Rekrut erschossen: 22-jähriger Salzburger unter Mordverdacht

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Der Salzburger beteuerte in der mehrstündigen Einvernahme immer wieder, er könne sich die Schussabgabe nicht erklären.
Der Salzburger beteuerte in der mehrstündigen Einvernahme immer wieder, er könne sich die Schussabgabe nicht erklären. - © APA/Hans Punz
Der 22-jährige Soldat aus Salzburg, der Montagabend einen Rekruten (20) in einem Wiener Bundesheergebäude mit einem Schuss aus seiner Dienstwaffe getötet hat, kann sich nach eigenen Angaben an die Umstände des Vorfalls nicht erinnern. Er wurde in der Nacht auf Mittwoch nach Abschluss der polizeilichen Vernehmungen in die Justizanstalt eingeliefert, die Ermittlungen laufen wegen Verdachts des Mordes. Indes hat Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) eine weitere Kommission ins Leben gerufen.

Nach dem Tod eines Rekruten nach einem Hitzemarsch in Niederösterreich im Sommer hat Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) eine weitere Kommission ins Leben gerufen, wie aus einer parlamentarischen Beantwortung hervorging. Unter der Leitung des früheren Kommandanten des Streitkräfteführungskommandos, Generalleutnant Günter Höfler, soll diese sämtliche Ausbildungsvorschriften überprüfen.

Allfällige Defizite sollen von der Sonderkommission eruiert und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet werden, betonte Doskozil am Mittwoch. Ergebnisse gibt es noch nicht, da in dem Fall die Erhebungen und Untersuchungen des Verteidigungsministeriums und der Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen sind.

Doskozil hatte kurz nach dem Vorfall eine Untersuchungskommission unter Leitung von Hans Rathgeb, Milizoffizier und Präsident des Landesgerichtes Salzburg, mit der Aufklärung des Todes des jungen Mannes beauftragt. Laut einem ersten Zwischenbericht der Untersuchungskommission wurden die begleitenden Maßnahmen – wie Adjustierungserleichterungen, keinerlei Zeitlimit, Ausrichtung des Marschtempos nach dem Langsamsten, Marschpausen, ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit oder Abnahme der Ausrüstung – “ebenso umfassend, zeitgerecht und richtig angewendet” wie die Rettungskette und “alle getroffenen Maßnahmen der Sanitätsversorgung”.

Salzburger kann sich Schuss nicht erklären

Der Salzburger beteuerte in der mehrstündigen Einvernahme immer wieder, er könne sich die Schussabgabe nicht erklären. Das berichtete Polizeisprecher Patrick Maierhofer aus der Einvernahme des Beschuldigten. “Er betonte, dass er ein freundschaftliches Verhältnis zum Opfer gehabt hat. Zur Tat selbst befragt gab er an, er habe keine Erklärung, wie es zu dem Schuss kommen konnte. Er habe den Kameraden lediglich aufwecken wollen”, sagte der Sprecher der APA.

Keine konkreten Antworten

Die Ermittler haben den Soldaten mit einer Reihe konkreter Fragen konfrontiert, die Situation im Wachcontainer vor der Schussabgabe betreffend: Wie hat er die Waffe gehalten, wo hat der Lauf hingezeigt, ist ihm das Sturmgewehr zuvor wirklich hinuntergefallen? Antworten darauf hatte der 22-Jährige keine. “Er gab an, er könne sich nicht erinnern”, sagte Polizeisprecher Patrick Maierhofer.

Salzburger wollte Kamerad “nur aufwecken”

Der Soldat beteuerte, er wollte seinen Freund, der schlafend auf dem Bett im Ruheraum des Containers lag, “nur aufwecken”. Er wisse noch, dass er ihn wecken wollte, um dann mit ihm eine Zigarette zu rauchen. Dann setze die Erinnerung aus. Auch die Frage, wie er das Sturmgewehr getragen hatte – in den Händen oder umgehängt – könne er nicht beantworten.

Obduktion angeordnet

Eine Obduktion des Opfers wurde angeordnet. Aus welchem Winkel und welcher Entfernung der Schuss auf den Kopf des 20-Jährigen abgegeben wurde, könne er derzeit nicht sagen, so der Polizeisprecher. Der 22-Jährige sei bei der Einvernahme in keiner guten psychischen Verfassung gewesen. Die Befragungen mussten deswegen mehrfach unterbrochen werden.

20-jähriger Wiener stirbt nach Kopfschuss

Der 22-jährige Salzburger hatte gemeinsam mit dem 20-jährigen Rekruten und einem Wachkommandanten Montagmittag den 24-Stunden-Dienst in einem Wachcontainer in der Vorgartenstraße in der Leopoldstadt begonnen. Sieben Stunden später fiel im Ruheraum der Schuss. Der 20-jährige Wiener wurde in den Kopf getroffen und starb.

Juristische Vertreter sprechen von Unfall

Die juristischen Vertreter des 22-Jährigen, Farid Rifaat und Manfred Arbacher-Stöger, stellten den Vorfall bereits am Dienstag als Unfall dar. Ihnen zufolge seien mehrere Unglücksfaktoren zusammengekommen: Die Waffe, das standardmäßige Sturmgewehr 77, sei dem Soldaten untertags hinuntergefallen, dabei dürfte eine Patrone in den Lauf gekommen sein. Auch müsse der 22-Jährige mit der Sicherung “hantiert” und dabei einen weiteren Fehler gemacht haben.

Ermittlungen wegen Mordverdachts

Die Ermittlungen laufen hingegen wegen Mordverdachts. Die Staatsanwaltschaft hat die Verhängung der Untersuchungshaft in Aussicht gestellt.

Tatwaffe war ein Sturmgewehr 77, das zur Standardausrüstung der Soldaten gehört. Sie haben die Verpflichtung, die Waffe halb geladen bei sich zu tragen. Das heißt, das Magazin mit der Munition ist zwar angesteckt, doch sollte abgedrückt werden, löst sich noch kein Schuss. Dafür muss die Waffe zunächst geladen, entsichert und schließlich abgedrückt werden.

(APA)

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