Salzburger Adventsingen steht in Startlöchern

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Auch die Kinder sind bereits für die diesjährige Ausgabe.
Auch die Kinder sind bereits für die diesjährige Ausgabe. - © Neumayr
Die Hoffnung auf eine friedlichere Welt war vor 70 Jahren der Grundgedanke des Salzburger Adventsingens. Bei der diesjährigen Ausgabe heißt es zurück zu den Ursprüngen.

Vor 70 Jahren entstand eine Idee, getragen von sehnsuchtsvoller Hoffnung auf eine bessere, friedlichere Welt. Diesem Wunschgedanken von Tobi Reiser (1907-1974) folgte die Geburtsstunde des Salzburger Adventsingens, als er an einem kalten Adventabend des Jahres 1946 mit Sängern und Musikanten ein erstes Adventsingen im Gedenken an gefallene oder vermisste Freunde organisierte. Es war eine stille, andächtige Feier, getragen von vertrauten Liedern und Weisen, religiöser Volksfrömmigkeit und überlieferten Bräuchen. Wer hätte damals gedacht, dass diese kleine Andacht die Keimzelle von mittlerweile unzähligen „Adventsingen“ im gesamten deutschsprachigen Raum werden würde.

Was ist das Geheimnis?

Im innersten Kern des Salzburger Adventsingens lebt die immerwährende Sehnsucht nach Eintracht und Frieden. Auch wenn die Anfänge von 1946 weit zurückliegen, hat man diese Gründungsintention bis heute nicht aus den Augen verloren. Die religiöse Botschaft, gefühlvoll verwoben mit volkskulturellen Elementen und gegenwärtigen Denkansätzen lässt immer noch eine ganz besondere Atmosphäre von Faszination und Rückbesinnung entstehen, die man so nur beim Salzburger Adventsingen im Großen Festspielhaus  erleben kann. Wer sein Herz dem Geschehen öffnet, wird ein berührendes Erlebnis erfahren, wird herzerfrischend über den kindlichen Charme der Hirtenkinder lachen oder auch Tränen der Freude beim Andachtsjodler vergießen können.

Ein intimer, fast familiärer Rahmen

Obwohl seit 1946 rund 1,8 Millionen begeisterte Gäste dieses weltberühmte Salzburger Advent Festival besuchten und jährlich rund 36.000 Besucher aus mittlerweile 38 Ländern aller Welt dazukommen, strahlt diese Kulturveranstaltung im Großen Festspielhaus in ihrer vornehmen Zurückhaltung eine besondere Intimität aus. „Wer einmal kommt, kommt immer wieder“, sagen zahlreiche Stammbesucher, von denen viele auch Mitglied bei den „Freunden des Salzburger Adventsingens“ sind. Wenn sich am Ende einer Aufführung über zweitausend Gäste von ihren Sitzen erheben und gemeinsam mit rund einhundertfünfzig Mitwirkenden den Andachtsjodler singen, wird spürbar, wie viel Energie durch eine so große Gemeinschaft entstehen kann.

Adventsingen kehrt zu Anfängen zurück

Im siebzigsten Jahr seines Bestehens kehrt das Salzburger Adventsingen gedanklich zu seinen Anfängen zurück. In der Salzburger Altstadt des Jahres 1946 sind die Wunden des Krieges noch überall sichtbar. Der Wiederaufbau des bei einem Bombenangriff zerstörten Domes ist bereits ziemlich weit fortgeschritten. Klirrende Kälte macht sich in der adventlichen Stille am Residenzplatz breit. Nur einige wenige Menschen sind abends noch am Weg. Ein Wirt empfängt Musikanten, die beim Heimkehrer-Ball aufspielen sollen, ein Flüchtlingspaar kommt frierend mit seinen Habseligkeiten des Weges, einige Kinder balgen sich um ein Stück Brot und die alte Mesnerin huscht gesenkten Hauptes in eine Kapelle. In den alten Arkadenbögen steht ein Mann in typisch salzburgischer Kleidung und philosophiert angeregt mit einer elegant gekleideten Dame.

Eine Idee wird geboren

Was haben die beiden so angeregt zu diskutieren? Sie scheinen Lebenserinnerungen auszutauschen. In ihrem Leben mag sich ja bereits einiges abgespielt haben. Zwei fürchterliche Weltkriege, die Zeit dazwischen auch kein Honiglecken und jetzt? Vielleicht innere Konflikte und Spannungen, Trauer im Herzen? Enttäuscht von einem betrogenen Leben? Die neu gewonnene Freiheit und Lebenslust spiegelt sich in ausgelassenen, lautstarken Heimkehrer-Bällen. Doch den beiden ist jetzt nicht danach. Sie sehnen sich in den langen Nächten vor der Sonnenwende mehr nach der Stille, nach einer Zeit zum Innehalten und Erinnern an nicht mehr heimgekehrte Musikantenfreunde und eigene  Söhne. Die Idee zu einem ersten Adventsingen wird geboren. Sie erinnern sich an alte Adventbräuche der Kindheit, an die schönen, innigen Lieder und Weisen, an das Herbergssuchen von Maria und Josef, an lustige Krippenspiele und an das freudenreiche Gloria zur Heiligen Nacht. Beider Erinnerungen fließen in ein erstes Salzburger Adventsingen ein und werden als Hommage beim Jubiläums-Adventsingen 2016 wieder lebendig.

Der Zauber des Salzburger Adventsingens

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Dieses Zitat aus Hermann Hesses Gedicht Stufen lässt sich in schönster Weise auf das Salzburger Adventsingen übertragen. Dieser Anfang währt seit nunmehr 70 Jahren, er hat bis heute nichts von seinem Zauber verloren.

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