Prozess um verschwundenes Geld auf Tier-Gnadenhof fortgesetzt

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Der Prozess um mögliche Malversationen auf dem Tiergnadenhof wurde am Donnerstag fortgesetzt.
Der Prozess um mögliche Malversationen auf dem Tiergnadenhof wurde am Donnerstag fortgesetzt. - © APA
Der Schöffenprozess um Unregelmäßigkeiten auf einem Gnadenhof im Innviertel ist am Donnerstag im Landesgericht Ried fortgesetzt worden. Befragt wurden Zeugen, die am Hof tätig waren, beziehungsweise eine Bekannte des 86-jährigen Besitzers. Vieles in den Aussagen stammte jedoch nicht aus eigener Wahrnehmung sondern vom Hörensagen. “Es ist viel getratscht worden”, erläuterte einer von ihnen.

In der Verhandlung geht es um die Anklage gegen einen 51-Jährigen und seine 54-jährige Schwester. Die Anklage der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft ihnen unter anderem Veruntreuung und Untreue vor. Sie hätten Geld eines im November 2011 verstorbenen vermögenden Tierfreundes und Betreibers des Gnadenhofes in der Höhe von mehreren hunderttausend Euro zum Nachteil des Nachlasses auf die Seite geräumt.

ehrengruber2 35.000 Euro sollte Dieter Ehrengruber, Geschäftsführer von Gut Aiderbichl, erhalten. /Foto Scharinger/Scharinger ©

Verbindung zu Gut Aiderbichl

In dem Fall gibt es eine Verbindung zum Gut Aiderbichl. Ein Testament zu dessen Gunsten hat der Verstorbene im Juli 2010 verfasst. Der Hof ist von der Stiftung übernommen worden. Die zweite Angeklagte hätte auch auf Anweisung des 86-Jährigen 35.000 Euro an Gut Aiderbichl weiterleiten sollen. Sie habe es laut Anklage aber verabsäumt.

Verstorbener wird als gierig und geizig beschrieben

Erörtert wurde die Person des Verstorbenen. Er wurde als sparsam, geizig und gierig beschrieben. Er habe sein Vermögen nur den Tieren, nicht aber den Menschen zukommen lassen wollen. Dem hätte widersprochen, dass er den Willen gehabt habe, dem Angeklagten eine finanzielle Absicherung seiner Zukunft einzurichten.

Auch körperlicher und geistiger Zustand von Belangen

Es ging auch um den körperlichen und geistigen Zustand des betagten Tierfreundes, ob er mit Medikamenten ruhig gestellt und von der Umwelt abgeschottet sowie mit Kameras und Mikrofonen überwacht oder ihm gedroht worden sei, sowie um die Rolle der Angeklagten und anderer Personen, die am Hof arbeiteten oder dorthin kamen. Auch Jahre nach dem Tod des Gönners gab es Treffen von involvierten Personen. Dabei wurden eidesstattliche Erklärungen verfasst und alle möglichen Informationen ausgetauscht, so dass schwer nachvollziehbar ist, was wer wahrgenommen hat.

Laufende Ermittlungen: Ehrengruber entschlägt sich

Der als Zeuge geladene Geschäftsführer von Gut Aiderbichl Dieter Ehrengruber machte oft bei den im Prozess gestellten Fragen von seinem Recht Gebrauch, sich zu entschlagen. Er wies nämlich auf ein Ermittlungsverfahren hin, das gegen ihn läuft.

Jedenfalls stellte er fest, dass er keine 35.000 Euro erhalten habe, die von der zweiten Angeklagten an Gut Aiderbichl übergeben werden sollten. Von diesem Geld habe er jedoch erst im Zuge der Ermittlungen erfahren. Bis dahin habe er angenommen, dass Aiderbichl kein Geld mehr zu erwarten habe. Er habe ebenfalls erst Jahre nach der Übernahme des Gnadenhofes des Verstorbenen mitbekommen, dass dieser Lebensversicherungen abgeschlossen hatte, die den ersten Angeklagten begünstigten.

Hof an Stiftung geschenkt

Ehrengruber bekräftigte, so wie er den Gönner kannte, habe dieser sein Vermögen nur Tierschutzorganisationen nicht aber Einzelpersonen zukommen lassen wollen. Die 54-Jährige habe den Kontakt von ihm zu Aiderbichl hergestellt. Es kam zur Schenkung des Hofes an die Stiftung und einer Polizze über vier Millionen Euro, die zehn Jahre lang in Raten an Aiderbichl für Unterhalt und Renovierung gehen sollten. Der Spender äußerte die Bitte, dass der 51-Jährige als Verwalter beschäftigt werde. Dieser wurde fristlos entlassen, als er im Juni 2015 im Zuge der Ermittlungen festgenommen wurde. Mit der 54-Jährigen sei es zum Bruch gekommen, weil diese Geldforderungen stellte und selbst Verwalterin werden wollte.

(APA)

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