Prozess wegen Verletzung sexueller Selbstbestimmung

Wegen Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung seiner Ex-Lebensgefährtin ist ein 24-Jähriger am Mittwoch am Landesgericht St. Pölten zu drei Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Schöffensenat sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte gegen den Willen der Frau sexuelle Handlungen vorgenommen bzw. versucht habe, diese vorzunehmen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann aus dem Bezirk St. Pölten-Land Vergewaltigung zur Last gelegt, der Angeklagte sich nicht schuldig bekannt. Der Vorfall hatte sich am 29. Oktober 2016 zugetragen. “Ich wollte mit ihr über die ganze Situation reden, wie es mit unserer Beziehung und der Obsorge weitergeht. Ich wollte sie zurückhaben”, schilderte der Angeklagte, der seit Mai von der 26-Jährigen getrennt war. Der gemeinsame Sohn war an diesem Wochenende beim 24-Jährigen zu Besuch, das Kleinkind schlief den Angaben zufolge währenddessen in einem anderen Raum.

Auf zwei Umarmungen im Wohnzimmer habe seine Ex-Partnerin gemeint, dass sie das nicht möchte, berichtete der junge Mann. Seine ehemalige Lebensgefährtin sagte aus, dass der 24-Jährige sie gepackt, auf die Couch heruntergedrückt und die Hose heruntergerissen habe. Der Angeklagte bestritt hingegen, Gewalt angewendet zu haben. Er gab an, die 26-Jährige sanft auf das Sofa gelegt und ihr Jeans samt Unterhose bis zu den Knien heruntergezogen zu haben. “Ich habe gesagt, er soll aufhören, ich will das nicht. Ich habe mich gewehrt”, sagte die Frau in der Wiedergabe des Videos von der kontradiktorischen Einvernahme.

Erst nachdem er frühzeitig “gekommen” war, habe sie – nach den Umarmungen – erneut gesagt, er solle das lassen, meinte hingegen der Angeklagte. Aufgrund der vorzeitigen Ejakulation des 24-Jährigen sei es nicht zum Beischlaf gekommen, sagte die Staatsanwältin. Die Frau fuhr daraufhin zur Polizei und erstattete Anzeige.

Zwei Wochen zuvor hatten sich der 24-Jährige und die 26-Jährige bei einem Treffen geküsst, wie beide angaben. Einen Tag vor dem Vorfall, am 28. Oktober, hatte sie einen Heiratsantrag abgelehnt.

Die Probezeit für den 24-Jährigen beträgt drei Jahre. Als mildernd wurden – bei einem Strafrahmen von bis zu zwei Jahren – u.a. das Geständnis bei der Polizei, der bisher ordentliche Lebenswandel und, dass es beim Versuch geblieben war, gewertet. Vom Vorwurf der Körperverletzung der 26-Jährigen während der rund zweijährigen Beziehung wurde der junge Mann im Zweifel freigesprochen. Der Angeklagte erbat sich Bedenkzeit, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Damit ist das Urteil nicht rechtskräftig.

(APA)

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