Radretter Andreas Rath im Sonntags-Talk: “Habe immer schon gerne geschraubt”

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Seit drei Jahren betreibt Andreas Rath sein „2nd Chance Bikes“ in der Stadt Salzburg.
Seit drei Jahren betreibt Andreas Rath sein „2nd Chance Bikes“ in der Stadt Salzburg. - © SALZBURG24/Naderer
Der Salzburger Andreas Rath betreibt seit etwa drei Jahren sein “2nd Chance Bikes“-Shop in der Stadt Salzburg. Dort widmet sich der 33-Jährige der Restaurierung und Reparatur alter Fahrräder, die sonst nur im Keller verstauben würden. Wie er nach einem Ausflug in die Architektur letztendlich sein Hobby zum Beruf machte und was er von Salzburg als Fahrrad-Stadt hält, erklärt uns Rath im Sonntags-Talk.




SALZBURG24: Andreas, was macht für dich den Reiz an der Arbeit mit alten Fahrrädern aus?

ANDREAS RATH: Ich habe früher schon hobbymäßig an Rädern herumgeschraubt. Nachdem ich zuvor etwas anderes gemacht habe und da eigentlich etwas frustriert war, habe ich mich dann dazu entschieden, mein Hobby zum Beruf zu machen und bin nun mit dieser Entscheidung sehr glücklich.

Du hast zuvor Architektur studiert und dann auch in einer Kanzlei gearbeitet. Wie kam der Schwenk zum Fahrradservice zustande?

Das hatte eigentlich nicht wirklich etwas mit dem vorigen Beruf zu tun. Es war eher eine persönliche Entscheidung hin zur Selbstverwirklichung. Acht Stunden am Tag vor dem Computer zu sitzen und nichts Handwerkliches zu machen war mir einfach zu wenig, also habe ich mich für die Fahrräder entschieden.

In der Architektur wollte ich mich ursprünglich selbstständig machen, das ist aber nicht ganz einfach. Die Verantwortung ist auch eine ganz andere. Ich beschäftige mich nach wie vor damit, aber den Beruf muss man wirklich leben, und das war bei mir nicht der Fall. Für die Räder hingegen gilt das schon, ich habe mich in meiner Freizeit fast ausschließlich mit Fahrrädern beschäftigt und mache es nun eben auch beruflich.

Stichwort “Pimp my Bike”: Welche Umbauten wünschen deine Kunden?

Das ist ganz unterschiedlich. Viele kommen ohne Erwartung ins Geschäft und sagen beispielsweise, dass sie mit ihrem neuen Fahrrad nicht zurechtkommen. Die bekommen dann häufig Kreuzschmerzen oder können auf dem Sattel nicht ordentlich sitzen. Ein großer Bereich meiner Arbeit ist also weniger das „Customizing“ sondern mehr das „Bikefitting“. Dabei wird das Fahrrad mit möglichst wenig Aufwand so angepasst, dass der Kunde dann auch beschwerdefrei fahren kann.

Beim „Customizing“ werden optische Aufwertungen vorgenommen oder bessere Teile am Fahrrad installiert. Es ist eher für Menschen, die mehrere Räder daheim haben und das Fahrradfahren eher als Lifestyle sehen.

Mit deinem “2nd Chance Bikes” sprichst du wohl eher eine Nische am Markt an. Wer ist der klassische Kunde eines 2nd Chance Bikes?

Zum Thema Nische: Ja. Die älteren Fahrräder sind für ein normales Radgeschäft nicht sehr interessant, da die Reparaturen sehr aufwendig ist. Die alten Teile sind schwer zu bekommen, wenn man sie nicht zuvor schon auf die Seite legt. Es gibt aber auch Räder, die nicht mehr zu retten sind, da schraube ich dann einfach nur mehr einige Teile herunter und lege sie auf die Seite. So zu reparieren ist aber natürlich sehr aufwendig, schon in den 60er- und 70er-Jahren hat es so viele Teile gegeben, die man gar nicht alle zur Seite legen kann. Wie mit den Autos eigentlich auch.

Der klassische Kunde ist wohl männlich und zwischen 25 und 40 Jahren alt. Wobei, ganz so extrem ist es nicht, Männer und Frauen halten sich in etwa die Waage. Gerade die Frauen sind eher auf Customizing aus, was ich mir eigentlich gar nicht so gedacht habe. Die Burschen suchen meistens nur nach schnellen “Radln”.

Wieso spezialisierst du dich gerade auf Räder, die vor dem Jahr 2000 produziert wurden?

