Rekordjahr: Bergrettung bringt 8.000 Menschen in Sicherheit

Akt.:
1Kommentar
Trotz immer höherer Anforderungen sind Bergretter (hier bei einer Übung) unermüdlich im Einsatz. (Themenbild)
Trotz immer höherer Anforderungen sind Bergretter (hier bei einer Übung) unermüdlich im Einsatz. (Themenbild) - © APA/Gindl/Archiv
So viele Menschen wie noch nie brachte die Bergrettung in diesem Jahr in Sicherheit – und rettete damit zahlreiche Leben. Die österreichweit 12.500 Freiwilligen leisten damit Unglaubliches. Dabei kämpfen die Retter selbst mit Problemen.

Der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) rechnet 2016 mit einem Rekordjahr. Es dürften bis Ende Dezember bei mehr als 7.700 Einsätzen 8.000 Menschen geborgen werden. Alleine in den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Einsätze um über 30 Prozent, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Bergretter sind allerdings selbst in Not, ihnen fehlt Geld für die Ausrüstung.

Bergretter geraten selbst in Not

Rund 12.500 Bergretter sind österreichweit in 291 Ortsstellen rund um die Uhr als Freiwillige tätig. Die finanzielle Situation des Bergrettungsdienst ist schwierig. “In keinem Bundesland sind die Bergretter in der Lage, ihre Mitglieder mit den roten Anoraks auszustatten. Diese müssen von den Bergrettern selbst finanziert werden”, sagte Lindenberg. “Es fehlt ein relativ hoher Betrag”, konstatierte der Präsident. “Das muss ein Warnsignal sein”, sagte Karl Stoss, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Lotterien. Die Bergretter sind auch auf Spenden angewiesen, 185.000 Euro Unterstützung gibt es etwa von den Österreichischen Lotterien.

Aufwendigere Ausbildung, höhere Kosten

Natürlich reagiere der Bergrettungsdienst auf den Boom des Freizeitsports im alpinen Gelände. Als Beispiel nannte Lindenberg den Semmering. “Der war früher ein reines Winterskigebiet, mittlerweile kann man das Ganze Jahr über Alpinsportarten betreiben. Die Bergrettung wurde so zu einem Ganzjahresbetrieb gezwungen”, berichtete der ÖBRD-Präsident. Nachwuchsprobleme haben die Bergretter keine. “Der Andrang ist groß”, betonte Lindenberg. Jedoch werde die Ausbildung der freiwilligen Bergretter anspruchsvoller und zeitaufwendiger. Auch die Ausrüstung muss an die verschiedenen Einsatzszenarien laufend angepasst werden. “Beides kostet immer mehr Geld” sagte Lindenberg.

Viele Rettungseinsätze im leichten Gelände

Der Trend entwickle sich weg von Rettung aus schwierigen Wänden und hochalpinem Gebiet hin zu Alpinunfällen bei Wanderungen in leichtem Gelände, berichtete Franz Lindenberg, Präsident des ÖBRD. So wurden im Vorjahr mehr als 45 Prozent der Bergungen auf gut markierten Wegen und Steigen durchgeführt, fast zwei Drittel der Todesopfer waren im leichten Gelände zu beklagen. “Es gibt einen deutlichen Boom, alle wollen das ganze Jahr in das Gebirge”, schilderte Extrembergsteiger Peter Habeler. “Vorbereitung und Disziplin werden oft vernachlässigt, sehr problematisch ist immer auch die falsche Selbsteinschätzung”, warnte der Experte. “Stand man früher mit ein paar Freunden am Gipfel, sind es heute 20, 30 andere Bergsteiger”, berichtete Lindenberg.

Alpinisten oft von Selbstüberschätzung getrieben

Immer mehr Einsätze verzeichnen die Bergretter auch auf Klettersteigen. “Ein Klettersteigset ist leicht zu kaufen, viele sind dann aber in der Wand überfordert”, berichtete Lindenberg. “Wir raten zu einer entsprechenden Ausbildung, richtiger Selbsteinschätzung und guter Tourenplanung.”

Hoch war 2015 auch der Anteil der Pistenunfälle. 46,5 Prozent der Einsätze erfolgten dort. Die Bergretter warnten vor unvorbereiteten Variantenfahren abseits gesicherter Pisten. “Lawinengerechtes Verhalten ist ein absolutes Muss”, sagte Lindenberg. Dazu gehört eben die richtige Ausrüstung, mit der Skifahrer auch umgehen müssen. “Die Pisten sind oft überfüllt, die Leute sind hungrig, wollen Skifahren”, konstatierte Extrembergsteiger Peter Habeler. “Die meisten Unfälle passieren am Nachmittag, wenn sie schon müde sind”, warnte der Experte. “Bewegung ist gut, aber es ufert teilweise ein bisschen aus”, sagte Habeler. Als Beispiel nannte er den Trend zum Skitourengehen. “Da sind dann oft zu viele Leute, das Gebirge packt das einfach nicht.”

(APA)

Leserreporter
Feedback


1Kommentar

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel