“Perfekt angezogen sein beginnt bei der Unterwäsche.” Wie wichtig dieses Credo nicht nur heute, sondern auch schon in vergangenen Jahrhunderten für Frauen war, bekamen interessierte Damen am Donnerstagabend im Salzburger Heimatwerk zu hören. Die große Medienpräsenz rechtfertigte Miss Salzburg 2009, Susanne Lackner, mit ihrer Präsentation erlesener Dessous von Hanro und La Perla.
“Um den Gebrauch von Unterwäsche zu rechtfertigen, berief man sich stets heuchlerisch auf ihre angebliche Schutz- und Hygienefunktion”, begründete Augustin Kloiber am Donnerstag beim intimen Frauenabend im Salzburger Heimatwerk das Auftauchen eines “Darunters” im 19. Jahrhundert. Tatsächlich gab das Thema Unterwäsche, ganz gleich zu welcher Zeit des menschlichen Daseins, immer wieder auch Anlass für Spekulationen über das Liebesleben der Frau.
Bis zum 19. Jahrhundert hielt sich die Frau von Welt blank unter ihrem Rock, da das Tragen von Hosen – ganz gleich ob drüber oder drunter – ureigenste Männersache war. So ist die Geschichte der Damenunterwäsche seit jeher eine Erzählung der Zurschaustellung der weiblichen Reize: vom Strumpfband der Römerinnen, die selbiges lasziv trugen, obwohl der Strumpf zu dieser Zeit noch gar nicht erfunden worden war, über die von Maria von Medici salonfähig gemachten knielangen Unterhosen, die jedoch unten offen waren, um sich Liebhabern jederzeit hingeben zu können.
“So, wie ein fetter Papst auf einen mageren folgt, wechselt sich die freizügige Mode mit der zugeknöpften ab,” veranschaulichte Kloiber den Wandel der Damenunterwäsche bis ins 20. Jahrhundert hinein. Mit jedem Kanonenschlag wurde damals ein Stückchen mehr Stoff fallen gelassen und im Zweiten Weltkrieg fertigte man aus den Stoffbahnen lieber Fallschirme als Strumpfhalter und Höschen. Die Gesichter der lauschenden Damenrunde verrieten auch bei dieser Pointe den allgemeinen Tenor: “Wurde damals wirklich die richtige Priorität gesetzt?”
Nach der geschichtlichen Wanderung durch das lasterhafte Leben der weiblichen Unterwelt, wurde plastisch veranschaulicht, was die Dame von heute “darunter” tragen sollte, um auch mit dem “Darüber” noch brillieren zu können. Susanne Lackner, Miss Salzburg 2009, präsentierte zwischen den trachtigen Stoffbahnen des Heimatwerks die aktuellsten “Sündenhöschen”, wobei sich der Trend, nach Jahren hervorblitzender String-Tangas heute wieder auf züchtigem Territorium zu bewegen scheint, bestätigte auch Elisabeth Riedherr von der Corseterie in Salzburg: “Der Trend geht wieder in Richtung Slips bis in die Taille, auch der Body ist wieder sehr aktuell. Der String-Tanga hingegen ist ein rückläufiges Modell.” Schöne Unterwäsche sei allerdings keine Preisfrage, sondern ein Lebensmotto, denn “perfekt angezogen sein, beginnt bei der Unterwäsche”, so Riedherr.
80 Prozent der verkauften Unterwäsche sind weiß, champagnerfarben oder schwarz. Nur zu Silvester boomen die roten Modelle. Warum, wusste Farb- und Stilberaterin Sabine Staudinger: “Rote Unterwäsche beflügelt und zieht bewiesenermaßen die Männer an.” Ihr Tipp für Damen, die ihren Partner nach einem Streit besänftigen wollen: rosa Dessous. “Das wirkt konflikthemmend”, weiß die Expertin.
Dass es auch funktionelle Trachtenunterwäsche gibt, bewiesen Heimatwerk-Leiter Hans Köhl und Augustin Kloiber zu Ende des Abends. Wie oft das aus Rehleder gerfertigte Modell für Jägerinnen gewaschen werden muss, ließen die beiden freilich dahingestellt. Dem großen Interesse über Dessous wollen Köhl und Kloiber am 18. September einen Männerabend folgen lassen, “sofern es bis dahin überhaupt Interessenten gibt”.