Reit-Betrug: Fiktiver Verein für Behinderte

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Der Mann setzte einige Hebel in Bewegung, um die Leute zu täuschen.
Der Mann setzte einige Hebel in Bewegung, um die Leute zu täuschen. - © Neumayr
Ein 33-jähriger Österreicher gründete einen fiktiven Verein für Reit-Therapie für Menschen mit Behinderung und kassierte von Spendern und Gläubigern eine Million Euro, um damit seine Schulden zu zahlen. Grund für die Abzocke: Sein Minderwertigkeitskomplex. Der amtsbekannte Mann wandert fünfeinhalb Jahre hinter Gitter.

Mit einem fiktivem Reitverein und Therapiereiten für behinderte Kinder hat ein 33-jähriger Österreicher sozial engagierten Spendern und auch zahlreichen Gläubigern rund eine Million Euro herausgelockt. Opfer des Betruges waren auch prominente Angehörige einer Autodynastie und eines Waffenfabrikanten. Der geständige Angeklagte wurde am Mittwoch in Salzburg zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Elf Mal vor Gericht

Staatsanwältin Sabine Krünes warf dem gebürtigen Vorarlberger bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg schweren gewerbsmäßigen Betrug vor und listete 24 Fakten auf. Der gelernte Gärtner ist bereits elfmal wegen einschlägiger Delikte in Deutschland und Österreich vor Gericht gestanden. Laut Krünes hatte der Angeklagte (Verfahrenshelfer: Rechtsanwalt Hans-Peter Fischer) viele Lügengeschichten aufgetischt, um seine Schulden begleichen zu können. Vor rund zehn Jahren habe er sein Reitsportgeschäft in Vorarlberg schließen müssen, “es entstanden Schulden von 160.000 Euro”. Mit der Rückzahlung klappte es nicht.

Reit-Betrug: Geld zur Schuldenbegleichung

Der Beschuldigte gaukelte vor, den Verein “Das Rosswerk” zu führen, “aber der existierte nicht”, schilderte Krünes. Er gab vor, Reisen für behinderte Kinder und deren Eltern nach Wien zu organisieren, das dafür lukrierte Geld habe er für die Begleichung von Schulden verbraucht, erläuterte die Staatsanwältin. Gegenüber seinen Opfern argumentierte er, der Sponsor sei plötzlich abgesprungen. Die Palette der Vorwürfe ist noch nicht zu Ende: Für den Reitverein, ein Therapiepferd samt Reitlehrerin, für elf Therapiesättel, bestickte Kinder-T-Shirts, Lederwaren, seinen Geländewagen und Pferdeanhänger soll der Vorarlberger Spenden herausgelockt oder sich Geld ausgeborgt haben.

Prominente spenden

Zur Überbrückung seiner Schulden und unter dem Vorwand, er erwarte bald eine Erbschaft, lieh sich der 33-Jährige von einem für seine Sozialprojekte bekannten Salzburger 200.000 Euro aus. Ein ebenfalls prominenter Verwandter des Geldgebers spendete dem Beschuldigten 12.000 Euro für den Reitverein.

Aufträge vorgetäuscht

Anderen Geschädigten soll der Angeklagte vorgetäuscht haben, er sei wohlhabend, habe hohe Summen in Stiftungen geparkt und benötige ein Darlehen, bis das Geld nach der Stiftungs-Auflösung flüssig sei. Der Beschuldigte war auch als Anzeigenverkäufer tätig. Er schaltete der Staatsanwältin zufolge bei einem Verlag für den fiktiven Reitverein Anzeigen, blieb den Betrag von 22.000 Euro aber schuldig. Auch einer österreichischen Tageszeitung zahlte er die Inserat-Kosten nicht. Der Vorarlberger arbeitete auch selbst als Anzeigenverkäufer. “Er täuschte Aufträge von Kunden vor, was aber nicht der Wahrheit entsprochen hat”, sagte Krünes. Ein Autopfandhaus, bei dem der Mann seinen SUV und einen Pferdetransporter belehnte, blieb ebenfalls auf Kosten sitzen. Einem Autoverkaufshaus legte er für einen Neuwagen eine falsche Überweisungsbestätigung vor, der Schaden belief sich auf 34.250 Euro.

Motiv: Minderwertigkeitskomplex

Im Mai 2013 schöpften die zwei prominenten Salzburger Verdacht und erstatteten Anzeige. Die Staatsanwaltschaft ließ mehrere Hausdurchsuchungen durchführen. Der Verdächtige wurde festgenommen und in U-Haft genommen. “Der Mann zeigte sich sehr kooperativ”, lobte die Staatsanwältin.

Auf die Frage der Vorsitzenden des Schöffensenates, Richterin Daniela Meniuk-Prossinger, “warum macht man so etwas?”, antwortete er: “Es ist ein großer Minderwertigkeitskomplex, der aus der Kindheit kommt: Ich möchte etwas schaffen und nicht in der Versenkung verschwinden.” Es sei ihm auch viel am Therapiereiten für Kinder gelegen – er absolvierte tatsächlich eine Ausbildung zum Lehrwart für Behindertenreiten. “Ich wollte einen Verein gründen, es hat aber nicht funktioniert. Die Statuten des sogenannten Vereins sind gut, die Ansätze waren gut, der finanzielle Background war aber nicht da.” Er habe auch viele unterstützt und es sei auch therapeutischer Unterricht gegeben worden. “Das Tragische war, dass der Schaden im Hintergrund steht”, sagte der Angeklagte reuevoll. Sein Schuldenstand beläuft sich derzeit auf 860.000 Euro. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Der Vorarlberger hat sämtliche Privatbeteiligten-Ansprüche anerkannt.

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