Salzburger Festspiele 2017 beleuchten Strategien der Macht

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Neuer Intendant Markus Hinterhäuser stellte sein erstes Programm vor
Neuer Intendant Markus Hinterhäuser stellte sein erstes Programm vor - © APA
In einem vielfältigen Programm 2017 beleuchten die Salzburger Festspiele die Phänomenologien der Macht. Die Opern, Dramen und Konzerte bieten Reflexionen über ihre Strategien, über den daraus resultierenden Verlust menschlicher Bindungen und das Abgleiten aus soziale Gefügen. Eine Uraufführung gibt es nicht, diese Frage sei für ihn nicht so dringlich, sagte der neue Intendant Markus Hinterhäuser.

Für ihn stelle sich vielmehr die Frage, wie sich die Wahrnehmungen und Beurteilungen von Werken mit der Zeit ändern. Sie in einen neuen und gegenwärtigen Kontext zu stellen sei das Herausfordernde, erklärte der Intendant bei der Vorstellung seines ersten Programmes heute, Donnerstag, bei einer Pressekonferenz in Salzburg. Das Programm “ist das Ergebnis einer sehr langen und intensiven Arbeit an dem, was wir für die Salzburger Festspiele und als Festspiele für richtig erachten”.

Die Salzburger Dramaturgie wolle eine Perspektive aus dem Heute und Jetzt herstellen und das Werk reflexiv erfassen, erläuterte Hinterhäuser. “Aus der Perspektive dieser Zeit wollen wir versuchen, eine Art Erzählung vorzunehmen, ohne pädagogisch oder diktatisch zu sein.” Bei den fünf szenischen Opern gehe es um Konstellationen und Strategien der Macht. Den Anfang nimmt “Clemenza di Tito” in der Felsenreitschule. Aufgezeigt werden die Einsamkeit und auch das Irre an der Macht. Es finden sich auch politische Fragestellungen an die gegenwärtige Gesellschaft: “Ist es politische Härte oder Schwäche, den politischen Gegner in Entscheidungen einzubinden? Es geht auch um das Verzeihen”, sagte Hinterhäuser.

Das Festspielprogramm ist sehr vielfältig, eine Mischung aus viel gespielten Werken wie “Aida” und unbekannteren Schätzen wie Aribert Reimanns “Lear”. Auch die Konzertreihe “Zeit mit Schostakowitsch” sticht hervor. “Mit insgesamt elf Opern haben wir ein ziemlich großzügiges Angebot”, meinte Hinterhäuser, “das wird sich in den nächsten Jahren nicht fortsetzen.” Ein Festspielprogramm solchen Umfangs habe ihm auch mitunter Schlaflosigkeit bereitet, schmunzelte der Intendant und Pianist, der bei einigen Konzerten selbst am Klavier spielen wird.

Die neue Schauspielchefin Bettina Hering stellt in ihrem “stringenten” Spielplan Bezüge zu den Opern her, wie sie erläuterte. Konzertchef Florian Wiegand schilderte, dass er das Programm zusammen mit Hinterhäuser erstellt hat. Man habe nicht Strategien ändern, sondern das Augenmerk auf sinnhafte Konstellationen und Verknüpfungen gelegt. Wiegand versprach eine “einzigartige Ouverture spirituelle”, die in ihrem sechsten Jahr 2017 unter dem Motto “Transfiguration” steht. “Sie hat es tatsächlich geschafft, ihr Publikum zu finden”, betonte der Konzertchef nicht ohne Stolz. Im Vorjahr seien die Veranstaltungen nahezu ausverkauft gewesen. Die aufgeführten Werke sind auch ein Bindeglied zum Hauptprogramm, wie Wiegand erklärte. Er wies auch darauf hin, dass Simon Rattle im nächsten Jahr zum letzten Mal als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker nach Salzburg kommen und Anne-Sophie Mutter ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum in Salzburg feiern wird.

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler betonte, dass die Salzburger Festspiele “ein Epizentrum des Besonderen” sein wollen. Man habe sich vorgenommen, die großen Gedanken der Gründerväter Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt weiterzuspinnen. Hinterhäuser habe neue Zusammenstellungen gemacht und in der Vorbereitungszeit einmal gesagt, “das Gedächtnis erwartet die Intervention des Gegenwärtigen”. Die Maxime von Luigi Nono, “das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken, die Intelligenz” habe die Festspiele bei den Planungen begleitet, sagte Rabl-Stadler. Festspiele sollten staunenswerte künstlerische Konstellationen schaffen, die nicht bloß Zeitvertreib und Spektakel versprechen, sondern Aufforderung zum Nachdenken sind. Die Festspielpräsidentin freute sich auch darüber, dass es gelungen war, die Jugendkarten auf 6.000 zu verdoppeln.

(APA)

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