Präsidentenwahl Moldau: Prorussischer Kandidat Dodon voran

Akt.:
Dodon bei der Stimmabgabe
Dodon bei der Stimmabgabe - © APA (AFP)
Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ex-Sowjetrepublik Moldau hat sich am Sonntagabend ein Sieg des russlandfreundlichen Kandidaten Igor Dodon abgezeichnet. Nach Auszählung von 92 Prozent der Stimmen lag der Sozialist laut Behörden mit 55,9 Prozent in Führung. Die prowestliche Politikerin und entschiedene EU-Befürworterin Maia Sandu kam demnach auf 44,1 Prozent.

Aussagekräftige Ergebnisse sollen an diesem Montag vorliegen, hieß es in der Hauptstadt Chisinau. Dodon beanspruchte den Sieg noch vor der Auszählung aller Stimmen für sich. Seine Konkurrentin Sandu habe verloren, sagte der 41-Jährige. Er hoffe, dass die Enttäuschung sich nicht in Protesten entlade. “Moldau braucht Stabilität”, sagte Dodon. Er hatte bereits in der ersten Wahlrunde Ende Oktober vom Frust vieler Bürger über eine andauernde Korruption in der prowestlichen Führung profitiert.

Ex-Bildungsministerin Sandu warf der Wahlleitung Unregelmäßigkeiten vor. Viele Wahllokale hätten früher als geplant geschlossen, kritisierte die 44-Jährige. Sandu hatte sich im Wahlkampf für die Fortsetzung des Westkurses des 3,5-Millionen-Einwohner-Landes ausgesprochen. Der verarmte Agrarstaat zwischen der Ukraine und Rumänien steckt seit Jahren in einer tiefen politischen Krise.

Bei der Wahl ging es um eine wichtige Richtungsentscheidung. Ähnlich wie die benachbarte Ukraine ist die ehemalige Sowjetrepublik zerrissen zwischen Befürwortern einer engeren Anbindung an die EU und einer Hinwendung zu Russland. Seit Juli 2014 ist die zwischen Rumänien und der Ukraine gelegene Republik Moldau mit der EU durch ein Assoziierungsabkommen verbunden. Moskau verhängte daraufhin Strafmaßnahmen, die auf den Agrarsektor des Landes zielten.

Erstmals seit 1997 konnten die Bürger des 3,5-Millionen-Einwohner-Landes direkt über ihren Staatschef entscheiden, in den vergangenen Jahren war dies dem Parlament vorbehalten.

Der ehemalige Wirtschaftsminister Dodon kritisiert die Hinwendung seines Landes zur EU und plädiert für eine strategische Partnerschaft mit Russland. Der bisherige Kurs der Annäherung an die EU habe dem Land nichts gebracht, argumentierte er im Wahlkampf. Bei der Stimmabgabe am Sonntag zeigte er sich siegessicher. “Ich bin sicher, wie werden mit einem guten Abstand gewinnen.”

Sandu von der Mitte-Rechts-Opposition setzt hingegen auf die europäische Integration. Sie war früher Bildungsministerin und Mitarbeiterin der Weltbank. Sandu sagte bei der Stimmabgabe: “Wir sind viele und wird sind stark.” Dodon hatte die erste Runde mit 48 Prozent gewonnen, Sandu kam auf 38 Prozent.

Moldau ist das ärmste Land Europas. Das durchschnittliche Monatsgehalt liegt nach Angaben der Weltbank bei nur 240 Dollar (rund 220 Euro); 41 Prozent der Einwohner verfügen über weniger als fünf Dollar am Tag. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährte Moldau in der vergangenen Woche ein Kreditprogramm über 178,1 Millionen Dollar über drei Jahre zur Ankurbelung der Wirtschaft.

Das Land steckt seit längerem in einer politischen Krise und wird immer wieder von Korruptionsaffären erschüttert. Als 2014 auf mysteriöse Weise eine Milliarde Dollar aus den Büchern von drei Banken des Landes verschwand, löste dies Proteste gegen die Regierung aus. Im Zuge des Skandals wurde der frühere Regierungschef Vlad Filat festgenommen und später wegen Korruption und Amtsmissbrauchs verurteilt.

Igor Dodon ist das Gesicht der prorussischen Kräfte in Moldau. Als Chef der Sozialistischen Partei führt er die stärkste Fraktion im Parlament in Chisinau. Aus Posten als Wirtschaftsminister (2006-2009) und Vize-Ministerpräsident (2008-2009) hat er Regierungserfahrung. Bis 2011 war er KP-Mitglied. Er leitet den Schachverband in Moldau.

Dodon strebt eine strategische Partnerschaft mit Moskau an. Für den 41-Jährigen ist Russland kulturell und historisch der natürliche Partner der Ex-Sowjetrepublik, denn große Teile der Bevölkerung sind russischsprachig. Zudem bekennt sich die Mehrheit der Moldauer zur orthodoxen Kirche, die dem Moskauer Patriarchat untersteht.

(APA/ag.)

Leserreporter
Feedback


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen