Postings in einem rechtsextremen Forum vor Gericht.
Ein 29-Jähriger steht wegen Postings in einem rechtsextremen Forum vor Gericht. - © Neumayr/SB/Archiv
Am Landesgericht Salzburg hat sich am Freitag ein 29-Jähriger wegen der Aufforderung zur nationalsozialistischen Wiederbetätigung verantworten müssen. Der seit sechs Jahren in Wuppertal lebende Mann soll von Jänner bis Dezember 2010 einen Thread im rechtsextremen “Thiazi”-Internetforum gestaltet und betreut haben. Der Angeklagte bekannte sich heute schuldig – und zeigte sich geläutert. Noch am Nachmittag erging ein Urteil.


Er wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der Angeklagte nahm den Spruch an, der Staatsanwalt gab allerdings keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Der momentan arbeitslose Medienfachmann, der ursprünglich aus Salzburg kommt, soll im Jänner 2010 durch eine Spende von fünf Euro die Möglichkeit erhalten haben, auf Thiazi.net selbst einen Beitragsstrang zu erstellen und zu moderieren. Insgesamt dürfte er unter seinem User-Namen “Burkhard” rund 200 Beiträge gepostet haben. Darin forderte er vor allem die Wiedererrichtung eines Großdeutschen Reiches unter nationalsozialistischer Führung. “Er hat immer wieder geschrieben, man müsse den anderen erklären, wie großartig diese Idee ist”, fasste Staatsanwalt Marcus Neher die Vorwürfe zusammen.

“Habe früh negative Erfahrungen mit anderen Kulturen gemacht”

“Man darf sich nicht erwischen lassen. Sollte es dennoch passieren, dann wird jede Aussage verweigert bis zum Ende”, postete der Angeklagte einmal. Diametral dazu fiel am Freitag seine Verantwortung vor Gericht aus: “Ich bekenne mich schuldig”, sagte der 29-Jährige und erzählte, wie er in die rechtsextreme Szene abgerutscht ist. “Ich habe früh negative Erfahrungen mit anderen Kulturen gemacht, mir schnell Vorurteile gebildet und mich dann Leuten zugewandt, die jede andere Meinung als Manipulation abtaten.” Zugleich begann er, sich mit einschlägiger Literatur zu befassen und übernahm Vorurteile gegen Behinderte und Schwule. “Ich habe das offensiv vertreten”, gestand er ein. In seinen Postings habe er sich meist 1:1 aus “Mein Kampf” oder dem Parteiprogramm der NSDAP bedient.

Seine eigene Homosexualität habe er seinen damaligen Kameraden verschwiegen. “Ich habe mir selbst Vorwürfe deswegen gemacht. Ich hab mir einreden lassen, dass ich minderwertig bin”, erzählte er und berichtete von Suizidgedanken. “Ich habe erst spät begriffen, auf was für einem Holzweg ich war”, sagte der Angeklagte. “Wenn ich wirklich Menschen motiviert habe, so zu denken, wie ich es damals für richtig hielt, tut mir das leid.”

Kontakt zu Milieu abgebrochen, Umzug nach Deutschland

Ihr Mandant habe sich heute klar vom rechtsextremen Gedankengut distanziert und seinen Kontakt zum Milieu nach seinem Umzug nach Deutschland abgebrochen, sagte seine Verfahrenshelferin heute. “Das Ganze ist lange her. Er ist seit dem nicht mehr einschlägig aufgefallen. Heute hat er Freunde aus anderen Kulturkreisen und hat bei der Flüchtlingskrise mitgeholfen.” Sie bat um ein mildes Urteil. Auch der Staatsanwalt nannte in seinem Schlussplädoyer Gründe für ein Urteil unter der Mindeststrafe. Der Strafrahmen beträgt fünf bis zehn Jahre Haft.

Das im September 2012 geschlossene Thiazi.net war das bedeutsamste Forum für rechtsextreme und nationalsozialistische Propaganda im deutschsprachigen Raum. Es entstand aus einer Seite für den Tausch indizierter Musik und war nach einem Riesen in der germanischen Mythologie benannt. Die Internetplattform hatte zuletzt mehr als 30.000 registrierte Nutzer und verzeichnete mehr als 1,4 Millionen Beiträge. Betrieben wurde die Seite über Server in den USA, weil dort rechtsextreme Äußerungen unter die freie Meinungsäußerung fallen. Der deutsche Betreiber des Forums war 2015 vom Landgericht Rostock zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Im März 2017 erhielt in Salzburg ein 52-jähriger Moderator des Thiazi.net fünf Jahre unbedingte Haft.

(APA)

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