Rollstuhltänzer machen in Salzburg das Unmögliche möglich

Österreichs Rollstuhltänzer sorgen regelmäßig für Erfolge.
Österreichs Rollstuhltänzer sorgen regelmäßig für Erfolge. - © WDSFA
Strahlend leuchtende Augen, rhythmische Bewegungen und kein bisschen Mitleid – das ist Rollstuhltanzen. Kürzlich war das überaus erfolgreiche Nationalteam Österreichs auf Trainingslager in der Stadt Salzburg. “Wir wollen es jedem ermöglichen zu tanzen”, erklärt Kerstin Govekar beim S24-Lokalaugenschein im Sportzentrum Mitte.




Einst kam Govekar der Liebe wegen nach Salzburg, nun ist sie seit zwölf Jahren federführend mit dabei und kann auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte im Para-Tanzsport zurückblicken. Weil es Rollstuhltanzen damals noch nicht in Österreich gab und Govekar gute Erfahrungen damit in Deutschland gemacht hatte, gründete sie mit ihrem heutigen Ehemann Diethard kurzerhand die WheelChairDancers Salzburg. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später und mit unzähligen internationalen Erfolgen im Gepäck, fand am Wochenende bereits zum 16. Mal das Nationalteam-Trainingslager mit 20 aktiven Athleten im Sportzentrum Mitte statt.

Mitleid ist völlig fehl am Platz

Beim Rollstuhltanzen spielt der Grad der körperlichen Behinderung keine Rolle. Mithilfe speziell angefertigter Rollstühle werden Bewegungen und Choreografien geübt und dann perfektioniert. “Unsere Athleten beweisen sich etwas, von dem sie vorher nie gedacht hätten, es jemals zu schaffen”, freut sich Govekar im Gespräch mit SALZBURG24. “Es will niemand Mitleid. Wir wollen es jedem ermöglichen zu tanzen”, so die Präsidentin der Wheelchair Dance Sport Federation Austria.

Unterschied zum klassischen Tanzen?

Das Training und die Übungen würden sich auch kaum vom klassischen Tanzen unterscheiden, weiß Nationaltrainer Diethard Govekar: “Nur manche Figuren müssen technisch adaptiert werden, weil im Rollstuhl keine seitlichen Bewegungen möglich sind.” Der 53-Jährige landete 2006 nach einem Verkehrsunfall selbst fast im Rollstuhl und musste um sein Leben bangen. Nach der erfolgreichen Reha begann der ehemalige Profi-Tänzer damit, als Trainer beim Rollstuhltanzen zu arbeiten und Athleten auf Wettkämpfe vorzubereiten. “Wir sind immer vorne dabei und holen Medaillen – das ist der Wahnsinn”, wirft Ehefrau Kerstin ein.

Salzburg ist in der Weltspitze

Eine der Medaillengaranten ist die Salzburgerin Sanja Vukasinovic. Die Weltranglistenerste in den Disziplinen „Single“ und „Freestyle“ sitzt seit einem Autounfall Anfang der 90er-Jahre im Rollstuhl und kam 1995 aus Serbien nach Salzburg. Bei den WheelChairDancers ist Vukasinovic seit Beginn an dabei: „Beim Tanzen bin ich frei“, sagt Vukasinovic in leiser, fast schon schüchterne Stimme. “Das Tanzen ist die Bestätigung für mich selbst, dass ich trotz des Rollstuhls aktiv sein kann.” Am liebsten hört Österreichs Aushängeschild im Para-Tanzsport lateinamerikanische Musik: “Da kocht es in mir und ich bin nicht mehr zu bremsen”, schmunzelt Vukasinovic.

Nicht minder erfolgreich ist ihr Tanzpartner Robert Pleininger. Mit Vukasinovic führt der Wiener die Weltrangliste im “Freestyle Duo” an, im Einzel ist er derzeit auf Platz drei gelistet. Dabei pendelt der 53-Jährige seit drei Jahren zweimal wöchentlich zum Training aus der Bundeshauptstadt nach Salzburg.

Para-Tanzsport als Therapie

Ein Motorradunfall vor etwa zehn Jahren hinterließ ein Schädel-Hirn-Trauma samt Querschnittlähmung bei Pleininger. “Das Tanzen hilft mir meine Fähigkeiten und mein Gehirn neu zu schulen. Die komplexen Übungen und Choreografien helfen dem Kopf – für mich ist das ganz klar Therapie.” In Deutschland wird Rollstuhltanzen unter gewissen Umständen übrigens auch als Krankenkassenleistung angeboten. “Ich würde mir das auch für Österreich wünschen”, sagt Pleininger, “mir tut das einfach gut.”

Vukasinovic und Pleininger sind Österreichs Aushängeschilder. /Roland E. Lipovits Vukasinovic (li.) und Pleininger sind Österreichs Aushängeschilder. /Roland E. Lipovits ©

Rollstuhltanzen ist eine offizielle paralympische Sportart und wird wohl erstmals 2024 bei den Spielen in Paris seine Premiere feiern. Die kommenden Highlights für die WheelChairDancers Salzburg sind der Weltcup-Auftakt im Oktober und die Europameisterschaften im November – Edelmetall ist fest eingeplant.

Was ist Rollstuhltanzen überhaupt?

Rollstuhl-Tanzen wird weltweit in etwa 30 Ländern von Menschen mit einer Behinderung der unteren Extremitäten betrieben. Eleganz, Stil und Rhythmus sind die Kennzeichen einer überzeugenden Tanz-Performance. Das kann mit einer nicht-behinderten Person als Partner (stehend) oder aber auch mit einer ebenfalls im Rollstuhl sitzenden Person erfolgen. Die Standardtänze sind der langsame Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep. Die lateinamerikanischen Tänze beinhalten Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und den Jive. Es gibt neben dem Freestyle auch Formationstänze für vier, sechs oder acht Paare.

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