Das habe ich damals so festgelegt, da um die Jahre 1999/2000 aufwendigere Räder produziert wurden. Zu dieser Zeit kamen gerade bei den Mountainbikes die Scheibenbremsen so richtig auf, dazu Federgabeln und Öldruckbremsen. Von dem wollte ich etwas wegkommen, denn das machen ohnehin alle anderen. Und das ist eben extrem aufwendig, alleine schon was das Werkzeug angeht. Denn hier hat jeder Hersteller sein eigenes. Also hier wollte ich mich etwas abgrenzen, und die älteren Räder haben mich ohnehin immer etwas mehr fasziniert. Deswegen war es für mich naheliegend, in diese Richtung zu gehen.

radl2 Mit Hingabe restaurierte Schmuckstücke findet man bei „2nd Chance Bikes“. /SALZBURG24/Naderer ©

Du bist schon öfters als “Radretter” bezeichnet worden. Gibt es Räder, die man gar nicht retten kann?

Ja, die gibt es schon. Das kann sich so äußern, dass wirklich wichtige Komponenten, wie etwa der Rahmen, kaputt sind. In so einem Fall müsste man schweißen, das mache ich nicht. Und natürlich – das betrifft hauptsächlich die neueren Räder – gibt es welche, die von der Qualität her so schlecht sind, dass die nach zwei Jahren einfach fertiggefahren sind.

Bei älteren Rädern ist das hingegen eher nicht der Fall. Ein Waffenrad oder ähnliches ist nahezu unverwüstlich.

Hast du einen Tipp, wie man sich noch am ehesten vor einem Fahrraddiebstahl schützen kann?

Am besten darauf sitzen bleiben (lacht). Man muss halt einfach schauen, dass das Fahrrad tatsächlich angekettet ist. Nach Möglichkeit mit einem ordentlichen Ketten- oder Bügelschloss und dann möglichst viel zusammenhängen. Also das Schloss durch Hinterrad und Rahmen ziehen und an einem Laternenmast oder Fahrradständer festmachen. Recht viel mehr kann man da aber oftmals nicht tun, leider.

“Do it yourself” am Fahrrad: Was kann man ohne Hintergrundwissen selbst reparieren und was nicht?

Wenn jemand technisch geschickt ist und sich dafür interessiert, kann er ein klassisches Radservice auch selbst machen. Dazu gibt es jede Menge YouTube-Anleitungen, das ist eigentlich keine große Hexerei. Was man auf jeden Fall können sollte, ist einen Platten flicken. Das sollte zum Standard-Rüstzeug gehören. Ketten aufziehen oder Bremskabel austauschen ist nicht schwerer, aber mehr eine Spielerei, das kann man schon jemand anders überlassen.

Was ist beim Überwintern eines Fahrrades zu beachten?

Wenn das eigene Fahrrad nur im Keller steht, empfiehlt es sich, die Reifen ordentlich aufzupumpen. Bloß nicht mit wenig Luftdruck im Keller abstellen, im Winter ändert sich mit der geringeren Temperatur auch der Luftdruck. Zudem sollten alle beweglichen Teile geölt werden. Nach Möglichkeit kann man das Rad auch noch auf der Decke aufhängen, dann verhindert man, dass sich die Räder durch das Gewicht kaputtstehen. Das wiederum äußert sich durch Dellen am Mantel. Ansonsten einfach darauf schauen, dass der Luftdruck passt.

Wie ist deine Einschätzung zur Fahrrad-Verkehrssituation in Salzburg?

Ich muss sagen, dass fast jeder Hauptverkehrsweg ganz gut mit Radwegen ausgestattet ist, es aber oftmals an den Knotenpunkten scheitert. Es gibt gewisse Überschneidungen, wo die Vorrangsituation eine Katastrophe ist, wie etwa vor meinem Geschäft. Hier werden die Radfahrer gezwungen, die Straße zu queren, was sie oftmals zu früh machen und dann mitunter im Gegenverkehrsbereich fahren. Unübersichtlich ist für Radfahrer auch immer die Situation an Kreisverkehren.

Es gibt also durchaus noch einiges an Verbesserungspotential und Ausbaumöglichkeiten.

Was bringt die Zukunft für dich und dein Geschäft?

Im Moment bin ich eigentlich ganz zufrieden, wie es läuft. Es wird aber bestimmt in näherer Zukunft Veränderungen geben. Der Sektor E-Bike interessiert mich auch immer mehr, das wäre eine Möglichkeit, wie ich mein Geschäft etwas ausbauen könnte. Ich gehe derzeit allerdings davon aus, dass es hier noch einer Zusatzausbildung bedarf.

Dann wünschen wir alles Gute für die Zukunft und bedanken uns für das nette Interview.

Sehr gerne, vielen Dank!

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