Salzachau: Der Naturpark kommt

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Die Natur setzt sich an der Salzach gegen die Wirtschaft durch.
Die Natur setzt sich an der Salzach gegen die Wirtschaft durch. - © Bilderbox/Symbolbild
Die Natur gewinnt in Salzburg etwas Gebiet zurück. Neun Quadratkilometer Wald zwischen Bergheim und Oberndorf sollen wieder intaktes Auenland werden. Das Kraftwerkprojekt ist damit gestorben.

Das Land Salzburg wird die Vision “Naturpark Salzachauen” nördlich der Landeshauptstadt umsetzen. Dieser soll nach und nach auf einer Fläche von rund neun Quadratkilometern zwischen Bergheim und Oberndorf entstehen. Ein an diesem Standort geplantes Kraftwerksprojekt sei damit de facto gestorben, so Energie- und Wasserbau-Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) am Mittwoch vor Journalisten.

 

[caption id=”attachment_4130925″ align=”alignnone” width=”450″]Rössler (links) und Schwaiger stellten das Projekt vor./Neumayr/MMV Rössler (links) und Schwaiger stellten das Projekt vor./Neumayr/MMV 

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Für Natur und Hochwasserschutz

Der Naturpark bietet gleich zweierlei Vorteil: Einerseits profitiere die Natur, zum anderen würde der Hochwasserschutz durch die Schaffung von Retentionsflächen verbessert, so Schwaiger. “Wir müssen uns vom technischen Hochwasserschutz mehr und mehr verabschieden, weil er die Probleme nur weiter nach unten verlagert.” In einer Auenlandschaft sei Wasser etwas Natürliches. Oberndorf beispielsweise wurde 2002 und 2013 vom Hochwasser schwer getroffen.

Au wird wiederbelebt

Zurzeit fließt die im 19. Jahrhundert regulierte Salzach wie ein Kanal. Der Fluss gräbt sich immer tiefer in die Sohle ein, weil ihm wegen vorgelagerter Kraftwerke das Geschiebe fehlt. Die Au ist deshalb weitgehend trockengelegt, der Auwald blieb aber vorhanden und bietet eine große Artenvielfalt. Mit relativ wenigen Eingriffen ließe sich die Au wieder beleben, erläuterte der Direktor des Hauses der Natur, Norbert Winding, der die vom Land in Auftrag gegebene Studie erstellt hatte. Mit Veränderungen am Ufer könnte man dem Fluss die Möglichkeit geben, dass er sich Schotter aus der Au hole. Dadurch würden die Sohle angehoben und die Au gleichzeitig abgesenkt werden, sodass beide wieder ein Niveau bilden. Die Salzach würde sich dadurch auf 200 bis 400 Meter Breite aufweiten. Altarme des Flusses und Aubäche würden renaturiert.

Salzachauen: Erholungsgebiet für Salzburg

Das Projekt sieht vor, dass es zum Teil geschützte Abschnitte als Rückzugsfläche für die Natur gibt, andererseits soll es auch Flächen für Erholungssuchende am Wasser oder Möglichkeiten zum Naturerlebnis geben, also ein funktionierendes Nebeneinander von Mensch und Natur. Vorgesehen sind Wander- und Radwege, Beobachtungspunkte, Führungen und ein Auenzentrum sowie eine Auenwerkstatt für Kinder. Letztgenannte ist auch schon bei der Umsetzung des ersten Abschnittes geplant. Und damit soll voraussichtlich im Herbst 2015 begonnen werden.

Projekt ausverhandelt

Großer Vorteil bei der Verwirklichung ist es, dass das gesamte Areal nur zwei Grundbesitzern gehört. Und mit einem ist sich das Land bereits einig, berichtete Naturschutzreferentin LHStv. Astrid Rössler (Grüne). Das Land erwirbt rund 125 Hektar, die Verträge seien nahezu ausverhandelt und die Finanzierung gesichert. Die Fläche liegt nahe Oberndorf in der Weithwörter Au, dort soll auch die Auenwerkstatt entstehen. Ein Life-Projekt wurde bei der EU eingereicht, mit einer Zusage sei im kommenden Frühjahr zu rechnen. In Summe wird der erste Abschnitt rund 10,5 Mio. Euro kosten, wobei zumindest 60 Prozent von der EU kommen. Die maximal 4,4 Mio. Euro Landesanteile seien im Naturschutzfonds bereits angespart.

„Wichtig, dass es begonnen wird“

Wie lange es dauert, bis sämtliche Schritte umgesetzt sind, vermochte heute niemand zu sagen. “Wichtig ist, dass es begonnen wird”, so Rössler. Und Schwaiger ergänzte, dass er zwar üblicherweise nicht in Legislaturperioden denke, er möchte aber bis zum Ende dieser im Jahr 2018 die Grundlagen gelegt haben, damit das Gesamtprojekt in Angriff genommen werden könne.

Kraftwerk vom Tisch

Winding, Schwaiger und Rössler stellten heute auch unmissverständlich klar, dass damit die Begehrlichkeiten der E-Wirtschaft, in diesem Bereich ein Kraftwerk zu errichten, vom Tisch seien. Der Stromertrag stehe hier in keinem Verhältnis zum Eingriff, sagte Schwaiger. Es würde nur gut die Hälfte des Ertrags abwerfen, den das Kraftwerk Lehen erwirtschaftet, die Errichtung sei hingegen um einiges aufwendiger. Und für Rössler war es auch eine Werte-Entscheidung: “Wie gehe ich mit der verbliebenen Aulandschaft um?” (APA)

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