Red Bull Salzburg und die Fans – eine ungleiche Symbiose mit ungewisser Zukunft

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Red Bull Salzburg hat mit dem Zuschauerschwund eine Herkules-Aufgabe zu lösen.
Red Bull Salzburg hat mit dem Zuschauerschwund eine Herkules-Aufgabe zu lösen. - © GEPA/Red Bull
Red Bull Salzburg hat in den letzten Jahren immer wieder mit einem Einbruch der Zuschauerzahlen zu kämpfen. Ein Annäherungsversuch, um dieses Dilemma in den Griff zu bekommen.




Fast jährlich hat Salzburg seit der Übernahme von Red Bull mit einem Zuschauerschwund zu kämpfen. Im Vergleich zum Vorjahr sind heuer 23 Prozent weniger Fans ins Stadion gekommen. Seit Beginn der Red-Bull-Ära kommen im Schnitt 10.000 Zuschauer weniger ins Stadion. Ein richtiges Erfolgsrezept, um dieses Problem in den Griff zu bekommen, gibt es wohl nicht. Die Führungsetage von Salzburg versuchte in den vergangenen Jahren mit verschiedensten Mitteln wie Fan-Stammtischen den “Turnaround” in dieser Causa zu schaffen – bislang jedoch vergeblich. Beim Viertelfinale der Youth League gegen Atletico Madrid (5.380) fanden sich mehr Zuseher als beim letzten Heimspiel der Profis gegen Mattersburg (5.034) ein. Das kam nicht nur wegen der Brisanz der Partie nicht überraschend. Sondern auch weil, dass Dauerkarten-Besitzer, Jugendliche bis 18 Jahre, ihre Begleiter und Menschen mit Behinderung in der Youth League freien Eintritt hatten – der Rest zahlte zehn Euro.

Red Bull Salzburg: 6.474 Zuschauer im Durchschnitt

In Österreich haben nahezu alle Vereine – mit Ausnahme von Rapid, Sturm Graz und mit Abstrichen Austria Wien – mit gespenstischen Rängen zu kämpfen. Der Ursprung für dieses Dilemma muss nicht unbedingt an der geleisteten Arbeit der Vereine selbst liegen, sondern kann auch vielfältigere Gründe haben: Zum einen ist es heutzutage als Fussballfan einfach, sich von den besten Ligen der Welt im heimischen Wohnzimmer verwöhnen zu lassen. Zum anderen könnte der “Jugendwahn” dem Niveau der letzten Jahre Schaden hinzugefügt haben. Das Image der österreichischen Bundesliga hat in jüngster Vergangenheit einen Qualitätseinbruch aufgrund mangelnder Attraktivität der “kleinen Klubs” wie Grödig oder Mattersburg hinnehmen müssen. Ein weiterer Grund auf einen Stadionbesuch zu verzichten, könnte auch die mangelnder Infrastruktur der Stadien lauten – das kann im Fall von Salzburg wohl kaum als Prämisse genannt werden. Eher werden Spielerabgänge wie jener von Mané, Kampl oder Soriano und die Meisterstern-Debatte als Argumente dafür genützt.

Salzburg braucht neue Identifikationsfiguren

Nach dem Abgang von Jonatan Soriano hat Salzburg ihr Gesicht und ihre Galionsfigur auf und neben dem Platz verloren. Mit Soriano verließ wohl der beste und außergewöhnlichste Spieler der jüngeren Vergangenheit Österreichs die Mozartstadt. Der Ex-Kapitän respektierte stets Mitspieler, Gegner und Fans, galt als Gentleman. Vorerst gilt es für die Bullen neue Leitfiguren zu formen und nach außen zu repräsentieren. Für die Fans wird sich ihr neues Aushängeschild wohl fast von selbst herauskristallisieren. Ganz gleich ob Eigengewächse wie Laimer, Schlager oder vielleicht externe “Stars”, Neuverpflichtungen oder Routiniers wie Neo-Kapitän Walke in diese Rolle schlüpfen. Richtige Transfer-Kracher werden für Salzburg-Fans zukünftig wohl Mangelware bleiben. “Wir wollen 70 bis 80 Prozent der Transfers künftig aus der eigenen Akademie bewerkstelligen. Externe Stars in den Übergangsperioden entsprechen nicht unserer Vereinsphilosophie”, erläuterte Sportdirektor Christoph Freund. Salzburgs Anhänger werden statt Stars künftig die regionalen und heimischen Akademie-Talenten bestaunen.

Langfristige Bindung als Chance

In künftigen Auftritten auf dem Platz, bei Interviews, Fan-Stammtischen oder FIFA-Turnieren hat quasi jeder Spieler die Möglichkeit in das Herz der Anhänger zu gelangen. Der amtierende österreichische Meister muss Wert darauf legen, den Fans langfristig Chancen zu bieten, um sich mit den Spielern und dem Verein zu identifizieren. Sollte die Vereinsführung die Philosophie des “Ausbildungvereins” weiterhin so radikal fortsetzen und zum Beispiel Laimer, Schlager und Co. in zwei Jahren ziehen lassen, wird es mit einem Zuwachs auf den Rängen weiterhin schwierig – die Symbiose würde fortgesetzt werden.

Volks­nä­he als Hauptsäule

Die Doppelführung Freund und Geschäftsführer Commercial Stephan Reiter lässt nichts unversucht, um die Fans ins Stadion zu locken. „Es geht darum, neue Impulse zu setzen, wieder interessant zu werden. Wir haben ein begeisterungsfähiges Publikum und das wollen wir mitnehmen. Das ist eine Kernaufgabe und wir sind auch dabei, das Leitbild des Vereins zu überarbeiten. Wir wollen wieder greifbar werden und dabei auch neue Wege gehen,” sagte Reiter.

Zuschauerschwund als Königsaufgabe

Das Stadion wieder voller zu bekommen ist neben den sportlichen Herausforderungen sicher die Königsaufgabe auf der Agenda von Reiter und Freund: “Das ist eine riesige Herausforderung, die wir sehr ernst nehmen und wir wollen diese Lücke schließen.” Konkrete Pläne gibt es noch keine, aber auf der Agenda ist dies sicher der herausfordernste Punkt, den es abzuarbeiten gilt. Eine erfolgreiche Teilnahme an der Champions League könnte dabei natürlich auch von Vorteil sein.

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