Prozess um Amokfahrt: “Bizarres Verhalten nicht vorspielbar.”

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Am Dienstag wurden die letzten Zeugen befragt.
Am Dienstag wurden die letzten Zeugen befragt. - © APA/ERWIN SCHERIAU/APA-POOL
Im Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen Alen R. fortgesetzt worden. Er hat im Juni 2015 bei einer Amokfahrt durch die Innenstadt drei Menschen getötet und Dutzende zum Teil schwer verletzt. Am sechsten Verhandlungstag waren die letzten Zeugen geladen, darunter die Ex-Frau des Betroffenen. Sie schilderte unter Weinkrämpfen, dass R. sie geschlagen und bedroht habe.

“Er hat mich geschlagen und meinen Pass weggeräumt.” So schilderte die frühere Ehefrau von Alen R. ihr Martyrium in dessen Familie. Vier Jahre war das Paar verheiratet, und am Anfang sei er “ein ganz anderer Mensch” gewesen, sagte die Zeugin. Sie kam aus Bosnien zu ihm, und “in Österreich war er nur die ersten drei Monate so”. Dann soll er gesagt haben: “Du wirst deine Eltern nie wieder sehen.” Er und seine Mutter “haben mich mit dem Tod bedroht und gesagt, sie werden mir die Kinder wegnehmen”, erzählte die Zeugin.

“Nervös und aggressiv durch Cannabis”

Dass er ihren Eltern Geld habe schicken müssen, bezeichnete sie als Lüge. Ihrer Meinung nach ist auch sein Verhalten vor Gericht nur gespielt: “Ich kenne ihn sehr gut. Er hat das von seiner Mutter gelernt, die ist auch eine gute Schauspielerin.” Dann erzählte sie von seiner Cannabiszucht zuhause. Er habe täglich etwas davon konsumiert, und zwar mit einem speziellen Inhalator. Dadurch sei er aber nervös und aggressiv geworden: “Wenn ich etwas gesagt habe, hat er mich geschlagen.” Außerdem habe er sich ständig verfolgt gefühlt. “Von wem?”, fragte Richter Andreas Rom. “Von Türken und Marsmenschen”, antwortete die Befragte. Schließlich wurde sie von Weinkrämpfen geschüttelt: “Ich kann nicht mehr, ich will nach Hause zu meinen Kindern.”

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Alen. R. bestritt diese Angaben: “Sie ist nie geschlagen worden, das hätte man gesehen.” Als man ihm vorhielt, sie habe sehr wohl Verletzungen gehabt, als sie mit den Kindern ins Frauenhaus gekommen sei, meinte er: “Die hat sie sich selbst zugefügt.” Seine Erklärung, warum sie so etwas tun sollte: “Sie ist traumatisiert von ihren Eltern, die sie geschlagen haben.”

“Alle haben geschrien”

Zuvor schilderte ein Zeuge, wie er am 20. Juni 2015 mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Stadt unterwegs gewesen, als plötzlich der tonnenschwere Geländewagen auf die Familie zusteuerte. Der Vater und einer der Buben wurden erfasst und zu Boden geschleudert. Die Frau berichtete, wie sie zwischen den beiden Schwerverletzten hin- und hergerannt war. “Ich habe gedacht, mein Mann ist sowieso tot”, erzählte sie. Er lag bewegungslos in einer Blutlache, sie stellte den einen Sohn hin, “damit er auf den Papa aufpasst”. Der andere Bub hatte schwerste Kieferverletzungen, ein Bein stand vom Körper ab. “Alle haben geschrien, ich soll ihn nicht angreifen, sonst ist er querschnittgelähmt.” Die Mutter hatte aber Angst, dass ihr Kind am Blut erstickt, und drehte den Kleinen auf die Seite.

Verletzte überlebten Amokfahrt in Graz

Beide Verletzten überlebten, der Vater geht heute noch auf Krücken, der Bub – er wurde abgesondert in einem Nebenzimmer des Gerichtssaals befragt – wirkte wieder recht munter. Er konnte sich an den Vorfall selbst nicht erinnern, schilderte nur, wie er lange im Krankenhaus liegen musste: “Mir war fad und ich hatte Schmerzen.” Sein Vater beschrieb, wie der tonnenschwere Wagen direkt auf die Familie zuraste: “Für mich war das ein Mordanschlag.”

“Verhalten nicht vorspielbar”

Befragt wurden auch Ärzte der Justizanstalt Göllersdorf und der Landesnervenklinik Sigmund Freud (LSF), die Alen R. behandelt hatten. “Dieses bizarre Verhalten ist nicht vorspielbar”, war einer der Psychiater überzeugt. Ein Kollege hielt es aber immerhin für möglich, dass der 27-Jährige seine psychischen Störungen nur vortäuscht.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9.00 Uhr fortgesetzt. Dann werden die beiden psychiatrischen Gutachter Manfred Walzl und Jürgen Müller sowie die Psychologin Anita Raiger am Wort sein.

(APA)

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