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Hochwasser in Salzburg: Lage bleibt weiter angespannt

Ein bedrohliches Bild gab die Salzach am Sonntag in der Stadt Salzburg. Ein bedrohliches Bild gab die Salzach am Sonntag in der Stadt Salzburg. - © FMT-Pictures/M.W.
Hochwasser in Salzburg: Die allgemeine Hochwassersituation ist im gesamten Bundesland Salzburg mit Ausnahme des Lungaus weiter angespannt.

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Das sich bessernde Wetter hat sich positiv auf die Wasserführung der Hauptfließgewässer ausgewirkt, wenngleich von einer Normalisierung noch lange nicht gesprochen werden kann, teilte das Referat Katastrophenschutz Sonntagabend in einem aktuellen Lagebericht mit.

Das Einzugsgebiet der Saalach und Salzach wird immer noch überregnet, die Intensitäten nehmen ab, an der Salzach im Raum Oberndorf wurde der Scheiteldurchfluss erreicht, berichtet der Hydrographische Dienst am Sonntag. Zur Abflusssituation im Flachgau wird so berichtet:  Im Saalach Unterlauf (Unterjettenberg bis Mündung) wurden sämtliche Alarmgrenzen überschritten, in Siezenheim wurde ein HQ100 erreicht. Ein lang anhaltender hoher Wasserstand beim Pegel Siezenheim hat um 16:30 mit 772 Zentimeter seinen Scheitelpunkt erreicht und der Pegelstand war Sonntagabend fallend mit einem Wert von 701 Zentimetern.

Salzach : In Salzburg wurde die Alarmgrenze 2 (800) um 7 Uhr überschritten, Tendenz fallend, Pegelstand am Sonntagabend: 730 Zentimeter.

Situation in Oberndorf schlimmer als 2002

In Oberndorf wurde Alarmgrenze 1 (700) gegen 07 Uhr 30 überschritten, der Scheitelpunkt wurde nach lang anhaltendem gleichmäßigem leichtem Anstieg um 20:45 Uhr mit 840 cm erreicht. Es sind bereits weitreichende Ausuferungen im Bereich von Oberndorf Weitwörth aufgetreten. Das  Ereignis ist vergleichbar mit 2002 bzw. geringfügig größer, so der hydrographische Dienst. In Ach / Burghausen wird die Spitze mit 3100 bis 3250 m³/s je nach Retentionsverhalten der Auen  erwartet, ein maximaler  Pegelstand von rund 850 wird prognostiziert ( Pegelstand am Sonntag, 21:00 Uhr: 815 Zentimeter). Die Ettenau wird überflutet werden. Das nächste Update des Hydrografischen Dienstes folgt am Montag um 9 Uhr.

Hochwasser vor allem im Pinzgau

Das Schwergewicht der Ereignisse liegt mit fast 100 Einsatzstellen im Pinzgau, der nach wie vor von der Umwelt abgeschnitten ist. Auch bleibt die ausgerufene Katastrophe für den gesamten Pinzgau weiter aufrecht. In der Landeshauptstadt, dem Tennengau und dem Pongau hat sich die Lage weitestgehend stabilisiert. Mit Ausnahme der Gemeinde Oberndorf hat sich auch im Flachgau die Lage stabilisiert.

100-jährliches Hochwasser in Siezenheim

Die Intensität der Niederschläge im Einzugsgebiet von Saalach und Salzach nimmt ab, derzeit wurden im Raum Golling bis Salzburg die erwarteten Höchstwerte erreicht. In Summe sind jedoch bis Montag noch 30 Millimeter Niederschlag möglich. Im Oberlauf der Saalach (Weißenbach bei Lofer) sinkt der Pegelstand seit Erreichen des Höchststands zu Mittag. Im Unterlauf (Unterjettenberg bis Mündung) wurden sämtliche Alarmgrenzen überschritten, in Siezenheim wurde ein sogenanntes 100-jährliches Hochwasser erreicht. In den kommenden Stunden wird in Siezenheim mit gleichbleibender bzw. leicht steigender Tendenz gerechnet, der aktuelle Pegelstand beträgt 7,66 Meter.

Stadt Salzburg: Salzach-Pegelstand fällt langsam

In der Landeshauptstadt Salzburg fällt der Salzach-Pegelstand, in Oberndorf beträgt der aktuelle Pegelstand 8,24 Meter mit gleichbleibend leicht steigender Tendenz. Es sind bereits weitreichende Ausuferungen im Bereich von Oberndorf-Weitwörth aufgetreten. In Ach/Burghausen wird die Spitze gegen Abend erwartet, ein maximaler Pegelstand von 810 bis 830 Zentimeter wird prognostiziert. Beim Almfluss (Wiestal) wurde der Höchstwert erreicht.

