Roman Wallner im Sonntags-Talk: “Natürlich ehrt mich der Status Fußballgott”

Von Aleksandar Andonov
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Österreichs erfolgreichster Torschütze Roman Wallner spricht im Sonntags-Talk über sein Leben.
Österreichs erfolgreichster Torschütze Roman Wallner spricht im Sonntags-Talk über sein Leben. - © APA/GERT EGGENBERGER/KRUGFOTO/SALZBURG24/Andonov
Mit 109 erzielten Treffern ist Roman Wallner der zweitbeste aktive Torschütze in der österreichischen Bundesliga. 17 Jahre Profi-Fußball und 14 Stationen auf nationaler und internationaler Ebene hat der Publikumsliebling schon hinter sich. Wir haben uns mit ihm beim Sonntags-Talk über seinen Status als “Fußballgott”, was sich der Fußball vom Eishockey abschauen kann und über das Karriereende des Wahl-Salzburgers unterhalten.




Noch gibt es keine Bücher über seine bisherige Karriere. Doch viele spannende Geschichten und seine turbulente Vergangenheit würde ein solches Werk mit einigen fesselnden Kapiteln füllen. Mit 15 Jahren wurde Roman Wallner bei Sturm Graz Profi, landete mit zarten 18 in Salzburg und schrieb seitdem Fußball-Geschichte. Er trug 29 Mal das österreichische Teamtrikot, war Fußballer des Jahres, holte zwei Bundesliga-Meistertitel und zwei ÖFB-Cupsiege. Seit seinem Vertragsende und dem Abstieg mit dem SV Grödig ist er seit Juli ohne Verein.

SALZBURG24: Roman, in Österreich hast du den Status „Fußballgott“ erreicht. Wie erlangt man solch einen Ritterschlag?

ROMAN WALLNER: Puh, schwer zu erklären (lacht). Keine Ahnung wie das zustande kommen kann. Erklären könnte ich es nur, dass ich durch meine Höhen und Tiefen in meiner Laufbahn nie aufgegeben und immer weiter gekämpft habe. Natürlich ehrt es mich – wie sicher jeden – wenn man so etwas zu Ohren bekommt.

Auf Facebook gibt es eine Fanseite mit teils lustigem/satirischem Inhalt über dich. Wie gehst du damit um?

Teilweise muss ich selber darüber lachen. Ein Wahnsinn, dass sich jemand so etwas antut. Ich selber besitze kein Facebook, aber in der Kabine rennt halt der Schmäh, wenn es zum Thema wird. Ich habe die Verantwortlichen dieser Seite zu einem Spiel nach Grödig eingeladen und auch schon kennengelernt – sympathische Typen.

Nach dem Abstieg mit Grödig stehst du nun ohne Verein da. Wie kraftraubend gestaltet sich die Suche?

Ich habe zuerst mal sechs Wochen gebraucht, um zur inneren Ruhe zu kommen. Dadurch habe ich mich persönlich besser kennen gelernt. Aufgrund der sich bietenden Freizeit ist man gezwungenermaßen mit sich selber beschäftigt. Man reflektiert seine eigenen Stärken beziehungsweise Schwächen und hat den Kopf für Privates frei. Klar ist auch, dass man auf einen Berater angewiesen ist und da draußen wilde Vögel herumlaufen. Das macht es natürlich nicht einfacher.

Befindest du dich in einer Phase, wo du darüber nachdenkst alles hinzuschmeißen?

Fußball genießt bei mit nach wie vor sehr hohe Priorität. Ich will es noch einmal wissen, jedoch nichts erzwingen. Ich habe noch immer sehr viel Spaß am Fußballplatz und will es so lange wie möglich auskosten. An das Aufhören verschwende ich momentan keine Gedanken.

Hast du Angst, keinen Verein auf professioneller Ebene mehr zu finden?

Natürlich ist es verdammt schwer, das Richtige zu finden. Einige Interessen hatte es schon gegeben, aber da haben nicht alle Komponenten zusammengepasst. Aufgrund meiner Erfahrung weiß ich, worauf es ankommt. Ich hatte schon – wie die halbjährige Sperre in Griechenland – viele schwierige Phasen hinter mir, die ich trotz allem nicht missen möchte. Klar, im Moment waren diese nicht gerade angenehm, doch im Nachhinein haben sie mir mehr geholfen als geschadet. Daraus habe ich viel mitnehmen können.

