30. August 2010 11:41; Akt.: 30.08.2010 11:41

Salzburger Festspiele: Berliner Philharmoniker beenden Konzertsommer

Die Festspiele wurden mit dem Konzert der Berliner Philharmoniker feierlich beendet. Die Festspiele wurden mit dem Konzert der Berliner Philharmoniker feierlich beendet. - © Neumayr
Ein Traum-Programm, das Konzertchef Markus Hinterhäuser und die Berliner Philharmoniker für das allerletzte Konzert des Salzburger Festspielsommers am Sonntagabend im Großen Festspielhaus zusammengestellt haben.

Das Parsifal-Vorspiel des alten Richard Wagner, die “Vier letzten Lieder” von RichardStrauss vor der Pause und dann die Orchesterstücke der Nachfolger und Tonalität-Zertrümmerer Schönberg, Webern und Berg. Das Konzert selbst hingegen hielt nur zum Teil, was das Programmkonzept versprach.

Orchestermusiker nicht herausragend

Ein wenig mag den Orchestermusikern aus Berlin noch der Urlaub in den Gliedern stecken. Das sonst so herausragend präzise und zugleich klangschöne Orchester kickste und wackelte ungewohnt heftig, besonders die Kollegen Blechbläser offenbarten während des gesamten Konzertes unschönen Trainingsrückstand. Dass die “Vier letzten Lieder” von Strauss in ihrer herzzerreißend innigen Melancholie nicht blühten, wie sie blühen könnten, lag indes nicht am Orchester. Es lag an Sopranistin Karita Mattila.

Strauss in Fett ertränkt

Die Finnin verfügt über einen großen Sopran in wunderschöner Grundfarbe. Sie hat Kraft in allen Lagen, auch in einer Tiefe, die sonst den Mezzosopranistinnen gehört. Aber sie hat diese spätherbstlich-traurigen Lieder klanglich derart verschmiert, als ginge es hier um eine Revue. Extrem dick aufgetragenes Vibrato, schwülstige Glissandi, Text gleich null. Gerade diese extrem breit angelegten und üppig instrumentierten Strauss-Lieder fühlen sich in klarer, schlanker Schlichtheit am wohlsten. Mattila aber hat Strauss in Fett ertränkt.

Schon Jahrzehnte davor haben Schönberg und seine Schüler Webern und Berg alles zerhäckselt, was Wagner und dann Mahler und eben Strauss bis an die Grenzen ausgereizt und triefend mit Gefühl angereichert hatten. Und doch sprach Simon Rattle zu Recht von einer “Elften Symphonie” von Gustav Mahler, als die sie diese Zwölfton-Orchesterstücke verstanden wissen und ohne Zwischenapplaus wiedergeben wollten. Die fünf Stücke von Schönberg (op. 16), sechs von Webern (op. 6b) und drei von Berg (op. 6) als zusammenhängendes Stück machten hör- und fühlbar Sinn. Der eckig-radikale Schönberg als quasi erster Satz, der knappe, aufs Wesentliche verdichtete Webern in der Mitte und dann der orchestral und klanglich sinnliche Berg als Finale und Abrundung einer musiktheoretischen Runderneuerung, die das gesamte 20. Jahrhundert prägen sollte.

Die Berliner Philharmoniker, Simon Rattle und die Festspiele wiesen mit diesem klugen Trick zum Abschluss des Festspielsommers 2010 musikhistorisch zurück zu Gustav Mahler und programmatisch nach vorne zu Gustav Mahler. Der wird nämlich 2011 einen zentralen Platz im Salzburger Festspielprogramm einnehmen.


Artikel weiterempfehlen

Ihre Meinung
Was meinen Sie?
Kommentare filtern  | 
KOMMENTARE FILTERN Optionen ausblenden  X


Please enter a title and content
 


Mehr auf Salzburg24.at
YDP-Award an "Symphony of a Missing Room"
Die Sieger des "Young Directors Project" 2011 der Salzburger Festspiele heißen Christer Lundahl und Martina Seitl. mehr »
Resumee der Festspiele – Österreich im 90. Festspieljahr
Die Salzburger Festspiele neigen sich dem Ende zu. Insgesamt besuchten ca. 250.000 Besucher die Festspiele aus 72 Nationen. mehr »
Festspiel-Benefizgala für Pakistan brachte 300.000 Euro
Bei der kurzfristig anberaumten Benefiz-Festspielgala Donnerstagabend im Haus für Mozart sind rund 300.000 Euro [...] mehr »
Jürgen Flimm erhielt Ehrenzeichen des Landes Salzburg
Dem scheidenden Intendanten der Salzburger Festspiele, Jürgen Flimm, ist am Mittwochabend das Ehrenzeichen des Landes [...] mehr »
Salzburger Festspiele: Netrebko und Schrott im Duett für Pakistan
Mit einem besonderen Höhepunkt werden die Salzburger Festspiele bei der Benefizgala für die Opfer der Flutkatastrophe [...] mehr »
Mehr Meldungen »

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neuen Nutzer registrieren

Anmelden oder Registrieren
um Profile zu verknüpfen

{username} registrieren Sie sich jetzt neu auf VOL, um Ihr Facebook-Profil mit einem neuen Benutzer zu verknüpfen ODER klicken Sie auf Anmelden wenn Sie bereits einen VOL-Benutzer haben.


muss eine gültige E-Mail-Adresse sein


Bitte max. 32 Zeichen verwenden


Mindestens 6 Zeichen





Sie haben bereits einen VOL-Benutzer? Anmelden

Bestehendes VOL-Profil verknüpfen

melden Sie sich mit Ihrem VOL-Benutzer an ODER klicken Sie auf Neu Registrieren .


Passwort vergessen

Sie haben noch keinen VOL-Benutzer? Neuen Benutzer registrieren