Psychiatrie im Krankenhaus Schwarzach platzt aus allen Nähten

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„Wir müssen praktisch durchgehend Notbetten aufstellen“, beschreibt Primar Marc Keglevic die gegenwärtige Situation in der Psychiatrie in Schwarzach.
„Wir müssen praktisch durchgehend Notbetten aufstellen“, beschreibt Primar Marc Keglevic die gegenwärtige Situation in der Psychiatrie in Schwarzach. - © Krankenhaus Schwarzach
Die psychiatrische Abteilung im Krankenhaus Schwarzach (Pongau) ist laut Abteilungsleiter Marc Keglevic massiv überbelegt: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Aufnahmen verdreifacht. “Die Situation ist dramatisch”, beschreibt Keglevic die Situation.

Als einziges Spital außerhalb der Landeshauptstadt ist das Krankenhaus Schwarzach mit einer psychiatrischen Abteilung ausgestattet – und damit die einzige klinische Anlaufstelle für die rund 185.000 Einwohner im Pongau, Pinzgau und Lungau. Doch die Abteilung platzt im wahrsten Sinne des Wortes aus allen Nähten. Seit Jahren leiden Patienten ebenso wie das Krankenhauspersonal unter massiver Überbelegung.

Massive Überbelegung: Zahl der Aufnahmen verdreifacht

Wurden im Jahr 2005 noch rund 700 stationäre Aufnahmen verzeichnet, stieg diese Zahl auf fast 2.300 im Jahr 2015. Eine rasche Aufstockung von derzeit 53 auf mehr als 80 Betten wäre nötig, um wenigstens den Mindestempfehlungen des “Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen” zu entsprechen. “Grund dafür sind unter anderem ein Wandel im Patientenverhalten und eine vorangegangene falsche Einschätzung der Versorgung der Region”, gab Primar Marc Keglevic, Leiter der Abteilung im Gespräch mit SALZBURG24 an.

“Die Situation ist dramatisch”

“Die Situation ist dramatisch, es besteht dringendster Handlungsbedarf”, schlägt Keglevic Alarm. “Wir müssen praktisch durchgehend Notbetten aufstellen. Durch die ständige Überbelegung und räumliche Enge der Station kommt es zu einer extremen Überbelastung unserer Mitarbeiter. Sehr oft kann eigentlich nur eine Notfallbehandlung durchgeführt werden, denn der Bettendruck führt zu einer äußerst kurzen Aufenthaltsdauer der Patienten – und so müssen wir immer mehr Patienten mit hohen Psychopharmakadosen entlassen. Gleichzeitig fehlt es an einer ausreichenden Zahl entsprechender Nachsorgeeinrichtungen in der Region, und die enorm langen Wartezeiten bei niedergelassenen Fachärzten tun ihr Übriges zur Verschlimmerung der Gesamtsituation.”

Integriertes Versorgungskonzept für die gesamte Region umsetzen

Keglevic fordert neben einem Ausbau der räumlichen Kapazitäten eine Aufstockung der Bettenzahl, um die Auslastung der Station im Krankenhaus Schwarzach von aktuell über 120 Prozent zu senken. “Zusätzlich sollte man eine dislozierte Tagesklinik unseres Hauses in Zell am See schaffen, um eine vorgelagerte Versorgung für den Raum Pinzgau zu gewährleisten. Außerdem muss endlich ein integriertes Versorgungskonzept für einen nahtlosen Übergang von der Akutbehandlung in eine langfristige wohnortnahe Versorgung umgesetzt werden”, betont der Primar.

Politische Untätigkeit zu Lasten von kranken Menschen

Katharina Laner, Geschäftsführerin im Krankenhaus Schwarzach, betont: “Die extrem engagierten Mitarbeiter unserer Psychiatrischen Abteilung arbeiten permanent am Limit und sehen sich auch aufgrund der räumlichen Enge immer öfter mit Aggressionshandlungen von Patienten konfrontiert. Dieser Zustand erfordert vom Personal eine hohe Kompetenz in deeskalierenden Maßnahmen und ist massiv belastend. Wir haben bereits mehrfach an die Politik appelliert und auf die prekäre Situation unserer psychiatrischen Abteilung hingewiesen – bisher leider ohne Erfolg. Es ist besonders bedauerlich und beschämend, dass hier eine Untätigkeit zu Lasten von Menschen erfolgt, die ohnehin schon am Rande der Gesellschaft stehen.”

Stöckl: “Krankenhaus Schwarzach fehlt Personal”

Verwundert zeigt sich Gesundheits- und Spitalsreferent LH-Stv. Christian Stöckl (ÖVP) über die Vorwürfe des Krankenhauses Schwarzach. “Das Krankenhaus Schwarzach hat in der psychiatrischen Abteilung 39 bewilligte Betten am Standort Schwarzach und 20 bewilligte Betten am Standort St. Veit. Leider ist es aufgrund Personalmangels nicht in der Lage, diese Betten stationär zu nutzen. Die Sanitätsbehörde hat die Wiederinbetriebnahme der stationären Betten erst in der Vorwoche urgiert. Die Antwort des Schwarzacher Krankenhauses ist noch ausständig. Das Land kommt also seiner Verantwortung zur Versorgung der psychiatrischen Patientinnen und Patienten sehr wohl nach, kann aber nichts dagegen machen, dass es dem Krankenhaus Schwarzach an Personal fehlt“, so Stöckl.

Zahlen und Daten zur Psychiatrie in Schwarzach

  • Stationäre Aufnahmen: 2.290 (Vergleich 2005: 683)
  • Stationäre Konsile: 3.365 (2005: 1.158)
  • Ambulante Frequenzen: 5.114 (2005: 496)
  • Ambulante Psychotherapien: 2.684 (2009: 66)
  • Unterbringungen*: 461 (2010: 33) (* = Patienten, die gegen ihren Willen aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen stationär aufgenommen werden müssen)
  • Mitarbeiter auf der Station (umfasst alle MA vom Primar bis zum Stationsassistent): 86 (Vollzeitäquivalente: 63,58)

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