9. August 2010 10:24; Akt.: 9.08.2010 10:24

Salzburger Festspiele: "Nur" Durchschnitt

"Orfeo ed Euridice" im Großen Festspielhaus floppte total. "Orfeo ed Euridice" im Großen Festspielhaus floppte total. - © WildBild
Salzburg-Stadt – Für die Oper des Salzburger Festspielsommers 2010 gibt es nur ein passendes Vokabel: durchwachsen. Sowohl in der Wahrnehmung des internationalen Feuilletons als auch des Publikums halten sich nach den vier Neuinszenierungen Begeisterung und kritische Ablehnung halbwegs die Waage, wiewohl die Produktionen beim Publikum um einen Tick besser angekommen sein dürften als bei den Analysten und Kritikern.

Dionysos machte den Anfang

Der Reigen dieses Sommers begann mit der Uraufführung von “Dionysos” von Wolfgang Rihm. Der Schwabe hat die psychologisch ein wenig wirre Geschichte des alten FriedrichNietzsche im Haus für Mozart mit relativ konventioneller, aber wunderbar melodiöser Musik kombiniert und beim Publikum damit einen Applaus eingefahren, der für moderne Werke durchaus nicht selbstverständlich ist. Während das Publikum zwar nicht frenetisch, aber doch freudig-zustimmend auf diese Uraufführung reagierte, reagierten die Medien unterschiedlich. Rihms sphärisch-traumhafte Reise über die Abgründe der Einsamkeit wurden unterschiedlich beurteilt. “Direkt verständliche Musik”, “packende fesselnde Musik” und “dieser Opernfantasie muss man sich einfach hingeben” waren dabei einige Kommentare. Entscheidend bereichert wurde diese Produktion durch das Bühnenbild von Jonathan Meese. Eingang ins Repertoire wird “Dionysos” vermutlich aber keinen finden.


Fade Oper: Orfeo ed Euridice floppte

“Orfeo ed Euridice” im Großen Festspielhaus hingegen floppte total. Nicht in den Ohren des Publikums, das Riccardo Muti wohl aus Gewohnheit zujubelte. Tatsächlich überboten einander Muti und Regisseur Dieter Dorn in Glucks ohnehin schon fader Oper mit Einfallslosigkeit. Inszenierte Fadesse, zum Ärgern uninspiriert. Auch in der Kollegenschaft stieß diese Produktion nicht nur, aber überwiegend auf herbe Ablehnung.

Auch Lulu verlor an Kraft

Deutlich vielschichtiger waren die Reaktionen auf Alban Bergs “Lulu” in der Regie von Vera Nemirova. Die Bulgarin hat die hoch komplexe Frauen-Geschichte in der Felsenreitschule aus dem Milieu ihrer Zeit herausgelöst und ins Abstrakte befördert. Dabei hat die Zwölfton-Oper allerdings – trotz einiger starker Bilder – viel von ihrer Kraft verloren. Vieles in dieser Regie wirkte künstlich und unverständlich, auch mit ihrer Personen-Regie schaffte es die Regisseurin nicht, ihre Hauptfigur zu erden – Nemirovas Lulu blieb entschieden zu blass. Stattdessen verließ sich die Bulgarin auf die Wirkung der Bühnen-Malerei von Daniel Richter und den längst nicht mehr neuen Gag, eine ganze Szene im Zuschauerraum spielen zu lassen. Das Publikum reagierte auf diese Premiere eher lau.

Neuinszenierung Elektra erfolgreich

Bleibt die “Elektra” als vierte und letzte Neuinszenierung, bevor sich derSalzburgerOpernzirkus auf die Wiederaufnahmen von Claus Guths “Don Giovanni” und “Romeo etJuliette” von Regisseur Bartlett Sher und Anna Netrebko in der Hauptrolle sowie auf eine konzertante “Norma” konzentrieren wird. Und dieser “Elektra” bescherte das Premieren-Publikum am Sonntagabend im Großen Festspielhaus den ebenso eindeutigen, wie berechtigten Erfolg. Vor allem der grandiose Orchester-Klang der Wiener Philharmoniker unter Daniele Gatti überzeugte in dieser von Nikolaus Lehnhoff nur karg und zurückhaltend in Szene gesetzten Strauss-Tragödie.


Keine Skandale, keine herausragenden Talente

Die Bilanz des Opern-Sommers 2010 in Salzburg fällt trotz des Erfolgs in der letzten Runde also zwiespältig aus. Keine Skandale und keine Aufreger, aber auch keinerlei strahlende oder gar beispielgebende Bühnen-Produktion. Intendant Jürgen Flimm hat allzu normale, mittelmäßige Oper gezeigt, die nichts hinterlassen und schnell vergessen sein wird. Keine Neuentdeckung eines besonderen Sänger- oder Regie-Talents. Nichts ragte heraus aus dem Durchschnitt. Der Opernsommer verging ohne Spuren in den Festspiel-Analen oder gar den Gemütern der Fans. Schade eigentlich.


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