Prozess gegen Salzburger Ex-Sportfunktionäre: Vier Schuldsprüche

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Ein Ex-ASKÖ-Führungstrio muss sich vor Gericht verantworten.
Ein Ex-ASKÖ-Führungstrio muss sich vor Gericht verantworten. - © NEUMAYR
Der Prozess gegen Ex-Funktionäre des Sportverbandes ASKÖ Salzburg und der Salzburger Sportvereinigung ASV ist am Freitagnachmittag mit vier Schuldsprüchen wegen Untreue und mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Der ehemalige Präsident der beiden Vereine erhielt 24 Monate teilbedingte Haft, davon acht Monate unbedingt.

Der ehemalige ASKÖ-Landesgeschäftsführer wurde zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt, der ehemalige ASKÖ-Finanzreferent zu sechs Monaten bedingter Haft. Der ehemalige ASV-Finanzreferent kassierte eine 21.600 Euro hohe Geldstrafe und eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Die Sportwissenschafterin, die für den ASV tätig gewesen war, wurde rechtskräftig freigesprochen. Alle fünf Angeklagten hatten ihre Unschuld beteuert.

Mehrere hundertausend Euro Schaden

Das im Jahr 2016 begonnene Strafverfahren drehte sich laut Anklage um zweckwidrig verwendete Vereinsgelder, der Schaden im Zeitraum 2003 bis 2012 beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf mehrere hunderttausend Euro. Der Schöffensenat am Landesgericht Salzburg unter Vorsitz von Richter Christian Hochhauser hat keinen Betrugsvorsatz nachweisen können.

Im Fall des Ex-ASKÖ-Präsidenten wurde die Rechtsfolge des Amtsverlustes unter einer Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen. Er muss dem Urteil zufolge der Privatbeteiligten ASV Amateursportvereinigung Salzburg binnen 14 Tagen 17.500 Euro und der Ex-ASV-Finanzreferent 9.080 Euro an Schadensersatz zahlen. Die beiden Angeklagten müssen zudem jeweils noch weitere 37.167 Euro binnen 14 Tagen an die ASV zahlen.

“Geheimkonten” mit Vereinsgeldern

Die Beschuldigten beteuerten, sie hätten sich weder persönlich bereichert noch hätten sie wissentlich ihre Befugnisse missbraucht. Die Hauptfakten der Anklage drehten sich um einen überhöhten Baurechtszins für den “Sportbauernhof Waldzell” im oberösterreichischen Innviertel, nicht gerechtfertigte, private Installationen auf dem Hof und zwei “Geheimkonten”, von denen Vereinsgelder zweckwidrig verwendet worden seien, sowie um nicht gerechtfertigte Aufwandsentschädigungen. Im Fokus standen auch ein Wohnmobil und ein Pkw, die privat genutzt worden seien. Zu all diesen Vorwürfen sind Schuldsprüche ergangen.

ASKÖ und ASV: Schuldsprüche sollten als Signal verstanden werden

Ohne Ehrenamtlichkeit von Funktionären wären Vereine wie die ASKÖ und die ASV nicht lebensfähig, erklärte der Vorsitzende nach der Urteilsverkündung. Die Schuldsprüche sollten auch als Signal verstanden werden, dass private Rechnungen nicht mit Vereinsgeldern bezahlt werden können, so der Richter.

Im ASKÖ-Verfahren angeklagt waren der im Mai 2012 zurückgetretene Vereinspräsident sowie der im Jahr 2015 ausgeschiedene Finanzreferent und der ehemalige Landesgeschäftsführer. Der Ex-Präsident hatte den Sportbauernhof in Waldzell, der in ein modernes Sportzentrum für den Breitensport umgebaut werden sollte, im Jahr 2003 um 55.000 Euro als Privatmann gekauft und dem ASKÖ 2005 ein Baurecht für die Dauer von 30 Jahren eingeräumt, wofür er laut Vertrag jährlich einen Baurechtszins in der Höhe von 16.848 Euro kassierte. Dieser Betrag war laut Staatsanwalt Robert Holzleitner weit höher als üblich, einem Gerichtsgutachten zufolge wären 3.400 Euro angemessen gewesen.

Installationen für private Zwecke

Zudem soll der Ex-Präsident auf dem Bauernhof Installationen für private Zwecke auf Vereinskosten durchführen haben lassen. Sein Verteidiger erklärte, der Baurechtsvertrag sei geprüft und auch vom Präsidium der ASKÖ in Ordnung befunden worden.

Der Anklage zufolge war der Ex-Präsident auch in Untreuehandlungen bei der ASV involviert, wo er ebenfalls Präsident war, und deren Dachverband der ASKÖ ist. Beschuldigt wurden zudem der Ex-Finanzchef der ASV und eine Sportwissenschafterin. Die Vorwürfe betrafen die zweckwidrige Verwendung von insgesamt mehr als 300.000 Euro in den Jahren 2008 bis 2013, wobei insgesamt rund 250.000 Euro auf zwei “Geheimkonten” gelandet seien, wovon Gelder offenbar für den Ankauf von Goldbarren verwendet wurden. Zudem seien der Sportwissenschafterin 23.640 Euro zweckwidrig überwiesen worden.

(APA)

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