Salzburg: Kritik an Standort für geplantes Bücherverbrennungsmahnmal

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Die Stadt begründete die Standortwahl mit der Nutzung des Residenzplatzes als Veranstaltungsort.
Die Stadt begründete die Standortwahl mit der Nutzung des Residenzplatzes als Veranstaltungsort. - © Neumayr/Archiv
In der Stadt Salzburg ist am Freitag die Einreichfrist für das geplante Bücherverbrennungsmahnmal am Residenzplatz zu Ende gegangen. Der KZ-Verband Salzburg kritisierte aus dem Anlass in einer Aussendung, dass das Mahnmal wegen kommerzieller Interessen nicht am historisch korrekten Ort nahe der Platzmitte, sondern am Rand des Platzes vorgesehen ist.

Man erkenne das Bemühen der Stadtregierung an, sich der Geschichte des Nationalsozialismus zu stellen. “Wird aber das Mahnmal tatsächlich am Rand des Residenzplatzes situiert, dann passiert das, was den Opfern des Nazi-Terrors und ihrer Nachfahren in der Zweiten Republik tausendfach widerfahren ist: Sie werden an den Rand gedrängt”, hieß es in der Aussendung. Im konkreten Fall werde die Chance vergeben, eines der wichtigsten antifaschistischen Mahnmale am historisch korrekten Ort zu errichten.

Stadt begründet Standortwahl mit Veranstaltungen

Die Stadt begründete die Standortwahl in einem Schreiben an den Obmann des KZ-Verbands indes mit der Nutzung des Residenzplatzes als Veranstaltungsort – etwa für den Ruperti-Kirtag oder den Christkindlmarkt. Ein Mahnmal brauche eine pietätvolle Umgebung des Erinnerns und Mahnens. Der dokumentierte historische Standort sei dafür nicht geeignet. Darum habe man eine öffentliche gut sichtbare Fläche ausgewählt, die durch keine andere Nutzung beeinträchtigt werde.

Ein der größten Bücherverbrennungen in Österreich

Vor bald 80 Jahren, am 30. April 1938, fand am Salzburger Residenzplatz die einzige von Nationalsozialisten inszenierte Bücherverbrennung auf österreichischem Boden statt. Rund 1.200 Bücher von politisch verfemten Autoren wie Stefan Zweig, Heinrich Heine und Else Lasker-Schüler wurden damals auf einem Scheiterhaufen nördlich des Residenzbrunnens öffentlich vernichtet.

Wettbewerb in Zuge von Residenzplatz-Neugestaltung

Im Dezember 2016 hat die Stadt angesichts der bevorstehenden Neugestaltung des Residenzplatzes künstlerische Entwürfe für das Mahnmal ausgeschrieben. Dieses soll im Boden eingelassen werden und in einem 2,4 mal 2,4 mal 2,7 Meter großen Kubus Platz finden, der von oben einsichtig ist. Entwürfe sollen sich – so die Vorgabe – künstlerisch sowohl mit dem “historischen Akt der Bücherverbrennung” auseinandersetzen wie auch einen Bezug zum Residenzplatz berücksichtigen. Die Kosten für Errichtung und Honorar dürfen laut Stadt maximal 200.000 Euro betragen. Eine Jury soll demnächst den besten Entwurf auswählen.

(APA)

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