Du bist jetzt 34, hast 14 Profistationen hinter dir – teils erfolgreich, teils zermürbend. Wie oft denkst du nach 17 Jahren im Profi-Fußball noch an das runde Leder?

Jeden Tag! Ich trainiere zwei Mal täglich, halte mich beim Salzburgligisten SK Bischofshofen und mit eigenen Einheiten im Fitnesscenter fit. Kürzlich absolvierte ich einen Laktattest, der mir meine momentane körperliche Fitness bestätigte. Auch wenn es teilweise sehr anstrengend ist, beiße ich durch. Ich will unbedingt noch weiter kicken.

#laktattest #privat #keepfit #running #trainhard 💪💪 #martinhettegger #sportmedplus #goodlife

Ein von Roman Wallner (@romanwallner_official) gepostetes Foto am

Roman Wallner über seine Karriere

Was waren die einschneidensten Erlebnisse in deiner Laufbahn?

Natürlich das Champions-League-Debüt mit 16 bei Sturm Graz. Gegen Inter Mailand aufzulaufen war einfach unbeschreiblich. Auf der anderen Seite die harte Sperre in Griechenland. Ich konnte für die Formalitäten zwischen den Klubs nichts, durfte dennoch ein halbes Jahr nicht spielen und erhielt auch kein Geld. Da war ich quasi eingesperrt und musste schauen, wie ich über die Runden komme.

Was muss sich im österreichischen Fußball ändern, um den Status „graues Entlein“ abzulegen?

Die jüngste Ligareform kam mir wie ein Schnellschuss vor – nichts langfristiges. Hauptsache es ist etwas geschehen. Die Berichterstattung lässt auch zu wünschen übrig. Vom Eishockey kriegt man teilweise mehr mit. Von diesem Sport könnte man sich bezüglich Reichweite und Ligasystem etwas abschauen. 

Als bester aktiver Bundesliga-Torjäger stehst du ständig in der Öffentlichkeit. Wie findest du Entspannung und Ausgleich in deinem Leben?

Mich stört es nicht an der Straße angesprochen zu werden und Fotos mit den Fans zu schießen. Am Wochenende genieße ich die spielfreie Zeit mit meiner kleine Tochter – das koste ich momentan sehr aus. Außerdem lese ich sehr gerne und genieße die Ruhe in meinen eigenen vier Wänden. Für mich sind Bücher das beste Mentaltraining. 

Was schätzt du als Wahl-Salzburger an deiner Heimat?

Ich liebe die schönen Seen und das gute Essen. Salzburg ist eine wundervolle Stadt. Vor allem die Ruhe am Land und die Nähe zur Stadt passt in der Kombination perfekt für mich.

Gibt es bestimmte Lieblingsplätze in Salzburg, an denen du dich am liebsten aufhältst?

Im Sommer bin ich gerne im Waldbad und am Mondsee. Das Essen in der Humboldt Stubn und im Maier’s ist hervorragend. 

Als Fußballer hast du schon fast alles erreicht. Was strebst du nach deinem Karriereende an?

Momentan habe ich diesbezüglich keinen Stress, will es wie gesagt noch einmal im Fußballgeschäft wissen. Aber natürlich macht man sich auch über das Leben danach Gedanken. Ich will etwas finden, das die gleiche Leidenschaft wie der Sport in mir weckt. Vorläufiges Ziel ist die angefangene A-Lizenz als Trainer abzuschließen und danach ein Fernstudium im Sport-Management anzufangen.

Wo siehst du dich – in etwa fünf Jahren – nach deinem Karriereende?

Am liebsten als Sport-Manager oder in der Immobilienbranche.

Danke für das Interview, Roman. Nun haben wir noch ein paar Entweder-oder-Fragen, bist du bereit?

Ja klar, schieß los!

Anzug oder Lederhose? Auf jeden Fall Anzug.

Fleisch oder Vegetarisch? Fleisch.

Blond oder dunkelhaarig? Dunkelhaarig.

Bier oder Wein? Sehr schwer. Aber ich tendiere eher zu Wein.

Auto oder Fahrrad? Auto.

Frühaufsteher oder Langschläfer? Langschläfer.

Aufzug oder Treppe? Aufzug.

Berge oder Strand? Definitiv Strand.

Bar oder mit Karte zahlen? Puh, aber ich neige eher bar zu zahlen.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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