Tote und Vermisste nach Murenabgängen

In Saalfelden im Salzburger Pinzgau wurden ganze Ortsteile überflutet. Am Sonntag um 2.17 Uhr erreichte die Urslau bei der Brandlbrücke einen Pegelstand von über 2,20 Meter und trat über die Ufer. Im gesamten Gemeindegebiet seien Keller überflutet und Straßen vermurt worden, informierte Ortsfeuerwehrkommandant Ernst Schreder. In Oberndorf im Flachgau wurden wegen der hochwasserführenden und immer weiter ansteigenden Salzach rund 80 Bewohner evakuiert worden. "Teile des Ortszentrums sind überflutet", sagte Katastrophenschutzreferent Markus Kurcz.

Das Hochwasser in Salzburg hat auch ein erstes Todesopfer gefordert: Ein Murenabgang hatte gegen 12.00 Uhr in St. Johann im Pongau drei Arbeiter im Ortsteil Einöden überrascht, sie waren gerade mit Aufräumarbeiten beschäftigt. "Einer der Männer war vorerst vermisst worden. Er konnte knapp vor 13.00 Uhr leider nur mehr tot geborgen werden", sagte Polizeisprecher Anton Schentz. Die Identität des Toten war vorerst nicht bekannt.

In Filzmoos im Pongau erfasste und verschüttete eine Mure ein Auto. Eine 24-Jährige wurde verletzt geborgen und ins Krankenhaus Schwarzach geflogen. Zwei nach Murenabgängen in Taxenbach im Pinzgau vermisste Personen wurden bisher nicht gefunden. Bei ihnen handelt es sich um Taxenbacher. Die Frau ist 19 Jahre alt, der Mann - ein Landwirt - 48 Jahre. Sie sind in der Nacht auf Sonntag, in ihren Fahrzeugen von Erdmassen erfasst und in - voneinander unterschiedliche - Bäche gedrückt worden.

In Saalbach-Hinterglemm wurde ein Haus samt Garage und eine weitere in der Nähe befindliche Garage mitgerissen und total zerstört. Es handelt sich bei dem Haus um einen Zweitwohnsitz, welcher zum Zeitpunkt des Unglückes nicht bewohnt war. Das Haus wurde rund 50 Meter in die Tiefe gerissen und kam knapp vor einem weiteren Wohnhaus zum Stillstand. Die darunter liegenden Häuser wurden evakuiert. Die Schadenshöhe ist derzeit nicht bekannt, berichtet die Polizei.

Hochwasser: Straßensperren in Salzburg

Im Bundesland Salzburg sind folgende Straßen und Brücken gesperrt:

Stadt Salzburg

  • B155 Münchner Bundesstraße - Grenzbrücke nach Freilassing/Staastgrenze
  • Mozart- und Überfuhrsteg
  • Fußgängersteg unter der Autobahnbrücke in Liefering
  • Der Wilhelm-Kaufmannsteg ist wegen einer Überflutung auf einer Stegseite nicht benutzbar

Flachgau

  • L108 Gaisberg Landesstraße (zwischen Gaisberg und Guggenthal)
  • L103 Thalgauer Landesstraße (Unterdorf bis zur Landesgrenze)
  • B156a Lamprechtshausener Straße (örtliche Umleitung ist eingerichtet)
  • B156 Lamprechtshausener Straße zwischen Anthering und Nußdorf
  • B151 Attersee Straße (zwischen Loibichl und Unterach)
  • Salzachbrücke in Oberndorf (jedenfalls bis Montag, 3. Juni, Mittag)

Pongau

  • L252 Zauchenseer Landesstraße (zwischen Altenmarkt und Zauchensee)
  • L219 Filzmooser Landesstraße (zwischen Filzmoos und der Landesgrenze Salzburg/Steiermark)
  • B164 Hochkönig Straße (zwischen Bischofshofen und dem Dientner Sattel wegen Murenabgängen)
  • B163 Wagrainer Straße (im Bereich Altenmarkt)
  • B99 Katschberg Straße (im Bereich Hüttau)
  • B311 Pinzgauer Straße (zw. Bischofshofen/B99 und der Anschlussstelle Bischofshofen-Mitte an der A10 sowie zwischen Lend und Schwarzach-Ost
  • A10 Tauernautobahn (wegen Vermurungen bei Flachauwinkl-Süd in beiden Richtungen)

Pinzgau

  • B311 (zw. Lofer-Mitte und Saalfelden)
  • B178 Loferer Straße (zwischen Landesgrenze Tirol/Salzburg)
  • B167 Gasteiner Straße (zwischen Dorfgastein und dem Klammtunnel wegen Murenabgang)
  • B165 Gerlos Straße (wegen Erdrutsch zwischen Gerlospass und Wald im Pinzgau und zw. Hinterwaldberg und Gerlospass, sowie zwischen Saalfelden und Hochfilzen)
  • B161 Pass Thurn Straße (zwischen Mittersill und Jochberg (Tirol) in beiden Richtungen gesperrt, auf Tiroler Seite droht eine Stützmauer auf die Straße zu stürzen)

Tennengau

  • B162 Lammertal Straße (zwischen Oberscheffau und Abtenau)

Behinderungen im Schienenverkehr der ÖBB

  • Salzburg - Innsbruck - Vorarlberg keine Zugverbindungen (auch kein Schienenersatzverkehr)
  • Richtung Süden Zugverkehr bis Golling, anschließend Schienenersatzverkehr
  • Richtung Zell am See bzw. Saalfelden keine Zugverbindung (kein Schienenersatzverkehr)
  • Richtung Deutschland Umleitung der Züge von Salzburg über Wels, Passau nach München.

