15. August 2010 07:27; Akt.: 15.08.2010 07:27

Salzburger Festspiele: Eleganter, aber braver "Young Conductor"

David Afkham (l.) mit Franz Welser-Möst bei der Verleihung des Preises. David Afkham (l.) mit Franz Welser-Möst bei der Verleihung des Preises. - © Neumayr
Dirigent David Afkham ist 1983 in Freiburg geboren, und alle Musikwelt scheint sich um ihn zu reißen. Die Salzburger Festspiele haben den Hochbegabten mit ihrem ersten “Young Conductors Award” ausgezeichnet.

Am Samstagvormittag hat Afkham mit dem Gustav Mahler Jugendorchester sein Preisträgerkonzert in der Felsenreitschule gegeben und dabei durchwachsen debütiert.
Wie schon in der Ausschreibung an die 81 Award-Bewerber haben die Festspiele die Moderne eingefordert. Es geht nicht mehr anders. Also hat Afkham György Ligetis “Atmospheres” für großes Orchester ins Programm genommen und mit diesem beinahe ein halbes Jahrhundert alten (!) Stück Übersicht bewiesen: Diszipliniert zeichnete das Orchester das zarte Klanggeflecht aus der Frühzeit der Mikroton-Musik nach, bis ein Flugzeug über Salzburg Ligeti nahtlos ablöste und an die Ohren brummte – zum Schmunzeln.

Mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll aber driftete dieses Preisträger-Konzert in die Enttäuschung. Da sind im Schnitt 20- bis 30-jährige Musiker – Dirigent Afkham und Solist Till Fellner inklusive – auf der Bühne und produzieren nichts als elegante, kultivierte Bravheit. Blutjunge, begabte und fantastisch ausgebildete Musiker spielen bei den Salzburger Festspielen, und doch ist nichts zu hören als gänzlich visionsloser und blutleerer Beethoven. Ist es Nervosität? Ist es die Sorge, stilistisch irgendwo anzuecken oder Fehler zu machen? Was hielt die Musiker am Boden und erstickte alle Energie und gestalterische Idee im Keim? Zu erleben war jedenfalls nicht mehr als technisch (fast) makellose, aber um keinen Deut mehr als hübsche und belanglose Musik. Wie in einem Kaufhaus rieselte dieser Klassiker durch den Saal und bewegte nichts. Es schien, als habe sich Sponsor Nestle als Weltkonzern und Lebensmittelversorger für die Massen eine ebenso massentaugliche Maschine zur Reproduktion von Musik installiert, die in keinem einzigen Takt klar gemacht hat, warum man ins Konzert gehen, still sitzen und zuhören sollte.

Mit Schostakowitschs Symphonie Nr. 10 in e-Moll aus dem Jahr 1953 konnten Afkham und “sein” Jugendorchester dieses zweifellos krass formulierte, aber sachlich unvermeidbare Urteil substanziell neutralisieren und teilweise sogar in sein Gegenteil verkehren. Die überwiegend weiblichen Musiker wirkten wie endlich von der Leine gelassen, legten sich in die Riemen und strichen und bliesen, was das Zeug hielt. Jetzt erst spielten die Musiker ihre Qualitäten aus und gaben dieses große, epochale Orchesterwerk mit eleganter Raffinesse und packender Wucht, ohne je grob und brachial zu werden. Endlich schienen sich die Musiker befreit zu haben von Gedanken an Jury, Auszeichnung, Preisträgerkonzert und Kritiker und sorgten für Versöhnung und Jubel am Ende dieser Matinee.

(Von Christoph Lindenbauer/APA)


Artikel weiterempfehlen

Ihre Meinung
Was meinen Sie?
Kommentare filtern  | 
KOMMENTARE FILTERN Optionen ausblenden  X


Please enter a title and content
 


Mehr auf Salzburg24.at
YDP-Award an "Symphony of a Missing Room"
Die Sieger des "Young Directors Project" 2011 der Salzburger Festspiele heißen Christer Lundahl und Martina Seitl. mehr »
Salzburger Festspiele: Berliner Philharmoniker beenden Konzertsommer
Ein Traum-Programm, das Konzertchef Markus Hinterhäuser und die Berliner Philharmoniker für das allerletzte Konzert [...] mehr »
Resumee der Festspiele – Österreich im 90. Festspieljahr
Die Salzburger Festspiele neigen sich dem Ende zu. Insgesamt besuchten ca. 250.000 Besucher die Festspiele aus 72 Nationen. mehr »
Festspiel-Benefizgala für Pakistan brachte 300.000 Euro
Bei der kurzfristig anberaumten Benefiz-Festspielgala Donnerstagabend im Haus für Mozart sind rund 300.000 Euro [...] mehr »
Jürgen Flimm erhielt Ehrenzeichen des Landes Salzburg
Dem scheidenden Intendanten der Salzburger Festspiele, Jürgen Flimm, ist am Mittwochabend das Ehrenzeichen des Landes [...] mehr »
Mehr Meldungen »

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neuen Nutzer registrieren

Anmelden oder Registrieren
um Profile zu verknüpfen

{username} registrieren Sie sich jetzt neu auf VOL, um Ihr Facebook-Profil mit einem neuen Benutzer zu verknüpfen ODER klicken Sie auf Anmelden wenn Sie bereits einen VOL-Benutzer haben.


muss eine gültige E-Mail-Adresse sein


Bitte max. 32 Zeichen verwenden


Mindestens 6 Zeichen





Sie haben bereits einen VOL-Benutzer? Anmelden

Bestehendes VOL-Profil verknüpfen

melden Sie sich mit Ihrem VOL-Benutzer an ODER klicken Sie auf Neu Registrieren .


Passwort vergessen

Sie haben noch keinen VOL-Benutzer? Neuen Benutzer registrieren