Regeln: Das müsst ihr beim Sammeln von Eierschwammerl, Steinpilzen und Co wissen

Zu viel Sammeln ist nicht erlaubt. (Themenbild)
Zu viel Sammeln ist nicht erlaubt. (Themenbild) - © APA/Kreiner/Archiv
Pilzsammler kommen durch das pilzfreundliche Wetter derzeit voll auf ihre Kosten. Aber welche Schwammerl sollte man besser im Wald stehen lassen und wie viel darf ich mit nach Hause nehmen? Damit beim Sammeln nichts schief geht und keine Strafen drohen, haben wir hier ein paar Infos für euch.

Feuchtwarme Witterung lässt alljährlich im Sommer die Pilze sprießen. Für alle Pilzinteressierten hat der Pilzspezialist Thomas Rücker vom Haus der Natur gemeinsam mit der Naturschutzabteilung des Landes die Broschüre “Pilzschutz in Salzburg” erstellt. “Das Heft enthält Wissenswertes über Pilze und wie man sie schützen kann. Für Schwammerlsucher gibt es darin hilfreiche Tipps und die in Salzburg geltenden rechtlichen Bestimmungen zum Pilzesammeln”, so Naturschutzreferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler am Dienstag.

Bereits ein Viertel aller Pilzarten gefährdet

Pilze sind Lebewesen, die weder zu den Tieren noch zu den Pflanzen gehören – sie werden in ein eigenständiges “Reich” gestellt. Ihre Lebensformen reichen vom Einzeller wie der Backhefe bis zu vielzelligen Speisepilzen. Von den derzeit 7.491 in Österreich bekannten Großpilzen kommen 2.308 Arten in Salzburg vor, 826 davon sind in der Roten Liste der gefährdeten Arten enthalten. Nur etwa 100 Arten kommen für Speisezwecke in Betracht. Viele Pilzarten sind ungenießbar beziehungsweise haben keinen Speisewert und einige sind für den Menschen sogar tödlich.

Zu intensives Sammeln lässt Schwammerl verschwinden

Die Hauptursachen für den Rückgang der Pilze liegen in den Veränderungen von Ökosystemen. Durch Biotopveränderungen und -zerstörungen verschwinden viele Pilzarten, die eng an ihren Lebensraum gebunden sind. Aber auch mutwilliges Zerstören oder zu intensives Sammeln von Pilzen kann die Ausbreitung und Vermehrung von Pilzen behindern. “Pilze sind ein wesentlicher Teil der biologischen Vielfalt unseres Landes und für viele Ökosysteme wichtig. Daher sollte man beim Schwammerlsuchen nur die Pilze sammeln, die man wirklich kennt und die man auch tatsächlich verwenden will”, betonte Rössler.

Welche Rolle Pilze in der Natur spielen

Pilze übernehmen in unserem Ökosystem wichtige Aufgaben: Als Zersetzer von totem organischem Material recyceln sie beispielsweise Nährstoffe. In Form einer Lebensgemeinschaft sind Pilze lebensnotwendig für das Wachstum vieler mitteleuropäischer Baumarten: Sie helfen den Bäumen bei der Nährstoff- und Wasseraufnahme aus dem Boden und erhalten dafür von den Bäumen Nährstoffe, die sie selbst nicht produzieren können. Dieses Zusammenleben verbessert die Wachstumsvoraussetzungen für die Bäume entscheidend. Zahlreiche Pilze dienen auch als wichtige Nahrungsquelle für viele Tierarten.

Mehr als zwei Kilo Sammeln geht nicht

Um gefährdete Pilzarten zu schützen, gelten in Salzburg für das Sammeln von Pilzen klare Regeln: Privatpersonen dürfen pro Person und Tag nicht mehr als zwei Kilogramm sammeln. Das gewerbliche Pilzesammeln für den Verkauf muss von der Bezirksverwaltungsbehörde bewilligt sein und eine Zustimmung des Grundeigentümers ist erforderlich. Mit diesen Regeln soll das vollständige Abernten der Schwammerln vermieden werden. Gleichzeitig können Privatpersonen dem Schwammerlsuchen als Freizeitbeschäftigung auch weiterhin nachgehen. “Die Salzburger Regelung hat sich in den vergangenen Jahren bestens für alle – die Menschen, die Tiere und die Natur – bewährt”, sagte Rössler.

Das sind die erlaubten Schwammerlsammelzeiten

Um die Tiere im Wald nicht zu stören, die vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind, wurden Schwammerlsammelzeiten eingeführt. In den Sommermonaten ist das Sammeln von Pilzen zwischen 7.00 und 19.00 Uhr erlaubt. Ab 1. Oktober ist die Sammelzeit auf 7.00 bis 17.00 Uhr eingeschränkt. In einzelnen naturschutzrechtlich geschützten Gebieten, wie etwa Naturwaldreservaten oder Sonderschutzgebieten im Nationalpark Hohe Tauern, ist das Schwammerlsuchen überhaupt nicht gestattet.

Wer gegen die Regelungen verstößt, muss damit rechnen, dass die gesammelten Schwammerl beschlagnahmt werden. Das Naturschutzrecht sieht daneben Geldstrafen vor. Kontrolliert wird die Einhaltung der Vorschriften durch Organe der Salzburger Berg- und Naturwacht sowie von Jagd- und Forstschutzorganen.

Pilzberatung im Haus der Natur

Auch heuer gibt es wieder eine kostenlose Pilzberatung durch die Pilzspezialisten Thomas Rücker und Anton Schwaiger im Haus der Natur. Noch bis zum 23. Oktober 2017 kann man jeden Montag in der Zeit von 15.00 bis 17.00 Uhr mitgebrachte Frischpilze bestimmen beziehungsweise ihre Genusstauglichkeit überprüfen lassen. Bei der Beratung werden Tipps und Hinweise zum richtigen Sammeln und Bestimmen von Pilzen gegeben. Hinweis: Die Bestimmung kann nur in beschränktem Ausmaß erfolgen, ein “Ausklauben” von Sammelkörben ist nicht möglich und es wird keine Haftung übernommen. Die kostenlose Beratung findet im Seminarraum des Hauses der Natur statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Broschüre “Pilzschutz in Salzburg” kann über den Webshop des Landes heruntergeladen oder gratis bestellt werden. Der Folder ist auch direkt in der Abteilung Natur- und Umweltschutz, Gewerbe unter der Telefonnummer +43 662 8042-5532 oder per E-Mail an natur-umwelt-gewerbe@salzburg.gv.at erhältlich. Auch im Haus der Natur liegt die Broschüre auf.

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