Prozess gegen Ex-Krankenpfleger von Michael Aufhauser startet

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Der Prozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger findet am Landesgericht Salzburg statt.
Der Prozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger findet am Landesgericht Salzburg statt. - © Neumayr/SB
Ein Ex-Pfleger des schwer erkrankten Gründers von Gut Aiderbichl, Michael Aufhauser, hat sich am Mittwoch bei einem Prozess in Salzburg wegen versuchter Erpressung verantworten müssen. Der nicht geständige 44-Jährige soll vom Geschäftsführer der Aiderbichl-Tiergnadenhöfe, Dieter Ehrengruber, Geld gefordert haben, ansonsten werde er kompromittierende Fotos von Aufhauser veröffentlichen.

Den Erpressungsversuch soll der beschuldigte Kroate, der den herzkranken Aufhauser von Dezember 2015 bis Juli 2016 gepflegt hatte, am 16. September 2016 verübt haben. In dem maschinell angefertigten Schreiben soll er aus seinem Heimaturlaub in Kroatien dem Geschäftsführer mitgeteilt haben, er werde intime Lichtbilder des pflegebedürftigen Michael Aufhauser an Journalisten übermitteln und er werde durch einen Anwalt eine Anzeige gegen Ehrengruber einbringen, weil dieser ihm Geld für sexuelle Handlungen an Aufhauser angeboten hätte.

“Angemessene Entschädigung” verlangt

Da er wegen der Aufforderung zu Intimitäten psychisch beeinträchtigt worden sei, habe er seine Pflegetätigkeit niederlegen müssen, soll der 44-Jährige noch erklärt haben. Laut Strafantrag verlangte er auch eine “angemessene Entschädigung” von Ehrengruber, ohne jedoch eine konkrete Summe zu nennen. Falls er keine Nachricht von Ehrengruber erhalte, werde er über einen Rechtsanwalt die Staatsanwaltschaft informieren und auch Kontakt mit den Medien aufnehmen – diese seien sehr interessiert und würden auch sehr viel Geld für wahre Geschichten bieten.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Der Angeklagte bestritt heute vor Gericht, dass er einen Brief mit erpresserischem Inhalt an Ehrengruber geschickt habe. Der 44-Jährige sei nicht der Verfasser des maschinengeschriebenen Briefes, der weniger Rechtschreibfehler als die SMS-Nachrichten seines Mandanten und auch eine gewähltere Formulierung aufweise, erläuterte Verteidiger Kurt Jelinek. Seinen Antrag, ein sprachwissenschaftliches Gutachten möge das beweisen, lehnte Richterin Katrin Pernestetter allerdings ab.

Um Darlehen für Sohn angesucht

Er habe tatsächlich einen Brief an Ehrengruber geschickt, dieser sei von ihm aber handschriftlich verfasst worden, erklärte der arbeitslose Angeklagte. Zuvor habe er Ehrengruber um ein Darlehen über 2.500 Euro ersucht, weil er Geld für seinen Sohn benötigte und als selbstständig Tätiger noch eine Rechnung bei der Sozialversicherungsanstalt offen habe und auch die Pflegeagentur, die ihm den Job bei Aufhauser vermittelte, Provision kassiere. Für seine 24-Stunden-Pflege habe er nur 72 Euro am Tag verdient, sagte der 44-Jährige zur Richterin. Ehrengruber habe ihm eine finanzielle Unterstützung zugesagt, so der Angeklagte, der zudem noch betonte, er habe zu Aufhauser immer ein gutes Verhältnis gehabt.

Angeklagter: “Ich war sauer”

Der Beschuldigte erklärte, er habe aus dem Urlaub mehrere SMS an Ehrengruber geschickt. “Aber keiner hat sich bei mir gemeldet. Ich war sauer.” Es habe dann geheißen, er brauche nicht mehr als Pfleger bei Aufhauser arbeiten. In dem handschriftlichen Brief habe er Ehrengruber gefragt, wie er die Außenstände bezahlen solle. Solle er etwa die Bilder, die er von Aufhauser gemacht habe, an die Medien verkaufen, damit er weiterhin über die Runden komme? “Ich habe ihm geschrieben, dass er sich bitte melden soll. Aus den Medien habe ich dann erfahren, dass ich als Erpresser dargestellt werde.” Von sexuellen Handlungen sei in dem Brief jedenfalls nichts gestanden, betonte er.

Ehrengruber bestreitet Geldzusage

“Warum sollte Ehrengruber einen anderen Brief verfassen und ihn austauschen”, fragte die Richterin. “Das frage ich mich auf”, antwortete der Angeklagte. Ehrengruber bestritt im Zeugenstand, dass er dem Angeklagten eine Geldzusage für ein Darlehen erteilt hätte. Als er zusammen mit seiner Assistentin das “Erpresserschreiben” geöffnet habe, habe er den Brief an seinen Anwalt übermittelt, der diesen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet habe. Ihm wurde dann von seinem Rechtsvertreter und einem Medienprofi empfohlen, mit den Fotos und dem Schreiben rasch an die Medien zu gehen. “Um den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich hatte angenommen, dass die Medien den Brief schon haben.”

Sexuelle Anspielungen gegenüber Pfleger?

Die Richterin wollte noch von Ehrengruber wissen, ob es seinerseits eine sexuelle Anspielung gegenüber dem Angeklagten gegeben habe. Sie hielt dem Geschäftsführer die Aussage des Angeklagten vor, wonach er zu dem 44-Jährigen, der gerade ein Urinal-Kondom bei Aufhauser wechselte, die flapsige Bemerkung gemacht habe: “Du hast ihn fit gemacht, kannst du ihn noch fitter machen?” Ehrengruber bestritt, eine solche Aussage jemals gegenüber dem Angeklagten geäußert zu haben. Aufhauser sei damals sehr bedürftig gewesen, “wenn er einen Löffel Mus gegessen hat, war das schon ein Erfolg.”

Aufhauser soll Geld und Auto versprochen haben

Der Geschäftsführer hielt auch die Angaben des Beschuldigten, Aufhauser habe ihm während eines Klinik-Aufenthaltes in Bad Aibling im Frühjahr 2016 einen Anteil seines Vermögens und ein Auto versprochen, und der Patient sei damals gut drauf gewesen, für nicht glaubwürdig. “Das höre ich zum ersten Mal. Ich kenne Aufhauser seit 20 Jahren. Er würde, wenn er jemanden erst so kurz kennt, keine finanzielle Zusage machen.” Außerdem sei es Aufhauser damals nicht gut gegangen. Der Verteidiger meinte, dass Aufhauser seinem Mandanten etwas versprochen habe, sei Ehrengruber womöglich “sauer aufgestoßen”.

Weil Ehrengruber in dem Ermittlungsverfahren nicht angegeben hat, dass seine Assistentin bei der Öffnung des “Erpresserschreibens” dabei war, wurde der Prozess zur Einvernahme der Mitarbeiterin auf 24. Mai vertagt. Das Delikt versuchte Erpressung sieht einen Strafrahmen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren Haft vor.

(APA)

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