Pressestimmen zur Amtseinführung von US-Präsident Trump

Die internationelen Medien regieren auf Trumps Medienschelte.
Die internationelen Medien regieren auf Trumps Medienschelte. - © ASSOCIATED PRESS
Zum Streit um die Zuschauerzahlen und den Protesten bei der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump schreiben internationale Tagezeitungen am Montag:

“Neuen Zürcher Zeitung”:

“Die Aufregung um die Zuschauerzahl war nicht etwa bloß ein Ausrutscher des Trumpschen Temperaments, sondern die offizielle Haltung der neuen Administration. Der neue Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, beschränkte seinen ersten Auftritt am Samstag ebenfalls auf eine Medienschelte, über weite Teile zum gleichen Thema. Fragen akzeptierte er keine.

Spicer ist kein Neuling aus dem Umfeld von Trumps Unternehmen, sondern war ab 2011 Kommunikationschef der republikanischen Parteiführung. Das hinderte ihn nicht, entgegen aller Vernunft und allen Beweisen zu behaupten, die Zuschauerzahl – sowohl in Washington als auch am Fernsehen – sei bei Trumps Vereidigung größer gewesen als je zuvor. Erfasst werden kann das nur noch in Kategorien von George Orwells Doppeldenk aus dem Roman ‘1984’. Sogar Fox News, der Trump sonst zu Füßen liegt, musste attestieren: ‘Trump is wrong’ (Trump irrt sich). Dieser Satz, so ist zu befürchten, wird in den nächsten Jahren noch öfters zu hören sein.”

“De Telegraaf” (Amsterdam):

“Die Spaltung der Vereinigten Staaten dauert an. Mit der Amtseinführung von Präsident Trump hat das Land seine Reihen keineswegs geschlossen. Es gibt Protestaktionen und Tumulte und das Weiße Haus zankt sich mit den Medien herum. Die Gefahr ist real, dass diese Zerrissenheit lähmend wirkt.

Noch nicht einmal vier Monate ist es her, als das Lager der Demokraten Trum ermahnte, sich nach seiner allgemein erwarteten Niederlage würdig zu verhalten. Inzwischen bekämpfen sich die Amerikaner aus den Schützengräben ihrer jeweiligen Überzeugungen. Das lenkt ab von den schweren Aufgaben, die der frisch gekürte Präsident zu bewältigen hat, darunter die Konsolidierung der Staatsfinanzen (…) Eine offene Debatte gehört zur Demokratie. Doch nachdem die Wähler gesprochen haben, braucht das Land nun eine effektive und konstruktive Regierungsführung.”

“Tages-Anzeiger” (Berlin):

“Der 45. Präsident der USA hat sein Amt beleidigt angetreten. Die Fernsehsender seines Landes, schimpfte Donald Trump, hätten absichtlich ‘eine leere Wiese’ gezeigt statt die Massen, die zu seiner Vereidigung erschienen seien. Er kann einem leidtun. Ein Washingtoner Freudenfest, kleingemacht von fiesen Medien. Zum Glück ist das Unsinn. (…) Die US-Medien haben das Wochenende gut gemeistert, die Behauptung von Trumps Pressesprecher zur vollsten Wiese ‘aller Zeiten’ so kritisch beleuchtet wie Trumps CIA-Auftritt. Doch das werden lange, strenge Jahre für Reporter, die ihre Wachhundaufgabe ernst nehmen.”

“La Repubblica” (Rom):

“Es war nicht nur offensichtlich, dass junge Menschen neben älteren Militanten die Proteste organisiert hatten. Es war ein Klima einer Party der Demokratie. Ein Klima, das in einem Land, das sich nicht leicht mobilisieren lässt, rar geworden war. Die Amtseinführung war dagegen düster: Alles weiß, wenig Musik. Und viele Menschen kamen wegen Obama. Aber das reicht nicht, um Trumps Amtseinführung als katastrophal zu beurteilen. Alles andere als das. Die Demonstrationen gegen Trump hatten etwas Antikes, wie aus einem Archiv. Es schienen die gleichen Proteste wie die gegen den Vietnamkrieg, wie die Friedensmärsche der 70er-Jahre.”

“Rossijskaja Gaseta” (Moskau):

“Trump hat einen Plan, der die Karten der Weltwirtschaft neu mischen könnte. Welchen? Die Losung von der Re-Industrialisierung der USA, von der Rückkehr der Firmen aus Mexiko, China und anderen Entwicklungsländern, von Investitionen in die eigene Produktion, in Straßen, Brücken, die eigene Bildung, die eigene Mittelschicht. Steuern, Zölle, Handelsverträge, regulatorischer Druck – alles wird diesem Ziel untergeordnet. Kurz: Entglobalisierung, Protektionismus.

Doch die USA sind nicht irgendein Land, sie sind der Kern der Weltwirtschaft. Die Folgen? Gebremstes Wachstum in China, in allen asiatischen Volkswirtschaften, riesige Probleme für Lateinamerika. Die Verlangsamung in China und Asien ist auch ein Problem für Russland, das ein großer Rohstofflieferant für die Region ist.”

“Magyar Idök” (Budapest):

“Donald Trump hat die amerikanische Präsidentschaftswahl gewonnen, doch für sie zählt das nichts. Die dominierende Presse glaubt nicht an die Demokratie (…). In ihren Augen funktioniert die Demokratie am ehesten, wenn der gewinnt, den sie gerne als Sieger sehen möchte. Der von ihr gehasste Kandidat möge sich hingegen schämen und forttrollen. Tut er das aber nicht, dann gibt es immer noch Mittel, um über die Köpfe der Menschen hinweg aktiv zu werden und wen auch immer mit der spitzen Feder unter Sperrfeuer zu nehmen.”

(APA)

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