Raumordnungsgesetz: Gegen fatales Spekulieren oder ohne Mittel gegen Zweitwohnsitze?

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Bauland darf künftig wohl nicht dauerhaft unverbaut bleiben (Themenbild).
Bauland darf künftig wohl nicht dauerhaft unverbaut bleiben (Themenbild). - © Bilderbox/Archiv
Das Raumordnungsgesetz ist am Mittwoch noch einmal Thema im Salzburger Landtag. Kritik wird vor allem an fehlender Handhabe gegen eine Zweitwohnsitzproblematik laut. Hier lest ihr, wie die Landesparteien dazu stehen.

Der Verfassungs- und Verwaltungsausschuss des Landes segnete das neue Raumordnungsgesetz vergangene Woche ab. Am Mittwoch ist es Thema der aktuellen Stunde im Landtag, schließlich soll über das Gesetz abgestimmt werden. Hier lest ihr, was die Regierungsparteien am Gesetzesentwurf toll finden und was die Opposition zu kritisieren hat.

ÖVP: „Geben Gemeinden Werkzeuge in die Hand“

“Mit dem neuen Raumordnungsgesetz ist ein weiteres zentrales Vorhaben aus dem Regierungsübereinkommen der Landesregierung erledigt”, so Landtagsabgeordneter Wolfgang Mayer (ÖVP). “Das neue Raumordnungsgesetz ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Bundeslandes. Es wird vereinfachte und damit schnelle Raumordnungsverfahren bringen, dringend benötigtes Bauland mobilisieren, die Ortskerne stärken, und wir geben den Gemeinden bessere und wirksamere Werkzeuge zur Bekämpfung von illegalen Zweitwohnsitzen in die Hand. Wir geben den Erben die Sicherheit, dass ihr Elternhaus unangetastet bleibt. Die Ziele und Grundsätze der Raumordnung, die den Rahmen des raumordnungsrechtlichen Handelns vorgeben, zeigen klar und deutlich, in welche Richtung die ÖVP mit der Novelle gehen will: Schaffung von Arbeitsplätzen, Ausbau des Wirtschaftsstandorts sowie leistbare Wohn- und Grundpreise für alle Salzburgerinnen und Salzburger. Mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes mit 1. Jänner 2018 wird ein neues Kapitel in der Raumordnungspolitik des Landes Salzburgs aufgeschlagen.”

SPÖ: Schwaches, aufgeweichtes und verwässertes Ergebnis

“Angesichts einer mehr als dreijährigen Vorbereitungs- und Verhandlungsphase, in die sowohl die ÖVP als auch die Grünen mit hohen Erwartungen gestartet sind, ist das Ergebnis insgesamt ein schwaches, aufgeweichtes und verwässertes, das kaum Veränderung und beim Angebot von günstigen Wohnraum sogar Nachteile bringen wird”, betonte der Landtagsabgeordnete Roland Meisl (SPÖ). “Auch die weiter fortgesetzte Blockadepolitik beim sinnvollen Umbau von Lagerflächen in Verkaufsflächen im Europark ist unklug. Die Befristung von Widmungen auf Bauland auf zehn plus fünf Jahre und die Infrastrukturabgabe stellen eine positive Entwicklung dar.”

Scheinast: „Spekulieren mit Baugrund ist fatal“

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sei für immer mehr Salzburgerinnen und Salzburger das Wohnen zum Luxusgut geworden, betonte der Grüne Landtagsabgeordnete Josef Scheinast. Schuld daran seien unter anderem die hohen Grundstückspreise: Denn Salzburg verfüge zwar über 900 Hektar gewidmetes Bauland und könnte damit theoretisch den Wohnbedarf von 160.000 Menschen decken, doch nur ein sehr geringer Teil dieses Baulandes werde auch bebaut. “Es kann nicht sein, dass enorme Flächen für spätere Generationen aufgehoben und wie Sparbücher gehortet werden. Und es ist fatal, dass Spekulieren mit Baugrund für Investoren lukrativer ist, als tatsächlich Wohnraum für die Salzburger Bevölkerung zu schaffen.” Das neue Raumordnungsgesetz wolle dieser Preistreiberei einen Riegel vorschieben. Im Gesetz sei vorgesehen, dass neue Baulandwidmungen nur noch befristet auf einen Zeitraum von zehn Jahren gewidmet werden. “Wird das Grundstück in dieser Zeit nicht bebaut, wird es automatisch wieder in Grünland rückgewidmet. Damit läutet das neue Salzburger Raumordnungsgesetz das Ende der Spekulation mit Grund und Boden ein und sagt zugleich dem weiteren Zubetonieren der Landschaft den Kampf an.” Aus Sicht der Grünen werde mit dem neuen Raumordnungsgesetz “ein historischer Meilenstein für die zukünftige Entwicklung Salzburgs gelegt”.

FPS: Nichts gegen illegale Zweitwohnsitze unternommen

“Es ist unbegreiflich, warum sich die Landesregierung derartig dagegen wehrt, etwas gegen die illegalen Zweitwohnsitze in den Appartementhäusern zu unternehmen”, so FPS-Obmann Karl Schnell. “Sie zerstören nicht nur den Tourismus und somit viele Klein- und Mittelbetriebe, diese Bauten lassen die Wohnungspreise so stark in die Höhe schnellen, dass Einheimische kaum mehr die Möglichkeit haben, auf dem Immobilienmarkt mithalten zu können. Die Handschrift der Grünen in diesem Gesetz fehlt. Man will Ortskerne stärken, Betriebe unterstützen und die Natur schützen. Durch das neue Raumordnungsgesetz allerdings werden weder die Ortskerne gestärkt, noch Betriebe unterstützt.“

Naderer: „Verwässertes Raumordnungs-Notprogramm“

Helmut Naderer, Klubobmann des Team Stronach, betonte: “Vier Jahre mussten verstreichen, bis endlich die im Jahre 2013 von der Regierung versprochene Raumordnungsnovelle auf den Tisch gelegt wurde – Zeit genug also, um wirklich den Raum in Salzburg neu zu ordnen. Leider konnten die Regierungsparteien nur ein verwässertes Raumordnungs-Notprogramm vorlegen. Es gibt damit weiterhin keine wirkliche Handhabe gegen die Zweitwohnsitzproblematik, eine in alle Richtungen auslegbare Eigenbedarfsdefinierung für Grundstücke, und beim Rückwidmungspassus wird es zu extremen Härtefällen kommen. Und auch die Bankfinanzierung wird dadurch wackelig, fehlt es doch an der Sicherheit der Hypothek-Eintragung als Bauland. Alles in allem wird die Raumordnungssituation durch das neue Raumordnungsgesetz nur minimalst verbessert. Im Gegenzug ist aber ein weiteres Ansteigen der Wohnungsmieten und -preise die logische Folge der gesetzlichen Einschränkungen. Trotz einiger Verbesserungen bleibt auch das neue Raumordnungsgesetz für die Vollziehung in den Gemeinden ein Bürokratiemonster, das viel Steuergeld verschlingt.”

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