Russlands Flugzeugträger dampft nach Syrien

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Russland schickt seinen Flugzeugträger
Russland schickt seinen Flugzeugträger - © APA (AFP/forsvaret)
Russlands einziger Flugzeugträger “Admiral Kusnezow” ist beides: ein pannenanfälliger Seelenverkäufer und eine furchterregende Waffe. Das Flaggschiff der russischen Marine dampft seit mehr als einer Woche Richtung östliches Mittelmeer zum ersten Kampfeinsatz in seiner fast 35-jährigen Geschichte.

Der Flottenverband um die “Admiral Kusnezow” soll in den Syrien-Krieg eingreifen. Er könnte, wie westliche Experten befürchten, bei der Rückeroberung der Stadt Aleppo durch syrische und russische Truppen helfen. Nicht dass die Kampfjets und Hubschrauber der “Admiral Kusnezow” dafür sonderlich geeignet wären. Doch Präsident Wladimir Putin will zeigen, dass die Großmacht Russland ihre Seestreitkräfte an jedem Punkt der Weltmeere einsetzen kann.

“Donaudampfschifffahrt” sorgt für Spott

Dabei sorgte die Durchfahrt des 306,5 Meter langen Riesen durch den Ärmelkanal zunächst für Spott. Von “Donaudampfschifffahrt” war die Rede wegen der dicken schwarzen Abgaswolke – auf Fotos zum Gebrauch in Russland wurde die Wolke wegretuschiert. Das Schiff wird von vier störanfälligen Dampfturbinen angetrieben. Falls die zusammen 200.000 Pferdestärken versagen, soll ein Schlepper eingreifen. Wenig Vertrauen erweckt auch ein auf Deck geparkter Feuerwehrwagen. Unter Deck sollen viele Wasserleitungen nicht funktionieren.

Mehrfache Namensänderungen

Die schwierige Geschichte des Schiffes zeigt sich schon in seinem Namen. “Sowjetski Sojus” (Sowjetunion) hieß es im Planungsstadium, “Riga” bei der Kiellegung 1982, “Leonid Breschnew” beim Stapellauf, “Tiflis” bei den ersten Probefahrten im Schwarzen Meer. Als die Sowjetunion 1992 zerfiel, entzog die russische Marine den Koloss handstreichartig einem möglichen Zugriff der Ukraine. Als “Admiral Kusnezow” ging das Schiff 1995 bei der russischen Nordflotte in Dienst.

Eine Hölle sei der Wehrdienst während der Probefahrten 1990 gewesen, berichtet der Moskauer Journalist Alex Dubas von seinen Erfahrungen. “Die Dienstzeit ging dafür drauf, das eigene Leben und die Gesundheit zu erhalten.” Soldaten aus dem Kaukasus und Zentralasien hätten andere Landsmannschaften verprügelt. “Ich habe mich gefragt: Wie kann das sein? Das ist doch das größte und stärkste Schiff unserer Flotte?”, schrieb Dubas auf Facebook. Beim Zerfall der Sowjetunion seien als erste die Balten (“gute Spezialisten”) von Bord gegangen.

Kampfwert geringer als US-Flugzeugträger

Den Großteil ihrer Dienstjahre hat die “Admiral Kusnezow” in Reparaturwerften zugebracht. Bei einer Manöverfahrt 2009 verursachte der Flugzeugträger einen großen Ölfleck vor der irischen Küste. Seinen Kampfwert schätzen westliche Experten geringer ein als den von US-Flugzeugträgern. Flugzeuge werden nicht per Katapult gestartet, sondern fliegen über die charakteristische Bugrampe hinaus. Deshalb können sie nicht so viel Bombenlast tragen. Als ungewöhnlich schlagkräftig gilt aber die bordeigene Bewaffnung, zum Beispiel mit zwölf Anti-Schiffsraketen SS-19-N Shipwreck.

Schlagkräftige Begleitschiffe

Für den Syrien-Einsatz sind nach Einschätzung der Militärexperten von Jane’s zehn Jets Suchoi SU-33 und vier MiG-29KR an Bord. Beides sind klassische Luftüberlegenheitsjäger, angepasst für den Einsatz auf Flugzeugträgern, aber kaum geeignet für den Kampf gegen Bodenziele wie in Aleppo. Doch die SU-33 sind nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums vor Auslaufen mit Elektronik nachgerüstet worden, um Waffen besser auf Ziele am Boden lenken zu können.

Über große Feuerkraft verfügen auch die Begleitschiffe der “Admiral Kusnezow”, vor allem der atomgetriebene Raketenkreuzer “Peter der Große” und die U-Boot-Jäger “Seweromorsk” und “Vizeadmiral Kulakow”.

(APA/dpa)

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