David Afkham (l.) mit Franz Welser-Möst bei der Verleihung des Preises. - © Neumayr
Mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll aber driftete dieses Preisträger-Konzert in die Enttäuschung. Da sind im Schnitt 20- bis 30-jährige Musiker – Dirigent Afkham und Solist Till Fellner inklusive – auf der Bühne und produzieren nichts als elegante, kultivierte Bravheit. Blutjunge, begabte und fantastisch ausgebildete Musiker spielen bei den Salzburger Festspielen, und doch ist nichts zu hören als gänzlich visionsloser und blutleerer Beethoven. Ist es Nervosität? Ist es die Sorge, stilistisch irgendwo anzuecken oder Fehler zu machen? Was hielt die Musiker am Boden und erstickte alle Energie und gestalterische Idee im Keim? Zu erleben war jedenfalls nicht mehr als technisch (fast) makellose, aber um keinen Deut mehr als hübsche und belanglose Musik. Wie in einem Kaufhaus rieselte dieser Klassiker durch den Saal und bewegte nichts. Es schien, als habe sich Sponsor Nestle als Weltkonzern und Lebensmittelversorger für die Massen eine ebenso massentaugliche Maschine zur Reproduktion von Musik installiert, die in keinem einzigen Takt klar gemacht hat, warum man ins Konzert gehen, still sitzen und zuhören sollte.
Mit Schostakowitschs Symphonie Nr. 10 in e-Moll aus dem Jahr 1953 konnten Afkham und “sein” Jugendorchester dieses zweifellos krass formulierte, aber sachlich unvermeidbare Urteil substanziell neutralisieren und teilweise sogar in sein Gegenteil verkehren. Die überwiegend weiblichen Musiker wirkten wie endlich von der Leine gelassen, legten sich in die Riemen und strichen und bliesen, was das Zeug hielt. Jetzt erst spielten die Musiker ihre Qualitäten aus und gaben dieses große, epochale Orchesterwerk mit eleganter Raffinesse und packender Wucht, ohne je grob und brachial zu werden. Endlich schienen sich die Musiker befreit zu haben von Gedanken an Jury, Auszeichnung, Preisträgerkonzert und Kritiker und sorgten für Versöhnung und Jubel am Ende dieser Matinee.