Caritas will armen Familien helfen

Caritas fordert ein Armutsabbauprogramm.
Caritas fordert ein Armutsabbauprogramm. - © Bilderbox
Bei einer Pressekonferenz in Salzburg warnte die Caritas vor steigender Armut in Österreich. 77.000 Menschen im Bundesland Salzburg sind laut einer EU-Statistik arm oder armutsgefährdet, in Österreich ist eine Million betroffen.

Die Caritas startete am Montag ihre alljährliche Inlandskampagne, diesmal mit dem Schwerpunkt für Familien in Not. Die Zahl der armutsgefährdeten Familien in Österreich steigt, warnten Vertreter der Hilfsorganisation bei einer Pressekonferenz in Salzburg. Rund eine Million Österreicher, das sind 12,6 Prozent der Bevölkerung, seien laut EU SILC Statistik arm oder gefährdet, in Armut abzugleiten. Bei Ein-Eltern-Familien seien es bereits 24 Prozent, bei Familien mit drei und mehr Kindern 26 Prozent. Und: Rund jeder vierte armutsgefährdete Mensch in Österreich ist ein Kind.

Caritas-Präsident fordert Armutsabbauprogromm

“Es gibt 268.000 armutsgefährdete Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren in Österreich. Das ist mehr als Graz Einwohner hat. Armut ist eine Schande in einem so wohlhabenden Land wie Österreich”, sagte Caritas-Präsident Franz Küberl. Er richtete einen Hilfeschrei an die “Koalitionsverhandler” für eine neue Bundesregierung: “Macht nicht nur ein Bankenrettungsprogramm, macht auch ein Armutsabbauprogramm, damit weniger Familien und Kinder arm sind. Die Familie ist der unverzichtbare Grundbaustein unserer Gesellschaft, und es ist entsetzlich, dass gerade Familien mit mehreren Kindern am häufigsten von Armut betroffen sind.” 134.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren (acht Prozent) würden in Österreich in Armut leben.

Appell an die Salzburger Landesregierung

Küberl wünscht sich starke Verhandlungen mit den Bundesländern, sodass die Jugendwohlfahrt auch präventiv tätig werden kann. Er forderte familienfreundliche Arbeitsplätze und Teilzeit auch für Väter, eine Neubewertung der Familienarbeit und eine Investition in die Qualität von Kindergärten. Salzburgs Caritas-Direktor Johannes Dines sieht in der Wertsicherung der Familienleistungen eine große Herausforderung für die nächste Regierung: “Der Familienlastenausgleichsfonds macht die Marktwirtschaft sozialer. Working Poor ist zu großen Teilen ein Familienarmutsphänomen – auf dieses Faktum muss bei den Familienleistungen Bedacht genommen werden. Es braucht daher Familienleistungen, die die Anzahl der Kinder mitberücksichtigen.”

Dines appellierte an die Salzburger Landesregierung, den Stundensatz für die Familienhilfe um 50 Prozent anzuheben. Der derzeitige Satz von 33 Euro reiche nicht aus, um die Familien zu fördern. “Wir können intern nicht mehr weiter einsparen.” Die Landesregierung solle sich überlegen, ob man präventive Maßnahmen setze oder erst hinten nach eine Schadensbegrenzung mache.

17.000 Salzburger arm, 60.000 gefährdet

Im Bundesland Salzburg gelten rund 17.000 Menschen als “manifest arm”, 60.000 der rund 500.000 Einwohner waren im Jahr 2012 laut Statistik Austria armutsgefährdet. Die Caritas Salzburg greift jährlich 7.000 Menschen helfend unter die Arme. Die sozialen Stützungssystem könnten das nicht mehr ausgleichen, was früher etwa der gesicherte Arbeitsplatz, der größere Familienverband oder die Nachbarschaft aufgefangen habe, erklärte Dines. Die Caritas hilft dort, wo Familien nicht mehr in der Lage sind, ihre Aufgaben zu erfüllen. Grund dafür kann auch ein Schicksalschlag sein, wie eine schwere Erkrankung eines Elternteiles oder Kindes oder ein Mordfall in der Familie wie kürzlich in der Steiermark. Organisiert werden zum Beispiel eine Haushalts- und Kinderbetreuungshilfe.

Druck auf Familien nimmt zu

Dines listete drei wesentliche Faktoren auf, warum der Druck auf Familien “enorm zunimmt”, wie er betonte. Eltern hätten für ihre Kinder weniger Zeit, die Organisation des Familienalltages werde immer anspruchsvoller – “Eltern brauchen große Managementfähigkeiten” – und drittens die prekäre ökonomische Familiensituation: “Familien sind immer stärker finanziell benachteiligt. Oft können sie sich nicht mehr die Heizkosten leisten. Kinder fürchten sich davor, zu Hause zu frieren. Sie müssen im Anorak dasitzen.”

Speziell an Kinder und Jugendliche richten sich das Beschäftigungsprojekt „easy” und die beiden Lerncafes in der Stadt Salzburg und in Zell am See im Pinzgau. In den “Cafes” werden sie „bei Hausaufgaben und in der Vorbereitung zu Schularbeiten unterstützt. Jugendliche können in der Textil- oder Holzwerkstatt von “easy” legal verdienen – als Vorbereitung für eine Integration in den Arbeitsalltag oder für Fortbildungen. (APA)

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