Regierungstruppen drängen Rebellen in Aleppo zurück

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Die Stadt ist hart umkämpft
Die Stadt ist hart umkämpft - © APA (AFP)
Zwei Wochen nach dem Beginn einer Rebellen-Offensive in der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo haben die Regierungstruppen nach Angaben von Aktivisten sämtliche Gebiete zurückerobert. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, eroberten die Regierungstruppen unter anderem den Stadtteil Dahijet al-Assad im Westteil der Stadt und das Dorf Minjan außerhalb von Aleppo zurück.

Damit seien die Rebellen wieder vollständig zurückgedrängt worden. Die einstige Wirtschaftsmetropole Aleppo ist seit dem Sommer 2012 zwischen Rebellen und Regierungstruppen geteilt und schwer umkämpft. Seit Mitte Juli sind die Rebellen im Ostteil der Stadt eingekesselt. Dort leben schätzungsweise 250.000 Menschen, die seitdem von jeder Versorgung abgeschnitten sind.

Im September hatten die Regierungstruppen eine Offensive gestartet, um Aleppo wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei werden sie von russischen Luftangriffen unterstützt. Die Rebellen, darunter auch die Jihadisten der Fateh-al-Sham-Front, hatten Ende Oktober ihrerseits eine Offensive gestartet, um den Belagerungsring der Regierungstruppen zu durchbrechen.

Seitdem wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mehr als 450 Menschen getötet, darunter 215 Rebellenkämpfer, 143 Regierungssoldaten und fast hundert Zivilisten. Die meisten Zivilisten, darunter auch 29 Kinder, starben demnach durch Rebellenbeschuss auf den Westteil der Stadt. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Russland stellte unterdessen Bedingungen für eine weitere humanitäre Feuerpause im Osten Aleppos: Zuvor müssten die Vereinten Nationen offiziell erklären, dass sie bereit und vor allem fähig seien, Hilfsgüter nach Ost-Aleppo zu bringen sowie verletzte und kranke Menschen herauszuholen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Samstag mit.

Nach russischer Darstellung scheiterten frühere Versuche, Hilfsgüter nach Ost-Aleppo zu bringen und Menschen herauszulassen, daran, dass die Rebellen auf jeden geschossen hätten, der hinein oder hinaus wollte. Die Rebellen erklärten ihrerseits, die syrische Armee und deren Verbündete hätten die humanitären Feuerpausen sabotiert.

Die bisherigen Feuerpausen galten jeweils für eine kurze Zeit. Eine von Russland verkündete Einstellung der Luftangriffe auf Ost-Aleppo gilt nach wie vor. Die Kämpfe am Boden halten aber unvermindert an. Am Samstag bestätigten Rebellen und die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, dass die Armee den Bezirk Dahijet al-Assad im Westen Aleppos zurückerobert hat. Damit wurden die Rebellen aus allen Gebieten vertrieben, die sie mit ihrer Offensive vor zwei Wochen eingenommen hatten.

Das US-Finanzministerium verhängte währenddessen Sanktionen gegen vier Anführer der in Ost-Aleppo aktiven Nusra-Front. Zuvor hatte das US-Außenministerium offiziell erklärt, die Jabhat Fatah al-Sham sei mit der Nusra-Front identisch, die als Ableger der Terrororganisation Al-Kaida betrachtet werde. Die Nusra-Front hatte sich umbenannt, offenbar um ihre Verbindungen zur Al-Kaida zu verschleiern. Russland hatte immer wieder gefordert, der Westen solle auf Distanz zu terroristischen Gruppen in Aleppo gehen.

(APA/ag.)

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