Problembewusstsein zu Gewalt an Frauen in EU nicht hoch

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Nur 49 Prozent halten sexuelle Gewalt gegen den Partner für falsch
Nur 49 Prozent halten sexuelle Gewalt gegen den Partner für falsch - © APA (dpa)
Das Problembewusstsein in Sachen Gewalt an Frauen scheint in der EU nicht besonders hoch zu sein. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage halten beispielsweise nur 49 Prozent im EU-Durchschnitt sexuelle Gewalt gegen den Partner für falsch und gesetzwidrig. In Österreich sind es 50 Prozent. Führend ist Schweden mit 83 Prozent, Schlusslicht Litauen mit zwölf Prozent.

Die Italiener halten sexuelle Gewalt gegen den Partner nur zu 23 Prozent für falsch und gesetzwidrig, in Bulgarien sind es mit 25 Prozent nur geringfügig mehr. Hinter Schweden sind die Briten und Finnen mit je 67 Prozent angesiedelt, gefolgt von den Franzosen, wo 66 Prozent derartige Gewalt verurteilen.

Die Österreicher finden laut der Umfrage nicht allzu viel dabei, auf der Straße sexistische Bemerkungen gegenüber Frauen zu machen. Nur sieben Prozent sehen ein solches Verhalten als falsch und gesetzwidrig an. Lediglich in Spanien und Litauen liegt diese Einstellung mit je fünf Prozent noch darunter.

Am schärfsten werden anzügliche Bemerkungen gegenüber Frauen auf der Straße in Zypern (28 Prozent) verurteilt, dann folgen Portugal und Malta (je 27 Prozent). Der EU-Durchschnitt liegt bei 15 Prozent.

Bei der sexuellen Belästigung von Kolleginnen sind im EU-Durchschnitt 37 Prozent der Ansicht, dass dies falsch und gesetzwidrig ist. Polen liegt hier mit 55 Prozent an der Spitze, gefolgt von Großbritannien (54 Prozent) und Schweden (49 Prozent). In Österreich liegt der Prozentsatz bei 29. Schlusslichter sind Bulgarien und Litauen mit je nur 13 Prozent, die das verurteilen.

Auf die Frage, wie verbreitet häusliche Gewalt gegen Frauen in ihrem Land ist, haben 54 Prozent der befragten Portugiesen mit “sehr verbreitet” geantwortet. In Finnland waren es nur sechs Prozent. Der EU-Durchschnitt beträgt 25 Prozent. Österreich kommt auf 22 Prozent.

Im EU-Durchschnitt schließlich glauben 27 Prozent, dass Geschlechtsverkehr ohne Einwilligung “gerechtfertigt” sein kann. In Rumänien liegt der Prozentsatz sogar bei 55 Prozent, in Schweden bei nur sechs Prozent. Österreich weist immerhin 32 Prozent Zustimmung für ein solches Verhalten aus.

In der Europäischen Union glauben 17 Prozent, dass Gewalt gegenüber Frauen oft vom Opfer provoziert wird. Lettland ist dabei mit 57 Prozent negativer Spitzenreiter. Die Niederlande nehmen mit sechs Prozent den positiven letzten Platz ein. Österreich kommt hier auf 23 Prozent.

Konkrete Zahlen für Österreich nannte am Donnerstag Gesundheits- und Frauenministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen. Demnach wurden im Jahr 2015 mehr als 17.000 Frauen in Gewaltschutzzentren und in der Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie betreut. Die Dunkelziffer der Betroffenen ist aber noch viel höher.

Mit diesem Tag, der zur Bewusstmachung des Problems dienen soll, beginnen auch “16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen”. Sie erinnern daran, dass geschlechtsspezifische Gewalt immer noch ein gravierendes Problem ist. Jede fünfte Frau in Österreich hat bereits körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. Dabei kommt es im sozialen Nahraum besonders häufig zu Übergriffen.

Oberhauser bezeichnete die Unterstützung von gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen als “absolute Priorität” ihres Ressorts. Rund 90 Prozent des Budgets des Frauenministeriums fließen in die Finanzierung von Gewaltschutzzentren, Interventionsstellen sowie Frauen- und Mädchenberatungseinrichtungen.

(APA)

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