Red Hot Chili Peppers rotierten in Wien

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An den Peppers können sich viele Vorbild nehmen
An den Peppers können sich viele Vorbild nehmen - © APA (Pfarrhofer)
Als Institution hat man es nicht leicht, gilt es doch, viele verschiedene Erwartungen zu bedienen: Keine Hits auslassen, motiviert durch die Gegend springen, die Qualität ins Heute retten. Bei den Red Hot Chili Peppers gelingt dieser Spagat auch nach 30 Jahren im Geschäft ziemlich gut. Wobei die US-Funkrock-Band am Montag in der Wiener Stadthalle gar mit einigen Überraschungen dienen konnte.

Viel war nicht nötig, um die knapp 15.000 Fans fürs Erste zufriedenzustellen: Als die drei Instrumentalisten Chad Smith (Schlagzeug), Josh Klinghoffer (Gitarre) und Flea (Bass) kurz nach 21 Uhr die Bühne betraten und ihren markanten Sound in die Halle hämmerten, stellte sich das erste Mal Glückseligkeit ein. Ein kurzer Jam, mutigerweise ziemlich ruhig und atmosphärisch anhebend, markierte den Auftakt, der in ein mitreißendes “Around The World” mündete. Knackig in der Ausführung, druckvoll im Ton und ohne weitere Umschweife wurden hier die Peppers-Markenzeichen etabliert.

Dazu gehört natürlich auch Anthony Kiedis: Der Sänger gefällt sich mit Mitte 50 offenbar immer noch dann am besten, wenn er wie von der Tarantel gestochen über die Bühne pflügt. In bunten Leggins mit kurzen Hosen darüber sowie mit seinem seit einiger Zeit zur Schau gestellten Schnauzer ausgestattet, war er aber weniger der im Zentrum stehende Frontmann als Teil einer bestens geölten Maschine. Denn die Chili Peppers leben auch im Jahr 2016 maßgeblich von ihrem Funk: Fleas knochentrockenes Spiel wurde hier von Klinghoffers ausschweifender Melodieführung konterkariert, während Smith wie ein Fels in der Brandung den Beat vorgab.

Aber da fehlt natürlich noch etwas: Zwischen all den kurzen Jams und ausschweifenden, instrumentalen Verlängerungen waren es natürlich die Songs, auf die alle gewartet haben. Und genau hier ging die Gruppe nicht auf Nummer sicher, sondern tanzte unter der aufwendigen Lichtshow, die mittels Hunderter, sich auf und ab bewegender Leuchtstäbe kunterbunte Bilder hervorrief, quer durch mehr als zwei Jahrzehnte Bandgeschichte. Beim Schnellschuss “Right On Time” standen die Gegensätze im Vordergrund, das neue “Detroit” knüpfte an die Hochzeiten an und bei “Blood Sugar Sex Magik” vom gleichnamigen Erfolgsalbum wusste man plötzlich wieder, warum diese Band Anfang der 90er so relevant war.

In dieser Tonart ging es mehr als eineinhalb Stunden dahin, wurde das Gestern mit dem Heute verknüpft und konnten auch einige schiefe Töne von Kiedis (der Anfang von “By The Way” ging etwa ordentlich in die Hose) das Gesamterlebnis nicht trüben. Wer sich angesichts des heuer veröffentlichten Albums “The Getaway”, das die Gruppe bereits am Nova Rock vorgestellt hat, auf (zu viel) neues Material eingestellt hat, wurde eines Besseren belehrt. Wie schon auf der ganzen bisherigen Tour schrieben die Chili Peppers Rotation groß – im Sinne der Setlist wie auch die Bewegungsradien der Protagonisten betreffend.

Dass viele dennoch wegen der (letztlich eher spärlich gesäten) Hits gekommen waren, wurde aber ebenfalls deutlich. Eine mitreißende Show, die nicht mitreißt? Für einige dürfte das wohl der Fall gewesen sein, denn abgesehen von etablierten Klassikern wie “Californication” oder dem zündenden Abschluss “Give It Away” war die Stimmung in der Halle eher verhalten. Da schien Fleas Lauf auf den Händen, als er zur Zugabe vom Bühnenrand zu seinem Arbeitsplatz “ging”, für mehr Gejohle zu sorgen. Sei es wie es sei: In dieser Form, in dieser Konstellation und mit dieser Spielfreude ausgestattet sollte man die Red Hot Chili Peppers keinesfalls als Nostalgie-Act abschreiben. Ein solider Auftritt mit reichlich Würze, der Lust auf mehr machte.

(APA)

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