Proteste nach Freispruch von Polizisten im US-Staat Missouri

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Viele Menschen gingen auf die Straße
Viele Menschen gingen auf die Straße - © APA (Getty)
Ein Fall von tödlichen Polizeischüssen auf einen Schwarzen hat in den USA erneut zu Unruhen geführt: Der Freispruch eines weißen Ex-Polizisten in St. Louis führte am Wochenende erneut zu Protesten, nachdem bei Krawallen am Freitag bereits zehn Polizisten verletzt und 23 Menschen festgenommen worden waren. Die Rockband U2 und der Popstar Ed Sheeran sagten Konzerte in der Stadt im Staat Missouri ab.

Am Samstag versammelten sich Demonstranten erneut in der Stadt, sie skandierten in zwei Einkaufszentren: “Das gesamte verfluchte System ist verdammt schuldig”. Am Freitag war es am Rande der Proteste vor dem Gericht zu Krawallen gekommen, die Polizei hatte Tränengas eingesetzt. Für Sonntag wurde mit weiterem Protest gerechnet.

Das U2-Konzert war für Samstagabend geplant gewesen, Sheeran wollte eigentlich am Sonntag in St. Louis auftreten. In einer gemeinsam mit der Unterhaltungsfirma Live Nation veröffentlichten Erklärung begründete U2 die Absage mit Sorge um die Sicherheit ihrer Fans.

“Wir wurden von der Polizeibehörde von St. Louis informiert, dass sie nicht den üblichen Schutz für unser Publikum gewährleisten kann, wie es bei einem Konzert dieser Größe erwartet wird”, hieß es in der Mitteilung der irischen Rockband. “Wir können nicht guten Gewissens die Sicherheit unserer Fans riskieren, indem wir das Konzert stattfinden lassen. So sehr wir die Absage bedauern, spüren wir, dass dies das einzige akzeptable Vorgehen in dieser Umgebung ist.”

Ein Gericht in St. Louis hatte am Freitag einen früheren Polizisten freigesprochen, der einen 24-jährigen mutmaßlichen Drogenhändler erschossen hatte, obwohl der Afroamerikaner nach Videoaufnahmen unbewaffnet war. Das Gericht hatte erklärt, eine Mordabsicht bei dem früheren Polizisten Jason Stockley lasse sich aus Mangel an Beweisen nicht feststellen. Stockley hatte ausgesagt, er habe den Mann in Notwehr erschossen, als er nach einem Revolver griff. Die Waffe ist aber auf mehreren Überwachungs- und Handyvideos nicht zu sehen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Polizisten wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt. Er soll nämlich während der Verfolgungsjagd einem Kollegen im Streifenwagen gesagt haben, er werde den Mann töten. Diese Äußerung war im Auto per Video aufgezeichnet worden, aber in der Aufnahme nicht zu verstehen, was unmittelbar davor oder danach gesagt wurde. Der Richter entschied, die Bemerkung sei möglicherweise aus dem Zusammenhang gerissen worden.

In einem Interview mit der Zeitung “St. Louis Post-Dispatch” sagte der freigesprochene Stockley: “Ich kann gegenüber der Familie Mitgefühl empfinden und ich verstehe, was sie gerade durchmacht.” Er wisse auch, dass jeder jemanden verantwortlich machen wolle, aber das sei eben nicht er.

An den Protesten am Freitag hatte sich auch der Vater des derzeit bekanntesten schwarzen Opfers von Polizeigewalt in den USA beteiligt, Michael Brown. Sein gleichnamiger Sohn war vor gut drei Jahren in der Stadt Ferguson in Missouri von einem Polizisten getötet worden. Der Fall löste wochenlange Unruhen in den USA aus. Der verantwortliche Polizist wurde ebenfalls nicht angeklagt, obwohl der 18-jährige Brown unbewaffnet war. Sein Vater sagte nun dem Sender CNN: “Die Leute haben die Nase voll davon.”

(APA/dpa)

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