5.000 Einsatzkräfte im Einsatz

Auf Grund der aktuellen Hochwassersituation waren im Laufe des heutigen Tages an die 5.000 Einsatzkräfte im Bundes Land Salzburg im Einsatz, deren Tätigkeit – mit Ausnahme des Lungaus – noch anhält. 130 Feuerwehren/Löschzüge rückten am Sonntag mit rund 4.150 Mann zu insgesamt 2.230 Einsätzen aus. In der Stadt Salzburg waren es 47 Feuerwehren (Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehren), die 570 Einsätze absolvierten, im Flachgau 47 Feuerwehren mit 809 Einsätzen, im Tennengau 15 (222 Einsätze), im Pongau 28 (290), im Pinzgau 37 (339) und eine Lungauer Feuerwehr war zusätzlich im Flachgau im Einsatz.

Bundesheer für Evakuierungen vorbereitet

Das Österreichische Bundesheer setzt noch Assistenzkräfte im Flachgau zum Wasserpumpen und ab Montagmittag für Aufräumungsarbeiten ein. Im Pongau ist ein Assistenzbedarf der Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau ab kommenden Mittwoch im Raum Hüttau gemeldet. 25 Mann der Jägerkompanie Saalfelden stehen zurzeit beim Sandsackfüllen in Zell am See im Einsatz. Im Pinzgau werden ab Montagmorgen eine 120 Mann starke Assistenzkompanie in Taxenbach und ein 20 Mann starker Assistenzzug in Zell am See im Einsatz stehen. Die Wallernkaserne wurde zur Aufnahme von Patienten des Krankenhauses Zell am See im Fall etwaiger Evakuierungen vorbereitet. Darüber hinaus gibt es aktuell eine Assistenzkompanie im Bundesland in Reserve. Weitere Pionierkräfte könnten im Laufe des Montagvormittags Richtung Salzburg in Marsch gesetzt werden. Zusätzlich wird das Land Salzburg mit einem Hubschrauber Alouette 3 aus Aigen im Ennstal für Erkundungsflüge unterstützt und zwei Transporthubschrauber AB 212 stehen in der Schwarzenbergkaserne für Einsätze bereit.

Zurzeit läuft in der Schwarzenbergkaserne die Unterbringung von 80 Fahrgästen der ÖBB in einem Unterkunftblock. Diese bleiben hier Übernacht und werden von den ÖBB in Zusammenarbeit mit dem Bundesheer versorgt.

Hunderte Menschen wegen Hochwasser in Salzburg evakuiert

Das Einsatzschwergewicht der Kräfte des Roten Kreuzes liegt nach wie vor im Bezirk Pinzgau. 80 Menschen der Gemeinde Högmoos wurden evakuiert und es wurden Notunterkünfte errichtet. Allein im Pinzgau sind im Augenblick 94 Rettungssanitäter, 18 Ärzte/Notärzte, drei technische Züge, 20 Fahrzeuge sowie das Kriseninterventionsteam im Einsatz. Aktuell wird eine Evakuierung im Bereich Limbach-Schüttdorf vorbereitet. Im Gemeindegebiet Hüttau, wurden innerhalb der vergangenen Stunden 104 Personen evakuiert. 51 Rettungssanitäter inklusive fünf Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams, ein Hubschrauber und zwei Notärzte, waren dabei im Einsatz. In Oberndorf wurde ein Notquartier für 150 Personen in der Hauptschule Oberndorf eingerichtet. Zusätzlich werden 250 Einsatzkräfte über die Feldküche verpflegt. In Oberndorf sind derzeit 25 Rettungssanitäter mit fünf Fahrzeugen im Einsatz. Ein Kriseninterventionsteam ist in den Einsatzraum Oberndorf unterwegs. Über das Bundesland verteilt war das Rote Kreuz bei weiteren elf Notfällen, die durch das Hochwasser bedingt waren, im Einsatz.

Im Tagesverlauf waren rund 100 Wasserretter im Einsatz. Das Einsatzschwergewicht dabei war die Suche nach den beiden vermissten Personen im Pinzgau sowie die Durchführung von Evakuierungsmaßnahmen im Raum Hüttau und punktuelle Personenrettungseinsätze im Flachgau.

Die Höhlenrettung wurde für einen etwaigen Einsatz in der Fürstenbrunn-Höhle, wo für 22.00 Uhr die Rückkehr von vier Höhlengehern erwartet wird, in Bereitschaft versetzt.

(S24.at/APA)



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